"Hindenburg Klassik"

Neues Gewand, altes Glück

Das Hindenburg Klassik hat eine neue Leitung.

Das Hindenburg Klassik hat eine neue Leitung.

Hannover. Schön, dass wir noch einen letzten Platz auf der Terrasse bekommen konnten, obwohl wir erst so spät reserviert haben. Von hier aus lässt sich ein PS-starkes Schauspiel erleben. Nicht nur hippe SUV (Sport Utility Vehicle oder auf Deutsch: Geländelimousinen) halten vor dem „Hindenburg Klassik“, zu sehen sind auch immer wieder die Edelfahrzeuge Mercedes (S-Klasse) Jaguar und Bentley. Wer geübt lässig herausspringt, trägt meist ein modisches Sakko mit Einstecktuch und wird von den Restaurantchefs persönlich begrüßt. Man kennt sich im „Hindenburg Klassik“, die Nachbarn im feinen Zooviertel wie auch gut situierte Besucher aus Stadt und Umland gehören zu den Stammgästen. Aber auch als Neuankömmling wird man aufmerksam bedient. Das ist auch so geblieben, nachdem sich in dem Edelrestaurant einiges verändert hat.

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Der neue Betreiber Maurice Weissenow führt das Restaurant jetzt mit seiner Frau Gloria Viero, der Tochter von Pierino Viero, der das italienische Restaurant zuvor gut 30 Jahre lang geleitet hat. Der Ex-Chef – er musste für den Betrieb zuletzt Insolvenz anmelden – tritt auch noch als eine Art Oberkellner auf, überlässt aber das Repräsentieren seinem Schwiegersohn; dessen Frau versprüht an den Tischen ebenfalls gute Laune und zeigt, dass sie die gehobene Gastronomie perfekt beherrscht. Das Restaurant ist aufwendig renoviert worden. Kompliment an die Gestalter: Der hellgraue Anstrich, gepaart mit erotischen Kunstdrucken, massiven Eichentischen, Deckenlüstern und einem zusätzlichen indirekten Licht hinter Stuckaturen wirkt modern und ansprechend, keineswegs kühl. Zwischendurch zeigt der Chef, dass auch buntes Diskolicht möglich wäre – so etwas muss man allerdings mögen. Für Raucher gibt es noch immer einen mit Glas abgetrennten Bereich. Einzig die Stufe am Eingang erweist sich als Stolperfalle.

In der lauen Sommerluft bestellen wir einen Bellini (7,50 Euro) als Aperitif, den der junge Chef höchstpersönlich zwischendurch mit einem langstieligen Eislöffel umrührt, sobald sich der pürierte Pfirsich im Prosecco abgesetzt hat. Zu unseren Aperitifs wird ein Gruß des Hauses gereicht – ein schmackhaftes Häppchen aus Flusskrebsschwänzen und Staudensellerie.

Der neue Küchenchef Thorsten Heinze hatte angekündigt, internationaler werden zu wollen – aber im Mittelpunkt der Karte stehen noch immer italienisch geprägte Speisen. Dabei beweist Heinze aber Können. Mein Begleiter bestellt als Vorspeise ein feines Vitello Tonnato (14 Euro), das mit kleineren und größeren Kapern angerichtet ist. Der Clou bei meiner Spargelvorspeise (19,50 Euro) ist der aromatische weiße Sommertrüffel, den mir Gloria Viero frisch auf den Schinken hobelt – und der wohl auch den Preis für die überschaubare Portion getrieben hat.

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Mein Hauptgang, ein Ribeye-Steak vom Uckermärker Biorind (26 Euro), ist pikant mariniert, das Fleisch könnte rosiger sein – allerdings war ich zuvor auch nicht nach der Garstufe gefragt worden. Die nebst Rosmarinkartoffeln dazu gereichten geschmolzenen Tomaten sind erfreulich intensiv. Mein Begleiter freut sich indes über seine zarten Seeteufelmedaillons (23 Euro) an Rieslingsoße. Interessant ist hierbei der Riso Venere oder „Venusreis“ – ein in Italien kultivierter schwarzer Vollkornreis, der toll nussig und saftig schmeckt. Auch die uns empfohlenen offenen Weine, ein roter Primitivo (7 Euro für 0,2 Liter) zum Fleisch und ein Riesling (6 Euro für 0,2 Euro) zum Fisch, lassen nichts zu Wünschen übrig. Zum Schluss teilen wir uns noch eine Portion Panna Cotta (7 Euro), das ist okay, aber nach den guten Gerichten vorweg hätten wir uns doch ein wenig mehr Raffinesse versprochen.

Hindenburg Klassik

Gneisenaustraße 55
30175 Hannover
Telefon: (05 11) 858 588

www.hindenburg-klassik.de

Montags bis freitags  12 – 14.30 Uhr und ab 18 Uhr
Sonnabends ab 18 Uhr
Sonn- und Feiertags geschlossen

Preiskategorie: gehoben
(Hauptgericht um 20 Euro)

Bei unserem ersten Besuch wählten wir von der schnörkelig handgeschriebenen Tageskarte. Sowohl meine gegrillte Dorade Royal (23 Euro) als auch der Frühlingssalat mit den kleinen Lammkoteletts (19 Euro) meines Mittesters, waren weit über Durchschnitt, inklusive aller Beilagen: Zum Fisch gab es perfekt gedünstetes Gemüse, zum Salat gehobelte Belper Knolle, ein Mitbringsel aus der Schweiz, wo Küchenchef Thorsten Heinze zuvor gearbeitet hatte. Die Erfindung dieser Knolle ist übrigens purer Zufall: Beim Aufräumen seines Käsekellers fand der Schweizer Peter Glauser in einer hinteren Ecke ein Stück des bereits steinharten Frischkäses. Er stellte fest, dass sich der Knollen raspeln und genießen ließ – ein neues Geschäftsidee war entstanden. Seine Familie betreibt noch immer den Handel damit. Heute gilt die Belper Knolle als Trüffel unter den Käse – oder wie man im Hindenburgviertel sagen würde: Ein Mercedes-Stern auf dem Teller.

Mein Fazit:

Wer etwas ausgeben will, trifft auf gewohnt gute Qualität.

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