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Wo soll Tom leben?

Platzverweis für Obdachlosen in der Oststadt – Anwohner sind sauer

Erika Heine, selbst obdachlos, kümmert sich um Tom

Erika Heine, selbst obdachlos, kümmert sich um Tom

Hannover. . Tom* besaß ein Zelt. Manchmal baute er es als Regenschutz auf, gleich auf der Rasenfläche am Königinnendenkmal in der Oststadt. Für Passanten war nicht zu übersehen, dass sich hier jemand eingerichtet hatte. Bald kamen freundliche Nachbarn mit Dingen, die ein obdachloser Mensch gut gebrauchen kann. Kaffee, gelegentlich ein kleines Frühstück, Wasserflaschen, warme Suppe, ein Klappbett vom Sperrmüll. Dazu ein Regenschutz, neue Wollsocken und warme Winterschuhe in Zeiten bitteren Kälte der vergangenen Wochen. Eine Anwohnerin füllte zu Hause heißes Wasser in eine Wärmflasche und brachte sie zum Denkmal. Ein kleiner Zirkel kümmerte sich um den Mann dort draußen.

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Er wählte diesen Platz für sein Leben

Seit einiger Zeit wählte Tom diesen Platz für sein Leben. Vorne sah er den Verkehr der Hohenzollernstraße, hinter ihm begann ein paar Meter entfernt die Eilenriede. An kalten Tagen lag er hier auf dem Rasen, ebenso in warmen Stunden wie am Montag, ein seltener Glückstag, 16 Grad, Sonnenschein und kein Regen. Hunderte Menschen gingen jeden Tag an ihm vorbei. Tom möchte nicht viel erzählen von sich, nur dass er aus Israel gekommen sei, im nächsten Jahr 60 Jahre alt werde, aber nicht glaube, dass er das noch feiern wird. Tom raucht, und er sagt, dass er in keine öffentliche Obdachlosenunterkunft will, lieber schläft er nachts draußen. Zum Abschied streckte er die Hand aus.

„Lagerstätten des Obdachlosen gleichen Müllinseln“

Am vergangenen Donnerstag kamen Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes und der Polizei vorbei. Tom, bei Behörden seit Langem bekannt, sollte gehen. Lagern im öffentlichen Raum ist verboten, so steht es in der städtischen Satzung. „Leider gleichen die Lagerstätten des Obdachlosen mitunter Müllinseln“, sagte Sprecher Udo Möller und zählte auf: „Alte Verpackungen, diverse Lebensmittel und Essensreste in unmittelbarer Umgebung.“ Tom wurde aufgefordert zu gehen, „mit dem deutlichen Hinweis, Hab und Gut einzusammeln“ und mitzunehmen. Die Erfahrung mit dem Obdachlosen habe zudem gezeigt, dass er öfters aggressiv reagiere, wenn er aufgefordert werde, seine Plätze zu räumen.

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Er ging, aber er kehrte sofort zurück. Er lag auf dem Fußweg der nahen Yorckstraße, später wieder auf der Wiese am Denkmal. „Dünn bekleidet, und sogar ohne Schuhe und Strümpfe, die gesamten Habseligkeiten des armen Mannes waren verschwunden“, schrieb Anwohner Ferdinand Becker-Rose an die Stadt. Die Nachbarschaft habe erneut Regenschutz, Winterschuhe und Wollsocken gesammelt, aber am Sonnabend waren auch diese Gegenstände verschwunden. Becker-Rose legte am Montag mit einer Email nach. Die Stadt habe die Sachen „entwendet“ und riskiere damit unter Umständen Toms „fahrlässige Tötung“. Becker-Rose forderte OB Stefan Schostok auf, „die Angelegenheit umgehend in Ordnung bringen zu lassen“.

Stadt weist Vorwürfe zurück

Die Stadt wies diese Vorwürfe am Montag zurück. Man habe Tom gegen dessen Willen nichts weggenommen. „Wenn er aber den Platz räumt und dabei Dinge liegen lässt, dann werden die entsorgt“, sagte Möller. Anders gesagt bedeutet dies: Er ließ liegen, was Anwohner ihm schenkten. Hilfsangebote habe er stets abgelehnt.

Es gibt noch eine weitere Sicht auf Toms Geschichte. Die obdachlose Erika Heine erzählte sie, ebenfalls am Montag, am Rande des Sozialausschusses, den sie regelmäßig im Rathaus besucht. Sie sprach von einer „großen Hilfsbereitschaft“ der Nachbarn und habe ihnen Ratschläge gegeben, wie man Tom helfen könnte. „Dieser Mann kommt nicht zurück ins System, seien Sie ihm eine Familie. Das heilt. Gebt ihm dieses Leben in Würde auf der Straße.“

„Wie ein halbtoter Hund“

Am Sonnabendnachmittag hatten Erika Heine und Sylvia Petersen, eine Mitarbeiterin der Heilsarmee, Tom noch einmal gesehen. Sein Platz nahe des Denkmals war leer, alles sei weggeräumt gewesen. Schließlich fanden sie ihn hinter einer Hecke. Die neu geschenkten Schuhe fehlten, die teuren Strümpfe, die Decken, die Plane. Tom habe barfuß dort gelegen, Bauch und Rücken waren frei. Sylvia Petersen kam er vor „wie ein halbtoter Hund“. Auch Anwohner Becker-Rose sah Tom dort liegen. Dann schrieb er seinen wütenden Brief an das Rathaus.

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Erika Heine hätte einen Vorschlag: „Warum lässt man Obdachlose wie Tom nicht einfach an dieser Stelle leben?“

*Name geändert

Busshuttle bewährt sich

Der hannoversche Shuttlebus für Obdachlose wird immer besser angenommen. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes –Region Hannover waren es Mitte vergangener Woche noch nur 18 Wohnungslose, die den Shuttle aus der Innenstadt zur Notunterkunft Alter Flughafen in Vahrenheide nutzten. Am Sonntag hatte sich die Zahl mit 33 fast verdoppelt: „Die Zahlen steigen stetig“, sagte DRK-Sprecherin Nadine Hunkert. Auch die Zahl der Obdachlosen, die die Unterkunft als Schlafplatz nutzten, sei von 90 auf 100 pro Nacht gestiegen. Bleibt es dabei, soll der Bus nach Angaben der Verwaltung möglicherweise bis Ende März fahren. Die Notschlafstelle Alter Flughafen, die größte Hannovers, bietet 150 Menschen Platz. Sie liegt so weit draußen im Gewerbegebiet, dass es bisher für viele Menschen problematisch war, sie zu erreichen. Deshalb organisiert das DRK nun, in Auftrag der Stadt, zweimal täglich den Shuttle.

Die Situation der Obdachlosen Hannovers war am Montag auch im städtischen Sozialausschuss Thema. Am Erfolgreichsten war der Dringlichkeitsantrag der CDU, in dem die Verwaltung aufgefordert wird, die Akzeptanz der Notunterkünfte bei den Wohnungslosen zu steigern. Dass manche aus Furcht vor Belästigungen, Gewalt und Diebstählen selbst bei arktischen Temperaturen draußen schliefen, könne nicht hingenommen werden, sagte Ratsherr Hans-Georg Hellmann (CDU).

Ob die Verwaltung darüber nachgedacht habe, Hundezwinger aufzustellen, weil das Mitführen von Hunden verboten für die Obdachlosen aber besonders wichtig sei, fragte Hellmann. Man sei mit der Bauverwaltung im Gespräch, sagte Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf. Die SPD zog den Antrag in die Fraktion. Man wolle ihn mit konkreten Vorschlägen anreichern und neu stellen, sagte Ratsherr Robert Nicholls (SPD).

Gegenstand weiterer Anträge war die Frage, ob es andere geeignete Orte zur Unterbringung von Obdachlosen gibt. Ratsherr Tobias Braune forderte die Einrichtung einer Obdachlosenunterkunft in der nicht genutzten U-Bahn-Station unter dem Raschplatz. Die Hannoveraner forderten zu prüfen, ob sich der Bunker unter dem Ernst-August-Platz mit seinem Platz für rund 2100 Personen eigne. Mit einem Dringlichkeitsantrag versuchte die Gruppe Linke/Piraten die Einsatzzeiten für den Kältebus auf montags bis sonntags von 18 bis 23 Uhr auszuweiten. Darüber hinaus solle die Verwaltung prüfen, ob man den Kältebus nicht nachts einsetzen solle. Unter anderem mit Hinweis auf den Busshuttle, der Obdachlose derzeit in eine Unterkunft mit ausreichend Platz fahre, wurden alle diese Anträge mehrheitlich abgelehnt.

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