Fall Bach

„Patient hatte keinen Krebs“

Der Sachverständige Manfred Schwartau kommt gleich zum Kern seines Gutachtens. „Es gab kein Krebsleiden. Dieser Patient hat nie eine Leukämie gehabt“, sagt er: „Das Ganze ist eine Fehldiagnose.“

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Im Fall des 63-jährigen Günther B., der im Dezember 2002 in der Paracelsusklinik starb, soll eine fehlerhafte Behandlung der angeklagten Ärztin Mechthild Bach überhaupt erst zum schlechten Gesundheitszustand geführt haben. Hätte die Hausärztin und Internistin weitere Fachärzte hinzugezogen, hätte der 63-Jährige „eine normale Lebenserwartung gehabt“, wirft Schwartau Bach vor. Schwartau ist Prüfarzt des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) in Niedersachsen und hat in diesem Verfahren schon oft schwere Anschuldigungen gegen die wegen Totschlags an 13 Patienten angeklagte Ärztin erhoben. Ihm zufolge hat Günther B. ursächlich nur an einem Mangel an Vitamin B12 gelitten, der unter anderem zu den erheblichen Essstörungen führte: Wie die Töchter des Verstorbenen zuvor geschildert hatten, hatte ihr Vater in wenigen Jahren 45 Kilogramm abgenommen. Weder aus Krankenakten noch aus Zeugenaussagen hätten sich Anhaltspunkte für die von Bach diagnostizierte seltene Form der Leukämie ergeben, die nach Schwartaus Ausführungen eine Lebenserwartung von ein bis zwei Jahren mit sich bringt. „Wenn der Patient nach acht Jahren immer noch lebt, wie in diesem Fall, hätte man das kritisch hinterfragen müssen.“

Stattdessen habe Bach dem Patienten dauerhaft Kortison verschrieben – dies habe zwangsläufig zu der bei B. festgestellten Osteoporose geführt, ist Schwartau sicher. Keine Hinweise habe er auf eine angebliche Herzschwäche finden können. Vielmehr hätten die blutdrucksenkenden Medikamente – „darunter echte Granaten“ – dazu geführt, dass der Patient immer müde gewesen sei. Ärztin Bach, so der Gutachter, habe 27 verschiedene Diagnosen gestellt, doch die eigentliche Beschwerde, Leistenbruch, sei nicht behandelt worden. Günther B. sei schließlich an einer Überdosis Morphium gestorben. Bis dahin habe der Patient „enorm viel ausgehalten“.

Bachs Verteidiger reagierten naturgemäß verärgert. Sie hielten dem MDK-Prüfarzt die Stellungnahme eines Kollegen entgegen. Auch der soll 1997 zum Befund einer Leukämie gekommen sein. „Das Gericht wird sich auf eine Vielzahl von Beweisanträgen einstellen müssen“, kündigte Matthias Waldraff an. Am Dienstag hatte das Gericht unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch sämtliche zuvor gestellten Anträge der Verteidigung zurückgewiesen, darunter die Befangenheitsanträge gegen Dauergutachter Prof. Michael Zenz und gegen Manfred Schwartau.

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