Linden-Limmer

Plan für Radschnellweg stößt auf Vorbehalte

Scheidepunkt: Nahe der früheren Uhlhorn-Kirche führt der Radweg über die Dornröschenbrücke in die City – und müsste noch ausgebaut werden.

Scheidepunkt: Nahe der früheren Uhlhorn-Kirche führt der Radweg über die Dornröschenbrücke in die City – und müsste noch ausgebaut werden.

Hannover. Es wäre eine Premiere für Hannover: Der erste Radschnellweg der Stadt könnte künftig das Neubaugebiet Wasserstadt in Limmer mit der City verbinden. Denkbar wäre eine Route, die am Südufer des Leineabstiegskanals und der Leine bis in die Innenstadt führt - bereits vorhandene Radwege könnten dafür ausgebaut werden. Doch diese Idee, die auf eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2011 zurückgeht, ist umstritten: Anwohner und Stadtteilpolitiker befürchten, dass eine breite Schneise in das von Bäumen und Büschen bewachsene ufernahe Erholungsgebiet in Limmer und Linden-Nord geschlagen würde, wenn die Planungen Realität werden sollten.

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Nachdem die Pläne für einen barrierefreien Radschnellweg für einige Jahre in der Schublade verschwunden waren, sollen sie nun offenbar so schnell wie möglich überprüft und konkretisiert werden: Bereits vor der politischen Sommerpause beauftragte die rot-grüne Ratsmehrheit die Stadtverwaltung damit, die mögliche Trasse zu planen. Zum einen geht es um eine bessere Anbindung des Neubaugebiets Wasserstadt jenseits des Autoverkehrs. Zum anderen seien die bestehenden Radwege für einen zunehmend schnelleren Radverkehr, wie ihn etwa Elektrofahrräder ermöglichen, nicht ausgestattet, argumentieren die Ratspolitiker. So sieht es auch Ratsherr Michael Dette, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen. An welchem Leineufer die Schnelltrasse letztlich gebaut werde, sei aber offen, betont er. „Da will ich mich nicht festlegen.“ Gleichwohl soll die Stadt möglichst noch im Herbst ein Konzept für den künftigen Trassenverlauf vorlegen.

Grundsätzlich kommt die Idee eines Radschnellweges auch in den betroffenen Stadtteilen an. Die Lindener Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU) etwa forderte jüngst eine solche Verbindung, mit der Wasserstadt und City auf dem Rad gut und zügig erreichbar sein sollen. Die Bürgerinitiative (BI) Wasserstadt Limmer ist einem solchen Projekt ebenfalls nicht abgeneigt - „aber nicht auf der Route am Südufer“, stellt BI-Sprecher Uwe Staade klar. Aus Sicht der Initiative spricht einiges dagegen. Wo genau die Probleme liegen, erklärt Staade bei einer Tour, die am Südufer des Kanals in Limmer und in Linden am südlichen Ufer der Leine entlangführt.

Zunächst befürchtet die BI Engstellen auf dem Radweg auf dem Hochwasserschutzdamm am Leineabstiegskanal, auf dessen Krone derzeit kaum drei Radfahrer nebeneinander passen. Ausgehend von einer neuen Trassenbreite von mindestens vier Metern, bliebe dort wenig Platz für Fußgänger. Ein weiteres „Nadelöhr“ gibt es im alten Dorf Limmer: beim Hof von Bauer Hermann Völxen und in Höhe der Kleingärten. Konflikte erwartet Staade auch in Linden-Nord. Dort hat der Radweg zwar eine eigene Trasse, die von den Fußgängern getrennt ist. Aber für einen Ausbau als Radschnellweg müsste die bisherige Verbindung auch dort verbreitert werden - auf Kosten der Grünanlagen. Man solle den alten Radweg so lassen, wie er ist, und stattdessen eine Alternativroute auf der nördlichen Seite von Kanal und Leine planen, schlägt die BI daher vor.

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Das Nordufer wäre auch für Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube die bessere Wahl. Dort allerdings hätten die Planer mit Leineabstiegskanal, der Leine, dem Ernst-August-Kanal und dem Westschnellweg mehrere Hindernisse zu überbrücken. Nicht ohne Grund haben die Autoren der Studie von 2011 darum das Südufer für die Schnelltrasse vorgeschlagen. Grube aber befürchtet, dass dort etliche Bäume fallen müssten. Zudem wären die Interessen vieler Anlieger und Eigentümer betroffen - wegen des schnelleren Radverkehrs in ihrer Nachbarschaft und wegen möglicher Grundstücksankäufe, die die Stadt tätigen müsste. „Bezirksrat und Anwohner müssen an der Planung beteiligt werden“, fordert Grube. Er sorgt sich, dass Rat und Verwaltung der Stadt schon im Herbst erste Weichen stellen könnten, ohne dass es zuvor eine gründliche Bürgerbeteiligung gegeben hätte.

Für Grube spielen auch die Planungen für die Wasserstadt eine Rolle. Die ursprünglichen Pläne sahen 650 Wohnungen vor - die im Stadtteil umstrittenen neuen Konzepte von Investor Günter Papenburg und der Stadt gehen von mehr als 2000 Wohnungen aus. Noch fährt keine Stadtbahn in das Neubaugebiet, und in der Wunstorfer Straße gibt es schon jetzt häufig Staus. Um solchen Verkehrsproblemen zu begegnen, könnte ein Radschnellweg eine Lösung sein, findet Grube. Aber er will nicht, dass die Stadt die Trasse nur baut, weil mit einer verdichteten Bauweise in der Wasserstadt mehr Menschen in Limmer angesiedelt werden sollen. Der Bau eines Radschnellwegs und die Zahl der Wasserstadt-Neubürger sollten nicht vermengt werden, betonen auch Staade und seine Mitstreiter von der BI.

Bau der Fahrradtrasse könnte 2016 starten

Die Metropolregion, ein Zusammenschluss der Ballungsräume Hannover, Braunschweig, Göttingen und Wolfsburg, legte 2011 eine Machbarkeitsstudie für Radschnellwege in ganz Niedersachsen vor. In der Region Hannover schlugen die Gutachter drei Routen vor, die die Stadt Hannover mit den Städten Garbsen, Laatzen und Lehrte verbinden könnten. Die Strecke Garbsen-Hannover würde über Marienwerder, die Wasserstadt Limmer, das Südufer von Leineabstiegskanal und Leine sowie über die Dornröschenbrücke zum nördlichen Leineufer und weiter Richtung Steintor führen. Die etwa 14 Kilometer lange Trasse sollte nach dem damaligen Stand der Dinge rund 2,8 Millionen Euro kosten.

Zu den wichtigsten Ausbaustandards gehören eine vier Meter breite Trasse für Zweirichtungsverkehr, eine räumliche Trennung von Rad- und Gehwegen, durchgängige Beleuchtung und eine durchgehende Asphaltierung. Zudem sollen ungesicherte Querungen und Barrieren auf der Strecke vermieden werden. Möglich wäre auf den Radschnellwegen ein schnelleres Fahren mit etwas mehr als 30 Stundenkilometern und ein gefahrloseres Überholen. Die Umlandkommunen konnten sich bislang nicht zu einem Entschluss durchringen, die Radschnellwege einzurichten. Nun will der Rat der Stadt Hannover zumindest für das hiesige Stadtgebiet eine erste Route ausbauen und hat dafür die Planungen in Auftrag gegeben. Bereits 2016 könnte demnach der Bau der Strecke von der Wasserstadt bis zur Innenstadt starten.

Marcel Schwarzenberger

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