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Fall Kentler

Politiker fordern lückenlose Aufklärung

Helmut Kentler lehrte 20 Jahre lang an der Uni Hannover

Helmut Kentler lehrte 20 Jahre lang an der Uni Hannover

Hannover.Eine schonungslose Aufklärung im Fall des Sexualwissenschaftlers und Pädophilie-Befürworters Helmut Kentler, der 20 Jahre an der Uni Hannover lehrte und forschte, fordern die wissenschaftspolitischen Experten des niedersächsischen Landtags. „Ich bin massiv entsetzt über die Vorgänge“, sagt Silke Lesemann von der SPD-Fraktion. Es gebe viele offene Fragen, die im Wissenschaftsausschuss thematisiert werden sollten. Auch die Grünen kündigen „parlamentarische Schritte“ an.

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Durch Recherchen der HAZ war bekannt geworden, dass der 2008 verstorbene Kentler, der in Berlin Ende der Sechzigerjahre pädophile Experimente mit obdachlosen Jungen durchführte, von 1976 bis 1996 an der heutigen Leibniz-Uni tätig war. CDU und FDP appellieren an die Uni, umgehend die Hintergründe zu erhellen. "Wir erwarten, dass sich die Leibniz-Universität ihrer Verantwortung gegenüber den Opfern pädosexueller Gewalt stellt", sagt Jörg Hillmer, Vize-Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion.

In einer Stellungnahme des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums heißt es: „Nach inzwischen vorliegenden Erkenntnissen hat Kentler in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Positionen vertreten, die moralisch wie rechtlich durch nichts – auch nicht durch einen anderen zeitlichen wie gesellschaftlichen Kontext – zu rechtfertigen sind.“ Das Ministerium hatte bereits 2016 ein Forschungsprojekt bei der Göttinger Wissenschaftlerin Teresa Nentwig in Auftrag gegeben, um die weiteren Zusammenhänge klären zu lassen.

Die Leibniz-Uni wies am Freitag den Vowurf zurück, sie habe sich bis dato nicht mit der Rolle Kentlers auseinandergesetzt. Es habe 2016 interne Recherchen gegeben, teilte die Hochschule in einer Presseerklärung mit. Nentwig werde im kommenden April einen hochschulöffentlichen Vortrag halten, um die Thematik weiter aufzuarbeiten. Auch Uni-Präsident Volker Epping thematisierte den Fall Kentler am Freitagabend beim Neujahrsempfang der Uni.

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Zudem war der HAZ der Fall eines lesbischen Paares bekannt geworden, das 1987 beim Jugendamt Hannover einen Antrag stellte, ein Kind in Pflegschaft zu nehmen. Seinerzeit empfahl die Behörde Kentler als wissenschaftlichern Begleiter. Entsprechende Informationen könne man nicht bestätigen, weil die Aufbewahrungsfrist für die Unterlagen verjährt sei, erklärte eine Sprecherin der Stadt. Adoptivkinder habe das Jugendamt nicht an Kentler vermittelt.

Von Juliane Kaune und Jutta Rinas

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