Diskussion um Festnahme

Polizei-Einsatz an Vatertag: Zeuge will Beamte anzeigen, 17-Jähriger entschuldigt sich

„Ich wollte mich nur erkundigen, wie es dem Jungen geht“: Zeuge Marcel S.

„Ich wollte mich nur erkundigen, wie es dem Jungen geht“: Zeuge Marcel S.

Hannover. Die Diskussion um den Polizei-Einsatz gegen einen 17-jährigen Radfahrer am Vatertag reißt nicht ab. Das Vorgehen der Beamten am Nordufer des Maschsees war zum Teil gefilmt worden. Das Video wurde am Sonntag auf einer Facebookseite veröffentlicht – seit Dienstagnachmittag ist es dort allerdings nicht mehr zu sehen. Der Jugendliche, das ist nicht in dem Clip zu sehen, soll zuvor Polizisten bespuckt haben. Inzwischen hat sich ein Zeuge des Vorfalls gemeldet, der ebenfalls von den Einsatzkräften angegangen worden war.

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Marcel S. war am Donnerstag auf den Polizeieinsatz durch laute Hufgeräusche aufmerksam geworden. „Plötzlich ritten zwei Polizeipferde über das gut besuchte Nordufer wie die Geisteskranken und haben dabei einen Jungen mit einem Fahrrad verfolgt“, sagt S. Nachdem die Reiter den Flüchtigen eingeholt hatten und andere Beamte den Radfahrer zu Boden gebracht hatten, ging S., das ist auf dem Video zu sehen, auf die Einsatzkräfte zu. „Ich wollte mich nur erkundigen, wie es dem Jungen geht, denn für mich sah der aus wie 12 oder 13“, sagt der Zeuge der HAZ.

Einer der Beamten schubste S. zu Boden. Ein Zweiter versuchte, mit dem Knie nach dem Zeugen zu treten. „Ich habe vor Ort zwei oder drei Mal nach der Dienstnummer der Beamten gefragt, aber keine Antwort bekommen“, sagt S. Er will dennoch versuchen, Anzeige gegen die beiden Polizisten zu erstatten. „Dienstnummern brauche ich ja jetzt nicht mehr, auf dem Video ist ja alles gut zu erkennen“, sagt der Zeuge.

Polizei bezieht per Twitter erneut Stellung

Unterdessen hat sich die Polizeidirektion per Twitter und Facebook erneut zu dem Vorfall geäußert. Nach der Spuck-Attacke wollte die Polizei die Personalien des 17-Jährigen aufnehmen. Der junge Mann habe sich dabei widersetzt und sei deshalb zu Boden gebracht worden. Der Zeuge Marcel S. soll eine Beamtin von hinten angegangen haben. Deshalb brachte ein Beamter den Zeugen mit einfacher körperlicher Gewalt zu Boden.

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Die Behörde weist in ihrer Stellungnahme ausdrücklich darauf hin, dass es der Polizei per Gesetz erlaubt sei, diese Art von Gewalt anzuwenden. „Das was der junge Mann da zeigt, ist keine Zivilcourage. Im Gegenteil: Sein Verhalten lässt die Situation unnötig eskalieren“, heißt es in der Stellungnahme.

Jugendlicher entschuldigt sich bei der Polizei

Der jugendliche Radfahrer selbst hat sein Fehlverhalten offenbar inzwischen eingesehen. Nach Angaben der Ermittler sei der 17-Jährige bereits am Sonnabend in Begleitung seines Vaters auf der Polizeiwache erschienen und habe sich bei den beteiligten Polizisten für sein Verhalten entschuldigt.

Polizeigewerkschaft verteidigt Reaktion

Auch der Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft in Niedersachsen hat sich jetzt in die Diskussion eingeschaltet. „Die Maßnahme, die in der Sequenz zu sehen ist, zeigt eine absolut angemessene und nicht zu kritisierende Handlung der eingesetzten Polizistinnen und Polizisten“, heißt es in der Stellungnahme. Die Beamtinnen und Beamten der Landespolizei sind, nach Auffassung der Gewerkschaft, professionell ausgebildet, um mit Himmelfahrtseinsätze mit ihren alkoholbedingten Vorfällen, rechtssicher und taktisch konsequent umzugehen.

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Von Tobias Morchner/dpa

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