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Nach Gewalt und Exzessen

Polizei und Stadt garantieren künftig Sicherheit am Hauptbahnhof

Machen ab sofort gemeinsame Sache: Polizei, Bahn-Sicherheit und Protec laufen künftig unter anderem zusammen am Raschplatz Streife, um die Sicherheit zu steigern.

Machen ab sofort gemeinsame Sache: Polizei, Bahn-Sicherheit und Protec laufen künftig unter anderem zusammen am Raschplatz Streife, um die Sicherheit zu steigern.

Hannover. Das Areal rund um den Hauptbahnhof, Ernst-August- und Raschplatz soll sicherer werden. Stadt, Landes- und Bundespolizei, Protec, Üstra, Bahn sowie HRG haben am Freitag ihr Konzept „Bahnhof.sicher“ präsentiert: Die sieben Institutionen wollen künftig 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen die Woche deutliche Präsenz zeigen. „Das Sicherheitsempfinden der Menschen in Hannover ist uns allen sehr wichtig“, sagt Polizeipräsident Volker Kluwe. Außerdem wird das Gebiet rund um den Raschplatz zur Kontrollzone erklärt, die erste in Hannover. Die Stadt plant zudem eine Verbotszone für gefährliche Gegenstände – ebenfalls ein Novum.

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Im Gebiet zwischen Lister Meile, Berliner Allee, Fernroder Straße inklusive Vorplatz der Drogenhilfe Stellwerk bis zum Hintereingang des Hauptbahnhofs darf die Polizei nun anlasslos Menschen überprüfen. Grund ist laut Kluwe die „erhebliche Zahl an Straftaten“ in dem Bereich. 2018 registrierten die Ermittler allein dort 1000 Gewaltdelikte, 3000 Diebstähle und 100 Drogenverstöße. Zusätzlich werde die Polizei ihre Schwerpunktkontrollen in dem Brennpunkt ausweiten, der Fokus des gesamten Konzeptes liege vor allem auf den Wochenenden.

Verbotszone nach der Sommerpause

„Viele sehen gerade rund um den Hauptbahnhof ihr subjektives Sicherheitsgefühl beeinträchtigt“, sagt Hannovers Ordnungsdezernent Axel von der Ohe. Das städtische Verbot soll das Mitführen von beispielsweise Baseballschlägern, Schlagstöcken und Äxten untersagen. „Sie bergen ein erhebliches Eskalationspotenzial“, sagt von der Ohe. Vermutlich werde sich die Verbotszone in weiten Teilen mit dem polizeilichen Kontrollbereich decken, soll aber erst nach der Sommerpause dem Rat zur Entscheidung vorgelegt werden.

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Partner für mehr Sicherherit: Jörn Tunat, Leiter des Bahnhofsmanagements (v. l.), Ordnungsdezernent Axel von der Ohe, Üstra-Chef Volkhardt Klöppner, Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe, Protec-Geschäftsführer Mathias Lindscheid und Bundespolizeipräsident Martin Kuhlmann.

Partner für mehr Sicherherit: Jörn Tunat, Leiter des Bahnhofsmanagements (v. l.), Ordnungsdezernent Axel von der Ohe, Üstra-Chef Volkhardt Klöppner, Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe, Protec-Geschäftsführer Mathias Lindscheid und Bundespolizeipräsident Martin Kuhlmann.

Die Neuausrichtung ist auch eine Reaktion auf die schweren Messerattacken der jüngeren Vergangenheit. So wurden zum Beispiel im Januar 2017 zwei Männer schwer verletzt, als am Hauptbahnhof zwei Großfamilien aufeinander losgegangen waren. Mitte November 2018 starb ein 39-Jähriger am Stellwerk durch einen Messerangriff, Ende desselben Monats stach innerhalb der Obdachlosenszene ein 53-Jähriger im Hauptbahnhof auf einen 48-Jährigen ein. Ein Waffenverbot sei laut Kluwe allerdings "nicht so einfach", da diese Verbote schon im allgemein gültigen Waffengesetz geregelt seien.

Polizei, Bahn und Protec gemeinsam auf Patrouille

Mit der gesteigerten Präsenz an 24 Stunden am Tag soll aktiv auf die Bürger zugegangen werden. „Das subjektive Sicherheitsgefühl hängt nicht unbedingt mit der Zahl der tatsächlichen Straftaten zusammen“, sagt Kluwe. Laut Martin Kuhlmann, Polizeipräsident der Bundespolizeidirektion Hannover, sei es bislang „mehr oder weniger Zufall gewesen“, wenn die einzelnen Organisationen zusammen patrouillierten. Nun sei erstmals geregelt, wie sich Polizei, Bahn-Sicherheit und Protec ergänzen. „Gemeinsame Streifen aller Beteiligten sind ebenfalls geplant“, sagt Kluwe. Klare Hinweistafeln im Hauptbahnhof, wo die nächste Polizeiwache zu finden ist, sollen das Sicherheitsgefühl ebenfalls steigern.

Es drohen Abschiebungen

Weitere Neuerung: Erstmals folgen alle Beteiligten einheitlichen Richtlinien, wie sie mit Verstößen umgehen. Der ausgearbeitete Maßnahmenkatalog mit den „Spielregeln“ umfasst bislang 25 Szenarien wie beispielsweise das Grölen und Randalieren durch Betrunkene auf der Freitreppe. Es drohen Ordnungswidrigkeiten, besonders auffällige Angehörige der Trinkerszene aus Osteuropa sollen zudem rigoros zurück nach Hause geschickt werden – im Zweifel per Abschiebung. „Im schlimmsten Fall werden Wiedereinreiseverbote verhängt“, sagt von der Ohe. In den vergangenen Wochen seien bereits 14 Personen festgestellt worden, von denen sieben erhebliche Straftaten begangen hätten.

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Kein Alkoholverbot geplant

Eins soll aber nicht passieren: die Verdrängung der Trinkerszene. "Wir werden eng mit den Hilfseinrichtungen vor Ort zusammenarbeiten", sagt Kluwe. Gleichzeitig wollen die Akteure das Gespräch mit Obdachlosen und Trinkern suchen. Deshalb soll es auch kein Alkoholverbot geben, wie es schon 2011 ausprobiert wurde und nach wenigen Monaten bereits scheiterte. Vielmehr soll es ab sofort klare Regeln und parallel weiterhin Hilfsangebote geben. Schließlich hätten alle das gleiche Ziel: "Wir wollen Ängste nehmen", sagt Kluwe.

Von Peer Hellerling

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