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Antidiskriminierungsstelle

Probleme an der Diskotür nicht gelöst

„Es wird Tag für Tag jungen Männern ungerechtfertigt der Einlass verweigert.“

„Es wird Tag für Tag jungen Männern ungerechtfertigt der Einlass verweigert.“

Hannover. Zuerst ging es um die Benachteiligung von Einwanderern. Als der Rat vor 20 Jahren die Antidiskriminierungsstelle der Stadt auf den Weg brachte, forderte der damalige Ausländerbeirat bereits seit Jahren wirksame Unterstützung gegen Ungleichbehandlung. Die Einrichtung mit zunächst einer Mitarbeiterin hat ihre Arbeit bald ausgeweitet und bietet Bürgern kostenlos Beratung, die wegen ihres Alters, Geschlechts, sexueller Orientierung, Behinderung oder Religion Nachteile in Kauf nehmen mussten. Bei einer Feier im Rathaus haben jetzt Fachleute Bilanz gezogen.

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Am meisten Wirbel haben die Mitarbeiter bisher mit ihrem Einsatz für den Zugang zu Diskotheken verursacht. Denn gleich der erste Ratsuchende berichtete vor 20 Jahren, dass er aufgrund seiner Herkunft am Eingang abgewiesen worden war. Verdeckte Kontrollen, öffentliche Diskussionen und Gerichtsverfahren lenkten die Aufmerksamkeit auf das Problem. Im Landesgaststättengesetz ist deshalb seit drei Jahren die Gleichbehandlung unabhängig von Religion oder ethnischer Herkunft verankert. Die Stadt kann durch diese Klausel bei Verstößen ein Bußgeld verhängen, ohne dass Betroffene Klage einreichen. „Die Arbeit in Hannover hat zu einer starken öffentlichen Sensibilisierung geführt“, unterstreicht Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Die hannoversche Antidiskriminierungsstelle habe Vorbildcharakter. „Eine kompetente Beratung ist wichtig, damit Betroffene sich überhaupt melden.“

Die inzwischen drei Teilzeit-Mitarbeiterinnen klären, ob sich tatsächlich eine Diskriminierung nachweisen lässt, organisieren juristischen Beistand und vermitteln zwischen Konfliktparteien. Von anfangs 40 Beratungen pro Jahr ist die Zahl auf 110 bis 120 zum Teil langwierigen Beratungsfällen jährlich gestiegen. „Diese Zahlen bilden aber nur einen Bruchteil der tatsächlichen Vorkommnisse in der Stadt“, betont Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf. Besonders mit Blick auf den Zugang zu Diskotheken gibt sie sich skeptisch, trotz der intensiven Arbeit der Antidiskriminierungsstelle. „Es wird Tag für Tag jungen Männern ungerechtfertigt der Einlass verweigert. Selbst Gerichtsurteile und Geldstrafen haben kein Umdenken bewirkt.“

Von Bärbel Hilbig

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