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Prostitution in Hannover

Prostituierte müssen zum Amt –  doch nur wenige melden sich

Das neue Prostituiertenschutzgesetz wird in Hannover derzeit nur schleppend umgesetzt.

Das neue Prostituiertenschutzgesetz wird in Hannover derzeit nur schleppend umgesetzt.

Hannover.Das neue Prostituiertenschutzgesetz wird in der Stadt nur langsam umgesetzt. Es trat am 1. Juli 2017 mit einer Übergangsregelung von einem halben Jahr in Kraft. Ab dem 1. Januar darf demnach keine Prostituierte ihrem Gewerbe nachgehen, die nicht eine Beratung beim Gesundheitsamt erhalten und sich nicht beim Ordnungsamt angemeldet hat. Doch von den mehr als 800 Frauen und Männern, die als Sexarbeiter tätig sind, sind erst für 284 entsprechende Anmeldungen ausgestellt worden.

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Nach Angaben der Stadt sind weitere 266 Termine bereits vergeben. Sie werden jetzt nach und nach abgearbeitet. „Wir gehen davon aus, dass wir noch eine ähnliche Anzahl an weiteren Terminen vergeben werden müssen, um sämtliche Betroffene mit den erforderlichen Bescheinigungen zu versorgen“, sagt Stadtsprecher Udo Möller. Darüberhinaus haben auch 55 Bordelle und Laufhäuser und damit die Mehrzahl der Etablissements, Betriebserlaubnisse bei der Stadt beantragt.

Hans Braun, der Geschäftsführer der FKK Villa am Tönniesberg, ist einer von ihnen. „50 Prozent der Frauen, die bei uns arbeiten, haben bereits eine Bescheinigung, die an dere Hälfte noch nicht“, sagt er. Die Stadt hinke zum Teil so weit hinterher mit den Terminen, dass einige der Frauen erst im Sommer beim Amt  vorstellig werden müssen. „Glücklicherweise dürfen sie auch ohne Erlaubnis arbeiten, wenn sie nachweisen können, dass sie sich einen Termin bei der Stadt haben geben lassen“, sagt Braun. Auf den Geschäftsführer des Bordells kommt durch das neue Gesetz ebenfalls mehr Arbeit zu. „Ich muss darauf achten, dass alle ihre Erlaubnisse haben und ihre Termine bei den Ämtern wahnehmen, denn bei einer Kontrolle wäre ich dran“, sagt Braun. Prostituierte über 21 Jahren müssen alle zwei Jahrenerneut bei den Ämtern vorstellug werden. Frauen unter 21 Jahren einmal pro Jahr.

Im Umland haben sich bislang deutlich weniger Betroffene nach dem neuen Gesetz registrieren lassen. „Seit Anfang Januar wurden 14 Anmeldungen von Prostituierten beim Ordnungsamt der Region vorgenommen“, sagt Regionssprecherin Carmen Pförtner. Darüberhinaus sind bis zum heutigen Tag 23 Anmeldungen von Betreobern von Bordellen oder sogenannten Love-Mobilen bei der Behörde eingetroffen. Wie viele Sexarbeiter im Umland sich noch melden müssten, ist unklar. Es gibt keine belastbaren Zahlen drüber, wie viele Menschen im Umland diesem Gewerbe nachgehen.

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Kritik an dem neuen Gesetz kommt unter anderem vom Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen. „Die Gesundheitsberatungen bringen nur etwas, wenn sie freiwillig vorgenommen werden und nicht gesetzlich vorgeschrieben sind“, sagt Charlie Hansen, die Sprecherin des Verbandes. Viele Frauen und Männer in diesem Gewerbe fühlten sich durch die neue Gesetzgebung verunsichert und verängstigt. „Das Gesetz wird dazu führen, dass noch mehr Betroffene illegal arbeiten, als bislang“, sagt Hansen. Ausländische Frauen wollten in aller Regel nicht, dass die Familie in ihrer Heimat erfährt, wie sie in Deutschland ihr Geld verdienen. „Das gilt auch für Sexarbeiter aus Deutschland, die neben ihrer Arbeit im Rotlichtgewerbe ein normales, bürgerliches Leben führen“, sagt Hansen.

Das ist das neue Prostituiertenschutzgesetz

Mit dem neuen  Prostituiertenschutzgesetz sollen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter künftig besser geschützt und kriminelle Machenschaften eingedämmt werden. Es wurde am 21. Oktober 2016 im Bundesanzeiger veröffentlicht und trat am 1. Juli 2017 mit einer Übergangszeit von einem halben Jahr in Kraft.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres sind Prostituierte also verpflichtet,  sich bei den Gesundheitsämtern beraten lassen. Erst dann können sie ihr Gewerbe bei den Ordnungsämtern anmelden.

Sie bekommen eine Anmeldebescheinigung, die umgangssprachlich auch „Hurenausweis“ genannt wird. Für die Termine bei den Ämter müssen oft Dolmetscher hinzugezogen werden. Die Kosten dafür trägt die jeweilige Kommune.

Interessensverbände kritisieren das neue Gesetz: Es schütze die Betroffenen nicht, sondern treibe sie weiter in die Illegalität. 

Von Tobias Morchner

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