Medizinische Hochschule Hannover

Psychiater Hinderk Emrich gestorben

Prof. Hinderk Emrich ist gestorben.

Prof. Hinderk Emrich ist gestorben.

Hannover. Viel beschäftigt war er immer. Aber er wirkte nie gestresst. Wenn ihm jemand gegenüber saß, nahm sich Hinderk Emrich stets Zeit für seinen Gesprächspartner. Dann schien er so entspannt, als hätte er den ganzen Tag beim Kaffee im Garten verbracht. Die Menschen waren dem ehemaligen Direktor der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie wichtig. Vor allem seine Patienten. Aber auch jedem anderen vermittelte der Professor das Gefühl, dass er aufrichtig an ihm interessiert ist. Emrich schätzte die Menschen, und er wurde von ihnen geschätzt.

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Am 16. September ist Hinderk Emrich im Alter von 75 Jahren an seiner schweren Leukämieerkrankung gestorben. Die Krankheit hatte Emrich, der bis zu seiner Emeritierung vor zehn Jahren die MHH-Psychiatrie leitete, nicht davon abgehalten, noch so oft wie möglich in sein Büro an der Hochschulklinik zu fahren. „Er hat noch an einem Fachbuch gearbeitet – und er hat vor allem philosophische Texte diktiert“, sagt seine wissenschaftliche Sekretärin Cornelia Gerbothe, die 25 Jahre mit ihm zusammengearbeitet hat. Doch irgendwann hätten ihn seine Kräfte einfach verlassen.

Bei seiner Arbeit ging der Psychiater stets über die Grenzen seines Fachgebiets hinaus. „Es gibt kein Fach in der Medizin, das so viele Freiräume übrig lässt wie die Psychiatrie“, hat er einmal gesagt. Emrich, der auch Philosophie studiert hat, faszinierte die Medizin ebenso wie Literatur und Musik. All diese Wissensgebiet, so sein Credo, vereinten sich schließlich auf unterschiedlichste Weise in der menschlichen Psyche.

In der Wissenschaftswelt machte sich Emrich unter anderem einen Namen als Experte für Synästesie (die Fähigkeit, beispielsweise Zahlen als Farben wahrzunehmen) und Schizophrenie. Sein Ansatz war es, psychisch kranke Menschen ganzheitlich zu behandeln, um sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Einer seiner klinischen Schwerpunkte war die Suchtforschung und der Modellversuch zur Heroinvergabe an Schwerstdrogenabhängige. Sein umfangreiches Wissen über die menschliche Seele eröffnete Emrich viele Perspektiven. So hatte der Psychiater, der selbst Klavier spielte, unter anderem Gastprofessuren an der hannoverschen Musikhochschule, der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin und der Kunsthochschule für neue Medien in Köln. Und ein ums anderes Mal half er Filmregisseuren und Schauspielern bei Krisen.

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„Die Ideen sind ihm nie ausgegangen“, sagt seine Witwe Christiane Buhre. Auch nach der Erkrankung habe er „immer wieder die Hoffnung mobilisiert“, weiterhin Kraft für seine Arbeit aufbringen zu können. Die 54-Jährige hat mit Emrich eine 13-jährige Tochter. Emrich, der vierfache Vater und sechsfacher Großvater war, liebte das Familienleben.

„Neugier erscheint in der Psychiatire nicht als unangenehme Eigenschaft, sie ist ein Zeichen von Intelligenz“, hat er einmal gesagt. Neugierig war Emrich immer. Und Journalisten durften ihm gern alle erdenklichen Fragen stellen. Lässt sich mit Spezialbrillen ein Jetlag verhindern?, Macht Glück jung?, Was geht in dem Gehirn eines Selbstmörders vor? –Emrich wusste auf alles eine Antwort.

Von Juliane Kaune

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