Prozess in Hannover

Raschplatz: Familie will Sohn aus Polizeiwache befreien

Mitglieder einer türkischen Familie sollen in der Polizeistation Raschplatz randaliert haben. Dafür müssen sie sich jetzt vor Gericht verantworten.

Mitglieder einer türkischen Familie sollen in der Polizeistation Raschplatz randaliert haben. Dafür müssen sie sich jetzt vor Gericht verantworten.

Hannover. Es kommt nur  äußerst selten vor, dass eine ganze Polizeiwache den Notruf auslösen muss, weil die Beamten einer Angelegenheit nicht Herr werden. In der Nacht auf den 22. Juni 2016 sahen sich die Einsatzkräfte der Station am Raschplatz aber zu diesem ungewöhnlichen Schritt gezwungen. Mitglieder einer türkischen Familie sollen in der Wache so heftig randaliert haben, dass die Polizisten die Unterstützung aller in Hannover verfügbaren Einheiten anforderten. Seit Mittwoch müssen sich die Familienmitglieder nun vor dem hannoverschen Amtsgericht verantworten.

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Türkische Fußballfans feiern –und schlagen über die Strenge

Wegen der Fête de la Musique war die Polizei am 21. Juni mit einer Vielzahl von Einsatzkräften in der Innenstadt präsent. Am Abend wurden Beamte zu einem Einsatz am Steintor gerufen. Türkische Fußballfans feierten dort den Sieg ihrer Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft gegen Tschechien.  Weil einer von ihnen mit seinem Wagen einen sogenannten Burnout vollführte, also bei angezogener Handbremse die Reifen heftig durchdrehen lies, wollten Polizisten den Fahrer zur Rechenschaft ziehen. Der 23-jährige Sohn der jetzt angeklagten Familie, der ebenfalls am Steintor feierte, soll versucht haben, die Festnahme des Autofahrers zu verhindern. Wegen des Verdachts der Gefangenenbefreiung wurde er mit zur Wache am Raschplatz genommen.

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Familienvater soll Polizeibeamte angegriffen haben

Da der 23-Jährige keine Papiere bei sich trug , rief ein Beamter die Mutter des Festgenommenen an. Sie sollte den Pass ihres Sohnes zur Wache bringen. Incilay I. erschien gegen Mitternacht in Begleitung ihres Mannes Ayhan I., ihrer Tochter und deren Verlobten auf der Wache. Die Angehörigen sollen dann von den Polizisten verlangt haben, den Grund zu erfahren, warum der 23-jährige Sohn festgenommen worden war. Dem Gesetz nach dürfen Beamte diese Information allerdings bei der Festnahme eines Erwachsenen auch nicht an die engesten Verwandten heraus geben. Daraufhin eskalierte die Situation in der Wache. Insbesondere Ayhan I., der bereits wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist, soll mehrfach versucht haben, Polizisten anzugreifen und immer wieder lautstark die Freilassung seines Sohnes gefordert haben. Die Beamten, die am Mittwoch vor Gericht aussagten, sprachen von „Tumult“ und „aggresivem Auftreten“ der Familienmitglieder. Einer der Polizisten erklärte, das Verhalten der Angeklagten sei „unter aller Sau“ gewesen. Mit vereinten Kräften und dem Einsatz von Pfefferspray gelang es den Beamten schließlich, die rabiate Familie vor die Wache zu befördern. Dort waren wegen des Notrufes inzwischen zahlreiche Kollegen eingetroffen, die Mutter, Vater, Schwester und angehenden Schwager des 23-Jährigen vorläufig festnahmen und in Gewahrsamszellen brachten.

Ayhan I. ließ am Mittwoch vor Gericht über seinen Rechtsanwalt mitteilen, er bereue, dass es zu einer Eskalation gekommen sei, heute würde er sich in einer ähnlichen Situation anders verhalten. Ob das Amtsgericht dieser Darstellung folgt, bleibt abzuwarten. Das Urteil soll am 24. Januar gesprochen werden.

Von Tobias Morchner

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