Betreuung des Lebensgefährten

Schwere Vorwürfe gegen Mechthild Bach

So habe sie das Pflegepersonal anleiten wollen, dem Patienten nicht indizierte Medikamente zu verabreichen und Vorkehrungen für seinen Tod zu treffen. Nach Dafürhalten der Pflegedienstleitung lag der Patient zu dem Zeitpunkt jedoch nicht im Sterben.

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Aufgrund der Kritik des Langenhagener Pflegedienstes, in dessen Dementen-Wohngemeinschaft Bachs Lebensgefährte untergebracht war, hatte das Amtsgericht der 60-Jährigen in der vergangenen Woche das Betreuungsrecht für den Mann entzogen, mit dem sie mehr als 30 Jahre zusammen war. Von Anhängern Bachs war dem privaten Pflegedienst daraufhin vorgeworfen worden, ungerechtfertigte Vorwürfe gegen die Ärztin erhoben zu haben. Zudem war der Verdacht geäußert worden, ein privater Pflegedienst ordne womöglich aus wirtschaftlichen Gründen lebensverlängernde Maßnahmen selbst dann an, wenn sie nicht angebracht seien. Dies wies die Geschäftsführerin jetzt entschieden zurück: „Das können wir nicht auf uns sitzen lassen“, sagt sie. „Bei uns wird jeder gleich behandelt, und dabei geht es in erster Linie um das Wohl der Patienten.“ Ihr Anwalt Bernd Wegener erklärte, dass seine Mandantin den Fall schon von Rechts wegen dem Vormundschaftsgericht melden musste.

Bachs Lebensgefährte war wegen einer deutlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes vorübergehend in eine Klinik eingewiesen worden. Bachs Anwalt Matthias Waldraff weist darauf hin, dass das ethische Konzil in der Klinik sich gegen lebensverlängernde Maßnahmen bei dem Patienten aussprach. Danach war der Mann zurück in die Dementen-Wohngemeinschaft gekommen. Bach habe dann darauf gedrungen, so der zentrale Vorwurf des Pflegedienstes, dass ihrem Lebensgefährten zweimal täglich eine Ampulle des verschreibungspflichtigen Beruhigungsmittels Atosil gespritzt wird. Der behandelnde Arzt in der Klinik aber hatte lediglich die Verabreichung einer Ampulle „bei Bedarf“ angeordnet. Bach habe den Arztbrief aus der Klinik jedoch nicht an die Pfleger weitergeben wollen, sondern auf der doppelten Dosis „beharrt“. Schließlich soll sie das Mittel selbst mit in die Wohngemeinschaft gebracht haben. Das Personal weigerte sich jedoch, Bachs Anweisungen Folge zu leisten, und schaltete die Pflegeleitung ein.

Auch was den Gesundheitszustand des Patienten angeht, lagen die Meinungen der Pfleger und der Ärztin weit auseinander. Die Mitarbeiter sagen, dass sich der Patient nach dem Klinikaufenthalt wieder berappelt habe. Nach Bachs Auffassung lag er im Sterben. Die Ärztin legte dem Pflegepersonal einen Acht-Punkte-Plan für den Umgang mit ihrem Partner vor. Unter anderem sollte sein Zimmer abgedunkelt werden und „absolute Ruhe“ herrschen – der Mann sollte keinen Besuch bekommen und nicht angesprochen werden. Bach verbat auch die Kontrolle entscheidender Blutwerte. Die Geschäftsführung reagierte empört: „Auf diese Weise stirbt bei uns niemand – bei uns ist es hell und freundlich, und es sitzen Menschen am Bett, die einen streicheln.“ Bachs Lebensgefährte starb in der Nacht zu Mittwoch in einem Krankenhaus. Nach der Kontroverse hatte ein Hausarzt die Verlegung dorthin angeordnet.

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Mechthild Bach steht in Hannover vor Gericht, weil sie 13 ihrer schwer kranken Patienten durch Verabreichung hoher Dosen von Schmerz- und Beruhigungsmitteln getötet haben soll. Sie ist wegen der Vorwürfe mit einem Berufsverbot belegt.

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