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Lüttje Lage

Sechs Paar Socken aus China

Hans-Peter Wiechers

Hans-Peter Wiechers

Hannover.Ich war überzeugt, dass mir das niemals passieren würde: auf irgendein blödsinniges Angebot im Internet reinfallen. Dennoch ist es passiert. Und dann wurde das Päckchen auch noch von meiner Frau an der Tür angenommen. Damit war die Sache öffentlich.

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„Was hast du denn in China gekauft?“ Die Frage hatte schon etwas Lauerndes. Vorsicht war geboten. Jetzt nichts Falsches sagen. Ich brummelte vor mich hin und riss das Plastiksäckchen auf: sechs Paar Wintersocken mit Norweger-Muster. Ich muss wohl einen roten Kopf bekommen haben. Die Sache war mir unendlich peinlich.

Ich erinnerte mich dunkel. In irgendeinem sozialen Netzwerk hatte sich ein schlauer Chinese eingeschlichen. Ein Algorithmus hatte ihm verraten: In Kleefeld sitzt dieser Altredakteur und hat kalte Füße – und zack hatte ich die Anzeige auf meinem Bildschirm, und zack hatte ich auf „Kaufen“ gedrückt und gleich bezahlt.

„Klamotten kaufen wir nicht im Internet“, sagte meine Frau. „Und wenn dann nur mit Umtauschrecht. Du weißt doch gar nicht, ob’s passt!“ Ich senkte schuldbewusst den Kopf. Dabei bin ich eigentlich die Vorsicht selbst. Ich klicke niemals unbekannte Anhänge an. Ich antworte nicht auf die vielen Frauen, die sich mit mir verabreden wollen, und auch die E-Mail von dem Mann aus Afrika, der mir ein Millionenerbe vermitteln will, habe ich sofort in den Papierkorb geschoben. Warum habe ich sechs Paar Socken mit Norweger-Muster aus China gekauft? Woher sollen die Chinesen wissen, was die Norweger für Muster in ihre Socken stricken? Das hätte mich doch skeptisch machen müssen.

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Die Socken sind passend für Schuhgröße 36. Ich habe 43. Sie kamen aus Zhejiang, einer chinesischen Provinz mit städtischen Zentren am Ostchinesischen Meer. Wahrscheinlich kostet es ein kleines Vermögen, sie zurückzuschicken. Und vielleicht erinnern sich die Leute dort auch gar nicht mehr an unser Geschäft. Als Handelspartner soll der Chinese ja nicht so ganz einfach sein. Ich muss die Socken wohl verschenken.

Von Hans-Peter Wiechers

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