Lahe

Sechsjährige läuft 45 Minuten zur Schule

Die sechsjährige Lena zeigt uns ihren Schulweg in Lahe.

Die sechsjährige Lena zeigt uns ihren Schulweg in Lahe.

Lahe. Ihr Schulweg führt die Sechsjährige über einen oft matschigen, dunklen Feldweg, der am frühen Morgen und am späten Nachmittag, wenn sie aus der Schule kommt, kaum beleuchtet ist, vorbei an einsamen Pferdekoppeln über die Straße Im Heidkampe, die weder eine Ampel noch einen Zebrastreifen hat, dafür aber eine „Fußgängerschutzinsel“.

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Wenn sie endlich angekommen ist, ist Lena gehörig aus der Puste - und ihre Mutter Katrin K. heilfroh, dass die Sechsjährige sicher angekommen ist. Denn ihr Schulweg steckt voller Gefahren. Die größte ist aus Sicht der Mutter das Überqueren der Straße Im Heidkampe. Autos sollen hier eigentlich nicht schneller als 30 km/h fahren.

Nach Angaben von Anwohnern halten sich aber die wenigsten Autofahrer an das Tempolimit. „Viele Wagen brausen hier mit 70 vorbei“, sagt Corinna Hlawatczek, die Kinder im Alter zwischen sechs und 15 Jahren hat und seit Langem für einen sicheren Überweg am Heidkampe kämpft. Geparkte Autos versperrten gerade kleineren Kindern morgens die Sicht, meint die Mutter: „Viele Grundschüler stehen minutenlang am Straßenrand und trauen sich nicht rüber.“

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Auch Insa Neuhof sagt: „Den Heidkampe zu queren ist eine sportliche Herausforderung angesichts der viel zu schnell fahrenden Autos.“

Stadt widerspricht Darstellung der Eltern

Die Stadt widerspricht der Darstellung der Eltern. An der Straße gebe es drei Fußgängerschutzinseln im Abschnitt zwischen dem Gernsstraße und Lahwiesen, die Kinder, die zu den Grundschulen Gartenheimstraße und Grimsehlweg wollten, könnten die Straße Im Heidkampe also hier gefahrlos überqueren. Außerdem gelte seit 2007 eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer. Das habe sich bewährt, sagte eine Sprecherin. Verkehrsbeobachtungen hätten zudem ergeben, dass sich die Autofahrer an den Schutzinseln sehr rücksichtsvoll verhielten und auf Kinder achteten.

Für Beförderungsanspruch fehlen 100 Meter

Neben einem Ampelüberweg könnte auch ein Schulbus den Kindern aus Lahe helfen. Aber für einen Beförderungsanspruch fehlen Familie K. 100 Meter. Die Entfernung zwischen Lenas Wohnhaus am Rischkamp und der Grundschule beträgt 1,9 Kilometer. Erst ab zwei Kilometer besteht ein Beförderungsanspruch. Ein 45-minütiger Fußweg sei Grundschülern zuzumuten, findet die Stadt. So sähen es schließlich auch die Schülerbeförderungssatzung der Region und das Schulgesetz des Landes vor. „45 Minuten Fußweg frühmorgens hin und spätnachmittags wieder zurück sind für Sechsjährige alles andere als zumutbar“, sagt Lenas Mutter Katrin K.. An drei Nachmittagen in der Woche hat ihre Tochter bis 16 Uhr Schule, das heißt, vor 17 Uhr wäre sie nicht zu Hause, und im Herbst ist es dann stockdunkel. Sie kann nicht verstehen, warum es für Kinder aus Isernhagen-Süd einen Schulbus gibt, nicht aber für die Kinder aus Lahe.

Bei der Region heißt es dazu: Die Stadt Hannover habe vor Jahren einen Pendelverkehr eingerichtet. Dies sei auch beibehalten worden, als 2001 die Region gegründet wurde und die Zuständigkeit für die Schülerbeförderung übernommen habe. Es sei wirtschaftlicher, als den bestehenden Linienverkehr um ein weiteres Fahrzeug zu erweitern. Es gelte aber nur für Kinder, die mehr als zwei Kilometer von der Schule entfernt wohnten. Etwa ein Drittel der Kinder, die am Grimsehlweg zur Schule gehen, kommen aus Lahe. Deshalb will Katrin K. jetzt noch einmal einen neuen Kampf für einen eigenen Schulbus starten. Der letzte Versuch vor einigen Jahren war gescheitert, weil zu wenig Kinder betroffen waren.

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Umweg mit der Stadtbahn

Würde Lena die Stadtbahn nehmen, müsste sie einen riesigen Umweg fahren. Zudem ist ihr nicht wohl dabei, dass auf dieser Strecke auch Drogenkranke unterwegs sind, die sich in Methadonprogrammen und in der Johanniter-Unterkunft in Lahe ein neues Leben aufbauen. „Wir sind schon öfter in der Bahn angesprochen worden“, sagt K. , „und da war ich als Mutter dabei, man weiß ja gar nicht, wie das ist, wenn Lena allein ist.“

Darauf möchte es die Mutter auch lieber nicht ankommen lassen. Und weil sie auch nicht möchte, dass ihre Tochter auf dem finsteren Feldweg womöglich finsteren Gestalten in die Hände fällt, bringt sie die Erstklässlerin jetzt immer mit dem Auto zur Schule und holt sie auch wieder ab. Damit das funktioniert, haben Lenas Eltern ihre Arbeitszeiten umgelegt und Fahrgemeinschaften mit Nachbarn organisiert. Die Stadt sieht keinen Grund, an der Situation etwas zu ändern. K. und ihre Mitstreiter wollen bei der nächsten Bezirksratssitzung im Dezember noch mal ihr Anliegen vorbringen.

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