Sicherheitsdienst attackiert Passanten

Security darf Filmen mit Handy nicht verbieten

Vor dieser Burger-King-Filiale im Hauptbahnhof attackierten Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes einen filmenden Passanten.

Vor dieser Burger-King-Filiale im Hauptbahnhof attackierten Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes einen filmenden Passanten.

Hannover. Einen Rüffel vom Amtsgericht hat sich die 30-jährige Mitarbeiterin eines privaten Sicherheitsdienstes eingefangen. „Sie haben keine hoheitlichen Kompetenzen und dürfen niemandem verbieten, Geschehnisse im Hauptbahnhof mit seinem Handy zu filmen“, machte ihr Strafrichter Koray Freudenberg klar. Und was noch viel weniger geht: einem 26-Jährigen in der Silvesternacht 2015/16 sein Mobiltelefon aus der Hand zu schlagen, um ihn vom Filmen abzuhalten.

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Gemeinsam mit einem Security-Kollegen musste sich die Frau wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung vor Gericht verantworten. Beide hatten Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt: Sie sollte 600 Euro zahlen, der Mann 1500 Euro. Letztendlich ging die Sache glimpflich für die Angeklagten aus: Das Verfahren gegen die 30-Jährige wurde gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt, ihr Kollege freigesprochen. Offenkundig war er Opfer einer Verwechslung geworden.

26-Jähriger will Beweismaterial

Die Auseinandersetzung vor der Burger-King-Filiale nahe dem Nordausgang des Bahnhofs hatte sich eine halbe Stunde nach Mitternacht entwickelt. Ein Mann hatte herumgepöbelt, woraufhin ihn Security-Mitarbeiter - so der 26-jährige Auszubildende vor Gericht - „rabiat auf den Boden schubsten“. Weil der Zeuge diesen körperlichen Einsatz von vier Sicherheitsleuten völlig überzogen fand, zückte er sein Handy und begann zu filmen: „Ich habe mich nicht getraut, einzugreifen, wollte aber Beweismaterial haben.“ Doch das passte den Sicherheitsleuten nicht, sie forderten den Auszubildenden mehrfach auf, das Filmen zu unterlassen. „Dann schlug mir die Frau das Telefon aus der Hand, ein anderer Sicherheitsmann drückte mir die Kehle zu.“ Als der 26-Jährige wieder freikam, erstattete er sofort Anzeige.

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Zwei Videofilme schaute sich das Gericht an. Einer stammte von einer im Bahnhof fest montierten Überwachungskamera, einer vom Mobiltelefon des Opfers. Sicher war danach eins: Die Angeklagte schlug zweimal nach dem hinter ihr stehenden Zeugen - für diesen völlig überraschend -, wobei sein Handy auf den Boden fiel.

„Sie sind keine Polizistin“

Der auf seinen Hals gerichtete Angriff ging wahrscheinlich von einem untersetzten, korpulenten Sicherheitsmann aus, aber sicher nicht von dem relativ schmal gebauten Firmenmitarbeiter auf der Anklagebank. Möglicherweise wird die Staatsanwaltschaft nun gegen den wahren Angreifer, der im Zeugenstand vom Opfer wiedererkannt wurde, ein Verfahren einleiten.

Mit der Einstellung kommt die Security-Frau wesentlich günstiger davon als mit dem Strafbefehl, zahlt dem Opfer nun 15 Euro für die zerstörte Schutzhülle seines Handys sowie 100 Euro für eine neue Brille. Das Vorgängermodell war zwar bei dem Angriff ihres männlichen Kollegen beschädigt worden, aber im Sinne einer Kompensation für ihre Attacke stimmte die Angeklagte der Zahlung dieses Betrags bereitwillig zu. „Man darf in Menschenmengen filmen“, stellte der Richter zum Abschluss nochmals klar, „und Sie sind keine Polizistin und hätten dem Zeugen das Filmen nicht untersagen dürfen.“

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