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HAZ-Forum

Sicherheit im Sahlkamp: "Die Parallelgesellschaft erlebe ich jeden Tag"

Ist der Sahlkamp sicher? Beim HAZ-Forum diskutieren Bürger und Experten über die Sicherheitslage vor Ort.

Hannover. Wie sicher ist es im Sahlkamp? Dieses Thema beschäftigte am Dienstagabend die Teilnehmer und Besucher des jüngsten HAZ-Forums. Dabei entwickelte sich im Saal des Stadtteiltreffs eine mitunter emotionsgeladene Diskussion zwischen den Experten auf dem Podium und den 109 Besuchern.

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„Aus polizeilicher Sicht ist das Niveau der Kriminalität hier gleichbleibend und nicht höher als in anderen Stadtteilen“, erklärte die Leiterin des Polizeireviers in Lahe, Tanja Wulff-Bruhn, die objektive Sicht der Ordnungshüter. Der Sahlkamp sei den Statistiken nach ein unauffälliges Gebiet, so die Beamtin. Die scheinbar unterschiedliche Wahrnehmung der messbaren und subjektiv empfundenen Sicherheit zog sich als wichtiger Aspekt durch die Diskussion. "Die Gefühlslage von vielen Menschen spiegelt nicht wider, was wirklich passiert", fand auch Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg. Eine große Mehrheit der Besucher empfindet die Lage dagegen völlig anders. Als HAZ-Redakteur Conrad von Meding fragte, wer den Sicherheitsdienst gut heißt, mit dem das Wohnungsunternehmen Deutsche Wohnen seit einiger Zeit die Hochhaussiedlung um den Sahlkampmarkt kontrolliert, hob beinahe der ganze Saal die Hände.

"Hier geht es um harte Bandenkriminalität, so wie man sie nirgends erleben möchte", verteidigt Deutsche Wohnen Sprecher Rosteck den Einsatz des Sicherheitsdiensts. Polizistin Wulff-Bruhn stimmt ihm insoweit zu, als das es eine Reihe von Straftaten gegeben habe, die im Bereich der Jugendkriminalität stattgefunden hätten. Sie meint eine Serie von sogenanntem "Abziehen", also den Raub von Jugendlichen, vorwiegend gegenüber anderen Jugendlichen. "Wir wissen außerdem sehr wohl, dass in den Objekten der Deutsche Wohnen mit Drogen gehandelt wird", sagt sie. Von einem Schwerpunkt der Bandenkriminalität zu sprechen sei allerdings absolut nicht richtig, betont sie. Durch das Publikum ging ein Raunen, als die Polizistin auf die deutlich sichtbare Drogenkriminalität zu sprechen kommt.

Eine Unternehmerin meldet sich zu Wort. Die Betreiberin des Restaurants "Schiller" am Sahlkampmarkt sagt: "Die Parallelgesellschaft erlebe ich jeden Tag. Ich hab sie lieb. Aber es kommen Zigeuner und große Gruppen, die werfen ihre Pampers überall hin. Die Kinder spielen und schreien. Sollen sie sich doch auf dem Spielplatz aufhalten. Das ist ein Sammelsurium von Menschen, die essen ihre Sonnenblumenkerne und rauchen Shisha, aber machen nichts sauber", sagt Stefanie Sander. Sie habe auch erlebt, dass Menschen sich von den Häusern in den Tod gestürzt hätten. Das habe ihre Gäste schockiert.

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Anwohnerin Anita Koch schildert, dass Menschen das Grün unter ihrem Fenster als öffentliche Toilette missbrauchen. Jemand anderes erzählt, dass sogar Gullideckel im Viertel gestohlen wurden. Sie zeigt eine Statistik der Polizei, die ihrer Ansicht nach die objektive Gefährdung belegt, anders als von der Beamtin vermeldet. Diese entgegnet ihr, dass es sich dabei lediglich um eine Auflistung der Einbruchdelikte handelt, also nicht geeignet sei, um die These des Gefahrenviertels zu beweisen. "Das ist ein Teil der Realität, den man als Innenstadtbewohner nicht mitbekommt", konstatiert HAZ-Redakteur Conrad von Meding.

Über die soziale Arbeit und die nachbarschaftlichen Netzwerke vor Ort berichtete Birgit Teschner, die Bereichsleiterin Bürgerschaftliches Engagement und soziale Stadtteilentwicklung bei der Stadt. "Es ist ein subjektives Empfinden, was hier Probleme bereitet. Die Stadt Hannover investiert hier unfassbar viel Geld für eine Infrastruktur, die funktioniert", sagte sie.

HAZ-Redakteur von Meding beendete das Forum mit einer Ankündigung. "Was wir als Zeitung mitnehmen ist, dass wir das Thema weiter behandeln müssen."

Das HAZ-Forum im Video 

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Von Mario Moers

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