Unterkunft für Obdachlose

Spendengelder veruntreut? Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gründer von „Little Home“

Das erste Little Home“ in Hannover.

Das erste Little Home“ in Hannover.

Hannover. Am Wochenende hat der niedersächsische Ableger des Vereins Little Home in Hannover die zweite von insgesamt 25 günstigen Minihäusern für Obdachlose erreichtet. Doch Sven L., dem Gründer der Kölner Initiative, droht möglicherweise eine Anklage. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Längerem gegen L.. Der Verdacht: Der Little-Home-Gründer hat Spendengelder für private Zwecke veruntreut.

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„Es ist richtig, dass wir ein solches Ermittlungsverfahren bei uns führen“, sagt die Kölner Staatsanwältin Natalie Neuen auf Anfrage der HAZ. Die Ermittlungen seinen von Amts wegen nach Zeugenaussagen eingeleitet worden. Über den Umfang der möglicherweise veruntreuten Gelder kann die Sprecherin der Behörde derzeit keine Angabe machen. „Die Ermittlungen sind derzeit noch nicht abgeschlossen“, sagt Neuen.

Verdächtiger will sich nicht zu Vorwürfen äußern

Little-Home-Gründer L. wollte sich gegenüber der HAZ nicht zu den Vorwürfen äußern. Auch sein Rechtsanwalt war am Montag nicht zu einer Stellungnahme bereit. Der niedersächsische Ableger des Vereins schweigt ebenfalls zu den Vorfällen. Da die Nachricht von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den Vereinsgründer inzwischen auch in Niedersachsen angekommen ist, sind die ersten möglichen Unterstützer des Obdachlosen-Projekts hellhörig geworden. Helmuth Spenhoff aus Neustadt am Rübenberge hatte Little Home eigentlich mit einer Spende vor 1000 Euro unterstützen wollen. Mit dem Geld hätte ein neues Minihaus finanziert werden können. „Ich komme aus der Sozialarbeit und fand die Idee gut“, sagt er. Jetzt will er mit der Spende warten, bis die Kölner Ermittler den Fall abgeschlossen haben.

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Ende Dezember war in Hannover das erste Minihaus errichtet worden. Es besteht aus Spanplatten, PVC-Boden und zwei Fenstern und hat eine Grundfläche von knapp über drei Quadratmetern. Vereinsgründer L. war damals vor Ort. Das erste Little Home bekam eine 62-jährige Obdachlose geschenkt. Das Minigebäude sollte auf einem Kirchengrundstück aufgestellt werden.

Ärger gab es bereits in Nürnberg

In Nürnberg haben die Untersuchungen der Kölner Staatsanwaltschaft zu ersten Konsequenzen geführt. Zwei Unterstützer des fränkischen Ablegers von Little Home haben ihre Zusammenarbeit mit der Kölner Zentrale abgebrochen. Sie hatten L., einem Bericht der Nürnberger Nachrichten zufolge, unter anderem Intransparenz über Spendeneingänge vorgeworfen. Einer Veröffentlichung im sozialen Netzwerk Facebook zufolge, ist in Nürnberg inzwischen wieder ein Unterstützerverein für den Bau der Minihäuser aktiv.

Verein ist nicht unumstritten

Das Konzept des Vereins „Little Home“, Obdachlosen eine karge Hütte zum Schutz vor Kälte und Wind zu zimmern, wurde bereits im Dezember in Hannover kontrovers diskutiert. So kritisierte die Diakonie Hannover, dass die Gebäude fachlich anerkannte Standards für Notunterkünfte nicht erfüllen würden. Auch viele HAZ-Leser sahen die aus Spanplatten zusammengeschraubten Hütten kritisch.

Andere aber unterstützten die Idee. Ein HAZ-Leser gab anonym einen Briefumschlag in der Geschäftsstelle an der Langen Laube ab. Darin war ein Zeitungsartikel über das erste „Little Home“ in Hannover, eine Postkarte mit dem Spruch „Wer anderen Gutes tut, dem geht es selber gut; wer anderen hilft, dem wird geholfen“ und 1050 Euro in bar. Diese Summe entspricht den im Text genannten Kosten für ein Minihaus. Die HAZ hat dem Wunsch des Spenders entsprochen und das Geld an den Verein weitergegeben.

Von Tobias Morchner

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