Zivilprozess in Hannover

Steinplatte auf Fuß gefallen: Frau verklagt Baumarkt

Der Lebensgefährtin der Klägerin hat die Situation im Baumarkt nachgestellt und fotografiert. Von einer auf der Palette liegenden Platte soll ein Stück abgebrochen und heruntergefallen sein.

Der Lebensgefährtin der Klägerin hat die Situation im Baumarkt nachgestellt und fotografiert. Von einer auf der Palette liegenden Platte soll ein Stück abgebrochen und heruntergefallen sein.

Hannover. Wie die selbstständige Kosmetikerin sagt, sei ihr am 19. Juli 2017 das abbrechende Stück einer Waschbetonplatte auf die Ferse gefallen. Fest steht, dass die stark blutende Frau von einem Rettungswagen ins Nordstadtkrankenhaus gebracht und die klaffende Risswunde dort genäht wurde. Weil sie mehr als vier Wochen arbeitsunfähig war, fordert die Langenhagenerin nun 13.200 Euro als Schmerzensgeld sowie Entschädigung für Verdienstausfall und Haushaltsschaden.

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Unfall beim Türöffnen

Der Unfall ereignete sich in einem Drive-In-Bereich, in den die Kunden mit ihren Autos hineinfahren können. Die Kosmetikerin hatte zunächst – gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten – einige Zementsäcke in ihren Ford Focus Turnier geladen, dann rollte sie in die Zone mit den Steinplatten. Der Mann war bereits auf dem Weg zu einem Plattenstapel, als die Frau die Heckklappe des Kombis öffnete – und es beim Zurücktreten zu dem Unglück kam.

Offenbar, so die derzeit wahrscheinlichste Theorie, hatte ein vorheriger Kunde eine Waschbetonplatte auf einer mit Säcken bestückten Palette abgelegt – vielleicht, weil diese Platte schadhaft war. Von diesem 25-Kilo-Teil brach offenkundig eine Ecke ab. „Ich habe nur gemerkt, wie mir plötzlich etwas in die Ferse geknallt ist“, berichtete die Klägerin in der Verhandlung vor der 17. Zivilkammer. Ob sie beim Zurücktreten gegen Stein oder Palette stieß oder ob sich das Bruchstück rein zufällig in diesem Moment löste, weiß niemand.

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Sind Sandalen fehl am Platz?

Für ihren Anwalt Joachim Arndt steht fest, dass der Baumarkt seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat – er trage die Verantwortung für die fehlerhaft abgelegte, beschädigte Platte. Der Firmenanwalt hielt dagegen: Die Mitarbeiter würden die Lagerhalle alle 20 bis 30 Minuten auf Missstände kontrollieren und hätten an jenem Tag nichts bemerkt. Allerdings könne ein Baumarktbetreiber Kunden nicht vor jeder Gefahr schützen – etwa dann nicht, wenn ein anderer Kunde kurz zuvor Ware nicht ordnungsgemäß an ihren Platz zurückgelegt habe. Die 52-Jährige habe es in der Drive-In-Halle an der gebotenen Aufmerksamkeit vermissen lassen, auch sei sie offenbar mit ungeeignetem Schuhwerk unterwegs gewesen. Strittig ist, ob die Kosmetikerin an jenem Sommertag Sandalen oder Sneakers trug, doch Anwalt Arndt findet diese Debatte eh völlig absurd: „Soll das nun heißen, dass man diesen Baumarkt nur mit Sicherheitsschuhen einschließlich Stahlkappen betreten darf?“

Zivilrichterin Maike Hoffmann gab zu erkennen, dass sie die Entschädigungsforderung der Kosmetikerin für deutlich überhöht hält. Allerdings scheiterte die Richterin mit dem Versuch, eine gütliche Einigung zu erzielen. Der Baumarkt-Vertreter bot lediglich einen Betrag von 1500 Euro an, Anwalt Arndt forderte für seine Mandantin mindestens 6500 Euro. So wird sich das Gericht am 16. März erneut äußern: mit dem Beschluss, noch tiefer in die Materie einsteigen zu wollen, oder einem Urteilsspruch.

Von Michael Zgoll

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