Unser Kiez

Studenten stellen ihre Stadtteile vor

Foto: Auf eine Kiwibrause zu Onkel Olli (Mitte): Isabel und Fabian in der Nordstadt.

Auf eine Kiwibrause zu Onkel Olli (Mitte): Isabel und Fabian in der Nordstadt.

Hannover. Nordstadt - Studentisch

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Isabel Zastrow (25) und Fabian Rettstadt (22) haben sich bewusst für die Nordstadt entschieden. Nicht nur die typischen Altbauwohnungen in Fußentfernung zur Uni locken Studenten. „In vielen Kneipen kann man gut und günstig essen“, sagt Fabian. Die verzierten Fassaden machen den Stadtteil farbenfroh, und mit Bahn und Bus sind sie schnell in der Innenstadt. Die beiden freuen sich schon auf den Sommer, wenn auf den Wiesen vor dem Wilhelm-Busch-Museum wieder gegrillt und Fußball gespielt wird. Hier gibt es auch ungewöhnliche sportliche Wettkämpfe zu bestaunen: „Ein Highlight sind die Mittelaltermenschen, die auf den Wiesen kämpfen“, sagt Isabel. Ihr Lieblingsplatz ist das Café „24grad“ auf dem Engelbosteler Damm, wo der Kaffee noch selbst geröstet wird – genau wie das „Spandau Projekt“ oder das „Klein Kröpcke“ in der Callinstraße ein beliebter Treffpunkt für die Nordstädter.

Bevor die beiden abends im Technoklub Weidendamm feiern, kaufen sie oft bei „Onkel Olli’s Kiosk“ an der Lutherkirche ein. „Der verkauft von Schokobier bis Kiwibrause so ziemlich alles“, erzählt Isabel. Wenige Meter weiter auf dem Sprengelgelände steht das ,,Punkerhaus“, das mit den letzten besetzten Wohnungen an die Chaostage erinnert. ,,Es ist schon komisch, wenn sich manchmal so viele Punker treffen, dass die Polizei ganze Straßen sperrt“, meint Fabian. ,,Aber wir fühlen uns hier trotzdem pudelwohl“, sagt Isabel. ,,Außerdem freuen wir uns schon auf die Gemüseschlacht“, sagt Fabian grinsend. Bei dem studentischen Revierkampf fliegen jedes Jahr im September Obst und Tomaten auf der Dornröschenbrücke zwischen Nordstadt und Linden hin und her. ,,Diesmal gewinnen wir!“

Lisa Günther

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Herrenhausen – Ländlich

Von der Herrenhäuser Brauerei weht penetranter Maischegeruch herüber, rechts bremst quietschend eine S-Bahn, und links donnern Autos über die Bundesstraße. Auf der anderen Straßenseite findet Andreas Oswald Natur pur – je weiter er geht, desto stiller wird es. Die Leine schlängelt sich durch grüne Wiesen, auf denen jetzt kleine Blumen wachsen.

Für viele Studenten, die nicht im Hochhauswohnheim leben, hört Hannover hinter der Uni auf. "Herrenhausen hat keinen guten Ruf", sagt der 27-Jährige. "Es gibt Leute, die es als sozialen Brennpunkt sehen." Andreas findet das nicht. "Man kann sich mit jedem Menschen arrangieren", sagt er. Im Mehrfamilienhaus passt man aufeinander auf und hilft sich. Mit seiner Freundin wohnt der Sonderpädagogik-Student im Erdgeschoss. Die beiden schätzen die ruhige Lage und ihre kleinen Vorteile: genug Parkplätze und günstige Wohnungen.
Freunden, die Hannover nicht kennen, zeigt Andreas stolz die Herrenhäuser Gärten. Zum Einkaufen geht er auf den frisch sanierten Marktplatz oder in den "Bio-Genuss-Laden". Im Sommer kann er im Stichkanal schwimmen: Das Wasser ist sauber und im Gegensatz zum Maschsee frei von überdimensionalen Karpfen. Nur an attraktiven Kneipen mangelt es dem Studenten. Doch wenn Andreas feiern will, ist es nur ein Katzensprung über die Leine, um in Linden um die Häuser zu ziehen. "Linden ist Kult, aber Herrenhausen macht sich!", sagt Andreas schmunzelnd. Dreimal ist er schon in Hannover umgezogen: Nie hat er dabei Herrenhausen verlassen. Das ist auch nicht geplant.

Manuel Behrens

Linden - Gesellig

Ein-Euro-Shops reihen sich an Feinkostläden und kleine Boutiquen, türkische Gemüsekioske und Discounter an Biosupermärkte. Während Linden den einen zu ungehobelt ist, ist es den anderen schon zu schickimicki. Elena Ziegler findet es genau richtig. Sie lebt erst seit Kurzem hier und fühlt sich schon zu Hause. Vor allem die Offenheit überrascht die 19-Jährige immer wieder. „Auch mit älteren Leuten komme ich hier schnell ins Gespräch, man ist fast automatisch per Du“, erzählt sie. Am schönsten findet sie Linden am frühen Abend, wenn alle Feierabend haben und alle Stühle vor den vielen Cafés und Kneipen besetzt sind. „Man trifft sich auch am Kiosk oder einer Bank, um sich zu unterhalten und ein Bier zu trinken, und hat das Gefühl, dass sich der ganze Stadtteil auf der Limmerstraße tummelt.“

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Sie schlendert gern an den Altbaufassaden entlang: „Da kann man nicht anders, als dem Lindener Charme zu erliegen.“ Tagsüber locken viele kleine Geschäfte wie Riva oder Sputnik mit ihrem Schnickschnack. In den vielen Imbissläden gibt’s Falafel, Döner und Pizza. Wer schicker essen gehen will, bekommt im „Fischers“ mexikanische Gerichte und Cocktails. Schräg gegenüber lockt das nostalgische Apollo-Kino: „Dort werden nicht nur die Standardfilme, sondern auch mal eher unbekannte Kunstfilme gezeigt.“

Elena mag auch die Kneipen wie das „Freiraum“. „Ideal für einen gemütlichen Abend mit Freunden“, findet sie. Zum Tanzen in der Faust ist es hinterher nicht weit. Elena freut sich schon auf die Festivalsaison. Zum „BootBooHook“ muss sie zwar dieses Jahr zur Expo-Plaza fahren, aber am 1. Mai und beim Fährmannsfest wird wieder auf der Faust-Wiese gefeiert.

Marie Rode

Südstadt - Vielfach gut

"Du hast einfach, nein zweifach, dreifach, vierfach, fünfach das, was eine Stadt besonders macht! Du bist so wunderbar, mein Hannover!“, singt Benjamin Fäustell in dem Song „Hannover“. Der Sänger der Punkrock-Band Fat Belly wohnt in der Südstadt und hat einige Gründe, seinen Stadtteil „wunderbar“ zu finden. Einfach: natürlich den Maschsee. Im Winter kann er dort Eishockey spielen, im Sommer nimmt er sein Feierabendbier von der Gilde Brauerei mit zum Seeufer: „Am Maschsee geht irgendwie immer etwas“, sagt der 28-Jährige mit Vorfreude auf das diesjährige Maschseefest vom 1. bis 19. August. „Da ist die ganze Südstadt auf den Beinen!“

Zweifach: In wenigen Minuten ist er zu Fuß, mit dem Rad oder der Bahn in der Innenstadt. Da macht es nichts, dass es in der Südstadt, außer im Bismarck-Bahnhof, nur wenige Möglichkeiten zum Feiern gibt. Der Stadtteil hatte lange den Ruf des Rentnerbezirks. Das mag heute anders sein, das Flair ist jedoch immer noch bürgerlich.

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Dreifach: Das „Pindopp“ in der Nähe des Bismarck-Bahnhofs, am Ende des Altenbekener Damms, ist einen Abstecher in den Osten des Stadtteils wert: In der Sportsbar mit Biergarten gibt es regelmäßig Livemusik. Döner-Imbisse sind in der Südstadt zwar dünner gesät als in Linden, doch bei „Ali Baba“ in der Sallstraße kommen Freunde des gefüllten Fladenbrotes voll auf ihre Kosten. Was es bei „Eis2000“, in der Nähe der Geibelstraße gibt, muss nicht weiter erklärt werden. An heißen Tagen kann man sich hier mit der nötigen Abkühlung versorgen. Benjamin empfiehlt: Bananeneis. Hannover – x-Mal wunderbar!

Manuel Behrens

Oststadt/List - Harmonisch

Junge Eltern, Studierende und Rentner flanieren die Lister Meile entlang. In der „Konditorei Kreipe“ sitzt Luisa Höpfner. „Für die Lister ist Kreipe eine Institution“, sagt sie grinsend. Am Stadtteil „hinterm Bahnhof“ mag sie das ganz besondere Flair: Typisch sind die vielen Gründerzeit-und Jugendstilbauten, wie zum Beispiel das Stammhaus des Traditionsunternehmens Bahlsen. Zwischen Hauptbahnhof und der Eilenriede, Europas größtem Stadtwald, bieten List und Oststadt quirliges Stadtleben und erholsame Ausflugsmöglichkeiten in direkter Nachbarschaft. Dort geht Luisa joggen, zum Minigolf oder in den Biergarten am Lister Turm. Im Pavillon, dem internationalen Kulturzentrum, gibt es Lesungen, Kabarett und Konzerte – für sie nur ein paar Schritte zu Fuß.

Alle wichtigen Orte Hannovers kann Luisa bequem erradeln: „Auf jeden Fall ein Pluspunkt für den Stadtteil“, findet sie. Was nun zur Oststadt gehört und was zur List, das verwechseln auch alteingesessene Hannoveraner oft. „Oststadt und List werden häufig verbal eingemeindet“, sagt Luisa. Kartografisch trennen Celler Straße und Wedekindstraße die beiden Stadtteile. Der Großteil der Lister Meile liegt also in der Oststadt – und die Eilenriede gehört offiziell zum Zooviertel. Für Luise ist es trotzdem alles ein Kiez.

Zum Einkaufen schlendert die 27-Jährige gern über den Moltkeplatz, an dem sie einmal in der Woche frisches Gemüse und leckeren Käse kauft. Von ihrer großzügigen Altbauwohnung in der Lister Meile aus ist sie direkt an einem ihrer Lieblingsorte, dem Weißekreuzplatz: „Sich dort an sonnigen Tagen auf einer Bank zu erholen und dem Treiben zuzusehen ist herrlich.“ Die promovierende Biochemikerin genießt ein weiteres Privileg, worum sie sicher viele Musiknarren beneiden: „Ich kann jeden Tag auf dem Heimweg bei 25Music vorbeischauen und stöbern.“ Die Vinyl-Abteilung bei Hannovers Fachadresse für alles, was mit Musik zu tun hat, ist für Luisa ein Highlight.

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Melissa Catalina Gehle

Mitte - Nicht nur Trubel

In Mitte gibt’s doch nur Geschäfte – das dachte auch Martina Rodenkirchen, bis sie zufällig ein WG-Zimmer in der Karmarschstraße fand. Von der Altbauwohnung im vierten Stock sieht sie das alte Rathaus und den futuristischen Glaskomplex der Nord/LB. Der größte Vorteil: Zentraler geht’s nicht. „Ich komme überall schnell hin“, sagt Martina. Die 25-Jährige studiert Innenarchitektur auf der Expo-Plaza – aber da sie ohne Umsteigen alle Stadtbahnlinien erreicht, ist der Weg nicht weit. Auch nicht nach Linden, wo sie am liebsten feiern geht – manchmal bleibt sie aber auch in Fußentfernung, im 3Raum am Ballhof oder der Cumberlandschen Galerie in der Prinzenstraße.

Der Trubel im Stadtkern stört Martina nicht. Bei Demos oder Straßenaktionen hat sie die perfekte Aussicht: „Ich schaue immer aus dem Fenster, wenn unten was los ist. Das kommt ganz schön oft vor.“

Aber selbst in Mitte gibt es ruhige Orte. Martina sitzt gern an der Leine, und auch der Maschsee ist nur ein paar Schritte entfernt. Sonnabends schlendert sie gern über den Flohmarkt am Hohen Ufer.

Auf dem Heimweg durch die Innenstadt kommt sie jeden Tag an den vielen Läden und Kaufhäusern vorbei. „Das ist schon praktisch“, sagt sie, „aber man kauft auch oft ein, obwohl man eigentlich gerade nichts braucht.“

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Einer ihrer Lieblingsplätze ist der Ballhof, dort sitzt sie gern im gemütlichen „Teestübchen“. Empfehlen kann sie auch das „Café Konrad“ in der Knochenhauerstraße: „Da gibt’s großartige Torten.“

Mareike Zoege

Calenberger Neustadt - Halb und Halb

Wenn Christoph Thermann erzählt, wo er wohnt, werden viele stutzig. „Linden und Mitte kennen alle, nur dass dazwischen noch die Calenberger Neustadt liegt, wissen sie nicht“, erklärt der 21-Jährige. Deshalb fehlt ihm manchmal das Zugehörigkeitsgefühl. Trotzdem fühlt er sich mit den kleinen alternativen Cafés, Kneipen und Klubs in der Umgebung wohl. „Im ,Café Safran’ kann man lecker und günstig essen. Es gibt jeden Tag ein anderes Angebot, zum Beispiel den Pizzatag.“ Danach trinkt er dort gern noch ein Bier mit seinen WG-Mitbewohnern. Gleich gegenüber im „Zeitlos“ gibt es Cocktails, bevor es in die Glocksee geht. „Mir gefällt die Musik, und ich sehe immer bekannte Gesichter“, sagt Christoph.

Bei nächtlichen Hungerattacken liefert der Bringdienst an der Ecke noch bis 3 Uhr alles von Chinesisch bis Currywurst. Auch die vielen Kioske haben lange geöffnet. In dem kleinen Laden gegenüber kauft Christopher gern türkische Spezialitäten.
Nicht weit entfernt im Gut e. V. in der Königsworther Straße gibt es kleine Konzerte, dort möchte der Student bald mal einen Blick reinwerfen. Einen richtigen Lieblingsplatz hat Christoph aber nicht. Ihm fehlt mehr Grün, auch wenn es zum Georgengarten nicht weit ist. "Ich verstehe nicht, warum die Grünflächen an der Ihme zerstört wurden", sagt er. Immerhin gehören noch ein Teil des Maschsees sowie das Stadion zum Stadtteil. Und auch die Uni und die Innenstadt sind nur einen Katzensprung entfernt. "Ich kann immer super ausschlafen", sagt er grinsend.

Marie Rode

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