Täter lauerte Opfer auf

Südstadt-Mord: Parallelen zum Fall Annika B.?

Anteilnahme: Am Tatort werden täglich mehr Blumen niedergelegt.  Foto: Schaarschmidt

Anteilnahme: Am Tatort werden täglich mehr Blumen niedergelegt. Foto: Schaarschmidt

Hannover. Aus Polizeikreisen heißt es, Melissa S. sei mit mehr als zehn Messerstichen attackiert worden. Die zierliche Hannoveranerin brach daraufhin in der Adelheitstraße neben einem Auto zusammen, dort wurde sie nach schrillen Hilfeschreien von einem Anwohner gefunden.

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Oberstaatsanwalt Thomas Klinge bestätigt „massive Gewalteinwirkungen“ auf den Oberkörper der 27-Jährigen, zur Tatwaffe sagt er nichts. Die Leiche der 1,50 Meter großen Frau wurde inzwischen obduziert. „Bislang können wir einen Raubüberfall oder ein Sexualverbrechen ausschließen“, sagt Klinge. Zum einen hätten ihre Wertsachen noch am Tatort gelegen, zum anderen gebe es keine Spuren einer Vergewaltigung.

Junge Frau in der Südstadt getötet

Ein Anwohner entdeckt eine lebensgefährlich verletzte Frau auf dem Bürgersteig. Die 27-Jährige wurde in eine Klinik gebracht, wo sie kurz darauf starb. Video: Hellerling/dpa

Momentan gehen die Beamten davon aus, dass jemand der Frau in der Adelheidstraße aufgelauert hat. Offenbar war sie auf dem Heimweg, sie wohnte unweit des Tatorts in einer kleinen Nachbarstraße. Videoaufnahmen zeigen, wie Melissa S. um 22.33 Uhr aus einer Stadtbahn an der Haltestelle „Schlägerstraße“ stieg. Dort begegnete sie zwei Männern, die Polizei sucht nach ihnen als wichtige Zeugen. Hinweise werden unter Telefon (05 11) 109 55 55 entgegengenommen.

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„Unsere Ermittlungen konzentrieren sich zurzeit auf das Umfeld der Getöteten“, sagt Oberstaatsanwalt Klinge. Allerdings habe die 27-Jährige ein Leben „ohne Auffälligkeiten“ geführt, so Klinge. Das Gleiche gelte für ihr Umfeld. Vor einigen Jahren war die junge Frau zum Beispiel längere Zeit auf Island unterwegs.

Unweigerlich werden Erinnerungen an den bis heute ungeklärten Mord an Annika B. im Jahr 2011 wach. Die damals 20-Jährige wurde am 1. Advent vor ihrer Wohnung in der Kohlrauschstraße ebenfalls durch mehrere Messerstiche getötet. „Noch ist es zu aber früh, Parallelen zu ziehen“, sagt Klinge. Allerdings würden Zusammenhänge geprüft.

Laut Nachbarin Hildegard Brieger ist Melissa S. erst vor zwei oder drei Monaten in die Wohnung gezogen. „Als ich von der Tat hörte, musste ich sofort an die junge Frau mit den glatten, blonden Haaren denken“, sagt sie. Am Tatort werden täglich mehr Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet - so auch von Dilan Y. Sie wohnt bloß wenige Straßen entfernt und möchte aus Angst vor dem Täter ihren Nachnamen nicht nennen. „Das Opfer war genauso alt wie ich“, sagt die junge Frau betroffen. „Ich trage ab sofort Pfefferspray bei mir.“

Von Peer Hellerling

Tat erinnert an Fall Annika B.

Der brutale Mord in der Südstadt erinnert an ein anderes spektakuläres Verbrechen aus Hannover. Am ersten Adventssonntag des Jahres 2011 wurde die 20-jährige Annika B. vor ihrer Wohnung in der Kohlrauschstraße von einem bis heute unbekannten Täter mit zahlreichen Messerstichen getötet. Der Angreifer musste die Gewohnheiten der jungen Mutter gekannt haben. Er passte die 20-Jährige vor der Haustür ab, als sie gerade vom Zigarettenholen zurückkam. Obwohl die Polizei die Ermittlungen zwei Jahre später vorerst einstellte, lässt Matthias Waldraff, Rechtsanwalt von B.s Eltern, nicht locker: „Wir arbeiten weiterhin die Ermittlungsakten durch und haben bislang schon einige Auffälligkeiten festgestellt“, sagt er.

tm

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