List

„TableTop“ - eine Welt voller Monster und Helden

Seit zwei Jahren treffen sich Fans von Strategiespielen in der List.

Seit zwei Jahren treffen sich Fans von Strategiespielen in der List.

List. Es sei ein bisschen wie Schach, meint Marcus Schröder und blickt auf eine Miniaturlandschaft aus künstlichem Gras, mit einem Wasserlauf und Gebäuden, in der eine Phalanx aus bunten Figuren steht. Der Buchhändler tritt gegen den Studenten Sami Golla an, der urtümlich aussehende Monster aufgebaut hat. Mit Taktik, magischen Zaubern und einem üppigen Regelwerk versuchen beide Spieler, die gegnerische Hauptfigur gewissermaßen schachmatt zu setzen. Schröder und Golla sind Mitglieder im „TableTopTreff Hannover“. Der Verein bietet Anhängern von Strategiespielen ein Zuhause. Der Name Tabletop ist von der englischen Bezeichnung für Tischplatte abgeleitet. Seit gut zwei Jahren gibt es den Verein mit Sitz in der ehemaligen Fehling-Druckerei an der Spichernstraße.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Schröder spielt mit „Warmachine-Figuren“, die eine fiktive Zukunft mit dampfbetriebenen Kriegsmaschinen repräsentieren. Ihnen hat Golla die Monsterkrieger eines Spielsystems mit dem treffenden Namen „Hordes“ gegenübergestellt. Jede Figur steht für bestimmte Merkmale; Kräfte und Leistungsfähigkeit sind nach einem strikten Punktesystem verteilt. Treffer und Bewegungen werden mit Maßbändern ausgemessen. Über Sieg oder Niederlage entscheidet aber nicht allein eine ausgeklügelte Aufstellung der Figuren. Die Wirkung von Spielzügen wird auch durch Würfeln beeinflusst.

Während sich der Buchhändler und der Student mit einer vergleichsweise bescheidenen Tischgröße zufrieden geben, tobt im größten Raum des Vereins eine apokalyptische Schlacht. Gut sechs Meter lang und mehrere Schritte breit ist die Platte, die acht Vereinsspieler bestückt haben: mit mächtigen Geschützen, Robotern, Kriegsgerät wie frisch aus den „Star Wars“-Filmen und Dutzenden Figuren. „Das ist Warhammer 40000“, sagt Sascha Sprenz, der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Die Spieler sind für einen ganzen Tag in eine futuristische Welt eingetaucht, der sie mit Gebäuden, Robotern, Landschaften und Spielfiguren Leben einhauchen.

Die britische Firma Games Workshop vertreibt mit ihren „Warhammer“-Spielen einige der wichtigsten Strategiespiele der Tabletop-Szene. In Büchern werden die Spielwelten und deren Hintergründe erklärt. Was auf den Tisch kommt, sind nicht einfach nur Figuren, sondern ganze Nationen, Stämme und Staatenbünde. Es gibt eine Fantasy-Welt und eine Version, die in einer Zukunft, 40000 Jahre nach unserer Zeit, spielt. Aber das sind nur einige von vielen Tabletop-Welten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Vereinsmitglieder sind Angestellte, Studenten, Schüler - der Jüngste ist 13 Jahre alt, der Älteste bereits in den Fünfzigern. Was sie eint, ist der Spaß am strategischen Denken, gemischt mit viel Fantasie. „Und man ist mit anderen zusammen“, sagt Schröder. Er ist seit gut 16 Jahren in der Szene und genießt das gemeinsame Spielen und Fachsimpeln mit Gleichgesinnten. Andere kommen indes kaum zum Spielen: Die Figuren aus Zinn oder Plastik werden in Einzelteilen und farblos geliefert. Das Zusammensetzen und das Bemalen erfordert Konzentration, Geschick und Muße. Mehrere hundert Figuren kann die Ausstattung eines Spielers umfassen. „Wir haben ein Mitglied, das seit fast zwei Jahren an seinen Figuren arbeitet“, erzählt Sprenz. Manchmal werden Figuren und Landschaften mit viel Liebe zum Detail selbst hergestellt. Auch neue Regelbücher werden schon einmal selbst entworfen.

Das Hobby braucht Platz - ein wichtiger Grund für die Gründung des Vereins. „Wir hatten größere Räume für uns und das Material gesucht“, sagt Sprenz. In der Lister Fehling-Druckerei sei der Verein fündig geworden. Auf gut 100 Quadratmetern spielen die rund 70 Mitglieder und bauen dort ihre ganz eigenen Welten auf. Aus den Mitgliedsbeiträgen wird die Miete finanziert.

Natürlich werden auch eigene Wettbewerbe ausgerichtet. Für September lädt der Verein in das Bürgerhaus Nordstadt zu einer zweitägigen Convention mit dem Namen "Spielzug" ein. Das ist eine Mischung aus Fachmesse für Spieleneuheiten, Turnier und Schnupperkurs für Anfänger. Aber Interessierte können auch jeden Sonntag von 13 bis 15 Uhr im Vereinsraum in der Spichernstraße 22a vorbeischauen. Nähere Informationen gibt es zudem im Internet unter www.tabletoptreff-hannover.de.

„TableTop“: Volkssport in den USA

In den USA und Großbritannien ist „TableTop“ eine Art Volkssport. In Deutschland ist die Szene recht klein. Zu den Wurzeln des Tabletop zählen Spiele wie Go und Schach.

1812 präsentierte Georg Leopold, Baron von Reiswitz, ein taktisches Kriegsspiel zur Ausbildung preußischer Offiziere: eine Kommode mit ausklappbarem Spielfeld und Schubläden voller Spielmaterial, die Heereseinheiten und Landschaften simulieren sollten. Infanterie oder Kavallerie, schweres Gerät oder leichte Bewaffnung - all das wurde in einem Regelwerk berücksichtigt, um Entfernungen und Leistungsfähigkeit abzubilden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Schriftsteller Herbert George Wells veröffentlichte 1913 mit „Little Wars“ eine vereinfachte Anleitung mit Miniaturfiguren. Das Simulationsspiel war im zivilen Leben angekommen. Die kommerzielle Karriere begann in den 1950er Jahren. Es gibt Tabletop-Spiele, die sich mit historischen Themen wie den napoleonischen Kriegen oder dem Zweiten Weltkrieg befassen. Bestseller wie Tolkiens Fantasy-Trilogie „Herr der Ringe“ oder Filme wie „Star Wars“ inspirierten dazu, neue Welten zu schaffen.

Marcel Schwarzenberger

Mehr aus Hannover

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen