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Konzert in der Tui-Arena

Teufelsgeiger David Garrett begeistert 6500 Fans

Der selbst ernannte Teufelsgeiger David Garrett spielt auf seiner Stradivari.

Der selbst ernannte Teufelsgeiger David Garrett spielt auf seiner Stradivari.

Hannover.Rotierendes Licht. Orchester macht Drama. Dann: Da-da-da-daa. Das am meisten totgerockte Motiv der Musikgeschichte leitet David Garretts Konzert in der Tui-Arena ein.

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Mit fingerlosen Handschuhen, die Haare zurückgebunden, geigt Garrett sich durch ein Stück von Beethovens fünfter Sinfonie. 6500 Menschen jubeln. Garretts Schatten an der Leinwand hinter ihm brennt.

Es folgt „He‘s a Pirate“ aus „Fluch der Karibik“, Nirvana, AC/DC, „Air“ von Bach. Auf der „unlimited“-Tour, sagte Garrett im April, wolle er spielen, was seine Fans in den vergangenen Jahren am liebsten von ihm gehört hätten. „Unlimited“ heißt auch das passende Best-Of-Album zur Tour, die eine zehnjährige Jubiläums- und Comeback-Tour ist, nachdem der Geiger wegen eines Bandscheibenvorfalls kürzertreten musste. Immer lächelnd geigt Garrett, lächelt, als er sagt: „Ich bin großer Rockmusikfan“ – und „Thunderstruck“ von AC/DC anstimmt.

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Musikalisch ist das kaum zu kritisieren: Garrett füttert Rock- und Pophits der Achtziger und Neunziger mit virtuosem Sologegniedel fett. Dazu dürfen sich immer mal Bach, Beethoven und Debussy gesellen. Das mal mit Schlagzeug, E-Gitarre und E-Bass erweiterte Orchester liefert den Harmonie- und Rhythmusteppich. Für die Augen gibt es die riesige Leinwand, auf der mal Garrett, selbst ernannter Teufelsgeiger, brennend zu sehen ist, oder in einer futuristischen Neonstadt – immer live gefilmt und verfremdet. Nach der Pause kommt er in einem Gestänge aus der Decke geflogen.

„Ich bin stolz darauf, ein neues Publikum an die Klassik herangeführt zu haben“, sagt Garrett. Seit 2009 basteln er und mittlerweile mehrere Stradivaris einerseits am Geigenrebell-Image herum, andererseits an gleichzeitig virtuosem und sterilem Rock-Pop-Klassik-Cross-over, wie er es in der Tui-Arena präsentiert. Der Widerspruch von Garrett ist dabei, dass einer der weltweit fähigsten Geiger sich durch Lieder arbeitet, die zu den bekanntesten überhaupt gehören. Versucht, ihnen neues Leben einzuhauchen, und bei – zugegeben virtuosem und groß angelegtem – Stadionrock landet, der, wie bei „Master of Puppets“, die Klassiker in kreativen Arrangements teilweise stark verkürzt. Garrett: der Virtuose, der sich mit dem wohl gepflegten Rebellenimage und der 300 Jahre alten Geige nicht ganz aus dem Klischee herausspielen kann. Oder will.

Es ist musikalische Systemgas­tronomie, als sehe man einem Sternekoch beim Arbeiten in der McDonald‘s-Küche zu. Das Problem ist kein musikalisches, eher die Setlist. Die Stücke, die Garrett präsentiert, sind fast alle die jeweils ersten Stücke, die einem von der entsprechenden Band oder dem Komponisten einfallen. Ob sie nun von 1808 oder 1992 sind: Jeder Ton ist bekannt, daran ändern weder Garretts Cross-over-Interpretation noch die opulente Leinwandshow etwas. Was der Ausnahmegeiger zeigt, ist – ein alter Vorwurf – Fast Food. Macht also kurzzeitig satt und glücklich, hinterlässt aber langfristig Hunger auf eine richtige Mahlzeit. Was vielleicht genau Garretts Absicht ist.

Von Jan Fischer

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