Nach Umzug

TiHo-Neubau in Hannover setzt Maßstäbe

Wer auf Reisen geht, kann etwas erleben. Das gilt auch für den Umzug der Pferdeklinik der Stiftung Tierärztliche Hochschule (TiHo). Zwar mussten die rund 60 Mitarbeiter und 30 Pferde Ende vergangener Woche nur wenige Kilometer vom alten Standort am Braunschweiger Platz zum neuen Gelände im Bemeroder Bünteweg überwinden – und das noch nicht mal zu Fuß. In speziellen Fahrzeugen sind die Tiere transportiert worden. Klinikleiter Prof. Karsten Feige hat die ganze Aktion trotzdem Nerven gekostet. „Bei uns kam alles auf einmal: Kälte, Schnee, und dann hat sich noch ein Pferd im Stall festgelegen“, sagt er.

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Auch jetzt ist in dem großzügigen und hellen Neubau in Bemerode noch vieles ungeordnet. Hier und da stapeln sich Kartons mit Material in den Räumen. Geräte sind noch nicht angeschlossen. Den ganzen Tag über ist ein Dreierteam der Baufirma unterwegs, um nachzubessern. Denn bei der täglichen Arbeit zeigen sich sämtliche Ungereimtheiten: Die Tür der Tagesapotheke schließt nicht richtig, und am Schlüsselbund der Assistenten fehlen noch Schlüssel. „Ich habe hier eine sieben DIN-A4-Seiten lange Mängelliste“, stöhnt Feige.

Gut also, dass der Klinikleiter vorgesorgt hat. Zum einen wurde der Umzug in die traditionell patientenarme Weihnachtszeit gelegt. Zum anderen nehmen die Pferdespezialisten zurzeit nur Notfälle an. Deren Betreuung läuft allerdings wie am Schnürchen. Dabei hilft den Mitarbeitern die moderne Ausstattung der neuen Klinik, die gegenüber der mehr als 100 Jahre alten Pferdeklinik am Bischofsholfer Damm einen Sprung in die Zukunft bedeutet. Angesichts der neuen Möglichkeiten kommt auch Feige ins Schwärmen: „Wir haben großen Wert auf hygienische Sicherheit, Arbeitssicherheit und auf benutzerfreundliche Anlagen gelegt“, sagt er. Tatsächlich entspricht der Standard weitgehend dem eines Krankenhauses für Menschen. Vor dem Operationssaal 1 wird gerade eine Schimmelstute mit einem großen Tumor oder Eiterabzess im Bauch für die Operation vorbereitet. Die Tierärzte waschen und rasieren die Stellen, an der die Chirurginnen schneiden müssen, dann wird die Stute sanft narkotisiert, auf den Operationswagen gehievt, desinfiziert und in den keimfreien OP gefahren.

Drei der mit modernster Technik ausgestattete OP-Säle hat die neue Klinik. Hinzu kommen spezielle Vorbereitungsräume und eine Röntgenstation, deren Ausstattung ihresgleichen sucht. Aus der Humanmedizin hat die TiHo den deutschlandweit größten Computertomographen übernommen. Sobald der Tisch für die bis zu 600 Kilogramm schweren Tiere nachgerüstet ist, können die Veterinäre damit ganze Pferde durchleuchten. Nebenan warten zudem weitere Röntgengeräte auf die vierbeinigen Patienten. Glanzstück der Station ist aber der leistungsstarke Drei-Tesla-Kernspintomograph, der bislang noch nicht angeschlossen ist. „Das wird hier das europäische Referenzzentrum der Herstellerfirma“, sagt Feige.

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Im Nachbargebäude gibt es zudem acht Untersuchungsräume und mehrere Stallungen mit insgesamt 60 Boxen, die Feige liebevoll „Hotels“ nennt. Das Besondere: Jede Einheit kann im Infektionsfall isoliert werden, sodass sich keine Krankheit unter den Pferden verbreiten kann.

Drei Zimmer für Menschen

Der Neubau der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) am Bünteweg solle „internationale Maßstäbe“ setzen, hatte Hochschulpräsident Gerhard Greif im Mai 2007 bei der Vorstellung der Pläne gesagt. Jetzt ist es so weit: Der rund 20.000 Quadratmeter große und 45 Millionen Euro teure Klinikkomplex mit zwölf Operationssälen, Behandlungsräumen, Laboren, Hörsälen und Stallungen ist bezugsfertig.

Drei Tierkliniken sind dort untergebracht. Als Erstes ist jetzt die Pferdeklinik, die derzeit rund 2500 Patienten pro Jahr versorgt, in die neuen Räume eingezogen. Bis Ende des Jahres soll dann die von Prof. Michael Fehr und Prof. Norbert Kummerfeld geleitete neue Klinik für Heimtiere, Reptilien, Zier- und Wildvögel folgen. „Derzeit sind diese Kliniken noch getrennt“, erklärt TiHo-Sprecherin Sonja von Brethorst. Besonderheit der Vogelklinik wird eine von der Straße aus sichtbare Voliere sein. Im nächsten Jahr folgt dann die Kleintierklinik von Prof. Ingo Nolte. Die auf Hunde und Katzen spezialisierte Klinik wird auch drei Zimmer vorhalten, in denen Besitzer mit ihren kranken Lieblingen übernachten können. Am alten Standort am Bischofsholer Damm verbleiben weiterhin die Klinik für kleine Klauentiere und Rinder sowie die Hälfte der Forschungsinstitute.

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