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Amtsgericht Hannover

Tod auf Zebrastreifen – Fahrer zu Haftstrafe verurteilt

Der Angeklagte Ahmet S. wurde von Rechtsanwalt Clemens Anger vertreten.

Der Angeklagte Ahmet S. wurde von Rechtsanwalt Clemens Anger vertreten.

Hannover. Zuerst überfuhr er eine Frau, dann leistete er keine Erste Hilfe und schließlich fuhr er mit seinem Wagen auf und davon. Am Donnerstag wurde Ahmet S. (30) vom Amtsgericht Hannover wegen fahrlässiger Tötung und Fahrerflucht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er weitere zweieinhalb Jahre auf seinen Führerschein verzichten – zusätzlich zu den anderthalb Jahren, die seine Fahrerlaubnis bereits auf Eis liegt. Zudem muss der Angeklagte 200 Sozialstunden ableisten.

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Ahmet S. war im Januar 2017 an einem Montagmorgen um 5.30 Uhr mit einem VW Polo auf der Badenstedter Straße stadtauswärts unterwegs, als er am Fußgängerüberweg vor der Lenther Straße eine 54-jährige Passantin übersah. Das Opfer wurde frontal erfasst und mehr als zehn Meter durch die Luft geschleudert. Der Fahrer hielt an, stieg aus und ging zur Unfallstelle, dort versorgten Ersthelfer die schwer verletzte Frau. Als diese S. baten, den Bereich abzusichern und anschließend seine Personalien aufzuschreiben, rauschte der Mann mit seinem Auto davon.

Vertuschungsversuch im Nachhinein

„In solch einer Situation abzuhauen macht einen fassungslos, mit so einer Art Gleichgültigkeit weiterzufahren ist nur schwer begreiflich“, konstatierte Richter Simon Schnelle. Ein schwerwiegenderer Fall von Fahrerflucht sei nicht denkbar, meinten Strafrichter und Staatsanwältin gleichermaßen. Diese hatte dem Angeklagten zwar zugute gehalten, dass es sich bei dem Unfall um ein Augenblicksversagen gehandelt haben könnte, ihm aber auch vorgeworfen, dass er das Unglück im Nachhinein vertuschen wollte.

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In der Tat bestätigten Zeugen, die trotz des von Verteidiger Clemens Anger vorgetragenen Geständnisses gehört wurden, dass gezielt versucht wurde, die Tat zu vertuschen. Mitarbeiter des hannoverschen Metzgerbetriebs, in dem Ahmet S. als Fahrer tätig war, hatten bei einer polizeilichen Vernehmung offenbar bewusst gelogen und den Beamten etwas von einem früheren, harmlosen Unfall berichtet. Außerdem wurde den Ermittlern erzählt, der Unfallwagen sei schon verschrottet worden – obwohl dies nicht stimmte. Und schließlich hatte der 30-Jährige den Polo von einem Freund geliehen – ein zusätzlicher Grund, warum der Familienvater nach dem Unfall die Flucht ergriff. Die schwer verletzte Frau starb drei Wochen nach dem Unglück an einem Schädel-Hirn-Trauma.

Sehr spätes Geständnis

Der Anklagte habe nie Kontakt zu der Tochter des Opfers aufgenommen, beklagte Nebenklägervertreter Carsten Meinfeld. Auch sei das Geständnis zu einem „zu späten Zeitpunkt“ gekommen. Immerhin habe dieses, so der Richter, einen längeren Prozess vermeiden helfen; auch deshalb komme der Täter mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon. „Da haben Sie im allerletzten Moment noch die Kurve gekriegt“, sagte Schnelle. „Doch wie Sie Ihren Kindern erklären wollen, wie man Verantwortung im Leben übernimmt, wüsste ich gerne.“ Ahmet S., der während der Verhandlung großteils schwieg und seinen Anwalt sprechen ließ, sagte zum Schluss: „Es tut mir leid, ich wollte das nicht.“

Von Robin Beck

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