Landgericht

Totes Wildschwein wird zum Fall fürs Gericht

Foto: Harter Einschlag: Die Wucht, mit der ein Wildschwein bei Tempo 60 in ein Auto kracht, entspricht dem Gewicht eines Nashorns – 3,5 Tonnen.

Harter Einschlag: Die Wucht, mit der ein Wildschwein bei Tempo 60 in ein Auto kracht, entspricht dem Gewicht eines Nashorns – 3,5 Tonnen.

Hannover. Die Fahrerin verklagte den Mann. In der zweiten Instanz wurde ihr Begehren abgeschmettert – mit der Begründung, dass offenbar mehrere Schweine am Unfallort unterwegs gewesen seien.

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Im Herbst müssen Autofahrer in der Region besondere Vorsicht walten lassen. Weil das Wild vor allem in der Dämmerung auf Futtersuche geht, überschneidet sich dieser Wildwechsel oft mit dem morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr – was hochgefährlich enden kann. Heinz S. war an einem Abend im Oktober 2010 mit seinem Geländewagen auf der B 217 von Springe nach Hannover unterwegs.

Seinen Schilderungen zufolge sah er plötzlich den Schatten eines Wildschweins, das vor ihm über die Straße lief. Sein Wagen habe das Tier aber nur flüchtig touchiert, sagt er. Der Fahrer hielt dennoch an und inspizierte den Straßenabschnitt – er konnte aber nichts entdecken. Er rief die Polizei an, die ihm riet weiterzufahren. Im Kommissariat in Ronnenberg meldete er den Vorfall noch einmal persönlich – zumal er einen leichten Schaden am Spoiler seines Autos bemerkt hatte.

Kurze Zeit später aber meldete sich eine weitere Autofahrerin bei den Beamten. Sie habe auf dem gleichen Abschnitt der B 217 auf der Gegenfahrbahn einem toten Wildschwein ausweichen müssen, sagte sie. Dabei sei ihr Auto in einen Graben gerutscht. Bei dem Manöver wurde das Fahrzeug beschädigt. Bei der Polizei erfuhr die Frau von dem vorangegangenen Unfall. Sie mutmaßte, dass Heinz S. ebendieses Wildschwein angefahren hatte und die Unfallstelle nicht, wie in einem solchen Fall vorgeschrieben, abgesichert und sich um die Entsorgung des toten Tieres gekümmert habe.

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Die Autofahrerin zog gegen S. vor Gericht und forderte 5000 Euro, die die Reparatur ihres Autos gekostet hatte. Der Verklagte bezweifelte jedoch, dass es sich bei den Unfällen um ein und dasselbe Schwein handelte. Gleichwohl wurde er vom Amtsgericht Wennigsen in erster Instanz verurteilt. Der Richter hielt es für „sehr wahrscheinlich“, dass es sich um dasselbe Wildschwein handele. Dies habe die gleiche Laufrichtung gehabt, sei aber durch die Wucht des Aufpralls auf die entgegengesetzte Fahrbahn geschleudert worden, mutmaßte er.

Anwalt Dirk Rademacher wunderte sich über das Urteil: „Mein Mandant hat alles richtig gemacht. Er hat angehalten und sich umgesehen, aber er hat nichts auf der Straße liegen sehen. Trotzdem hat er die Polizei informiert.“ Heinz S. legte Berufung ein – mit Erfolg.

Die Richter am Landgericht informierten sich über das Sozialverhalten von Wildschweinen. Sie kamen zum Ergebnis, dass Wildschweine meist im Rudel auftreten. So habe auf der viel befahrenen B 217 jeder beliebige Autofahrer mit einem anderen Wildschwein des Rudels kollidieren können. Dieser Autofahrer hätte dann gewissermaßen Schwein gehabt, dass er dabei nicht beobachtet worden war.

Verhalten bei Wildunfällen

Wenn ein Tier unvermittelt auf der Straße auftaucht, muss der Autofahrer abbremsen. Der ADAC rät, Abblendlicht und Hupe zu betätigen. Ist eine Kollision nicht mehr abzuwenden, sollte eine Vollbremsung eingeleitet und das Lenkrad festgehalten werden. Auf Ausweichmanöver hingegen sollte verzichtet werden – solch ein Versuch endet oft am Baum oder im Graben.

Autofahrer, die mit einem Wildtier zusammengestoßen sind, sind verpflichtet, den Unfall zu melden. Zunächst müssen sie sich vergewissern, ob das Tier tot und nicht in eine Schockstarre verfallen ist. Sollte es auf der Straße liegen, muss die Unfallstelle mit Warndreieck und Warnblinkanlage sofort abgesichert werden. Ist der örtliche Jäger nicht bekannt, muss die Polizei informiert werden. Dort nimmt man den Schaden auch für die Versicherung auf.

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