Plagiat nachgewiesen

Uni erkennt Juristen Doktortitel ab

Foto: Die Leibniz-Uni hat einem Juristen seinen Doktortitel aberkannt. Ihm wurde von der Hochschule ein Plagiat nachgewiesen.

Die Leibniz-Uni hat einem Juristen seinen Doktortitel aberkannt. Ihm wurde von der Hochschule ein Plagiat nachgewiesen.

Hannover. Erstmals hat die Leibniz-Uni einem früheren Doktoranden wegen eines Plagiats den Doktortitel aberkannt. Der Betroffene hat an der Jura-Fakultät der hannoverschen Hochschule promoviert und ist heute als Professor an der Queen-Mary-University in London tätig. Ihm habe ein „wissenschaftliches Fehlverhalten“ nachgewiesen werden können, sagte Uni-Präsident Prof. Erich Barke. Der Jurist habe gegen die Aberkennung seines Titels bereits Klage eingereicht. Der Fall ist nun vor dem hannoverschen Verwaltungsgericht anhängig.

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„Wir haben das Untersuchungsverfahren mit größtmöglicher Sorgfalt betrieben“, erklärte Prof. Veith Mehde, Dekan der Jura-Fakultät, auf Anfrage der HAZ. Zunächst war die interdisziplinär besetzte Uni-Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis zu dem Schluss gekommen, dass der Doktortitel dem Juristen zu Unrecht verliehen wurde, weil dessen Promotion etliche abgeschriebene Textpassagen enthalte. Zuständig für die Aberkennung eines Titels ist der Rat der betroffenen Fakultät. Der Jura-Fakultätsrat schloss sich nach mehrmonatiger Prüfung nun dem Votum der Kommission an.

Ins Rollen gekommen war der Fall im März 2012 durch die Internetplattform „VroniPlag“. Das auf Plagiate spezialisierte Forum hatte den Namen des betroffenen Professors und Teile der Dissertation ins Netz gestellt. Die Plagiatsjäger haben auf den 260 Seiten der bereits 1998 verfassten Promotion 118 Textstellen aufgespürt, die von anderen Autoren stammen und nicht als solche kenntlich gemacht worden sein sollen – das entspricht einer Quote von 45,38 Prozent. „VroniPlag“ meldet Plagiatsfunde, die mehr als zehn Prozent der Seiten einer Dissertationen überschreiten, den betroffenen Hochschulen und stellt die Informationen dann ins Internet. Aktuell sind 54 Fälle aus deutschen Hochschulen registriert – der Jurist, der heute in London lehrt, war der erste Fall aus Hannover. Im Februar dieses Jahres war ein zweiter hiesiger Fall bekannt geworden: Eine Forscherin der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) soll in ihrer Promotion abgeschrieben haben. Die Prüfungen liefen noch, teilte die TiHo mit.

Die Recherchen von „VroniPlag“ haben etwa dazu geführt, dass die Uni Heidelberg der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin den Doktortitel aberkannt hat. Im Fall von Bundesbildungsministerin Annette Schavan hatten Mitarbeiter von „VroniPlag“ eine eigene Plattform gegründet, um die Plagiatvorwürfe öffentlich zu machen – was ebenfalls zur Aberkennung des Titels führte.

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Fall Goehrmann

Auch dem früheren Chef der Hannover Messe, Klaus Goehrmann, droht der Entzug eines seiner Doktortitel. Er hatte bis dahin unveröffentlichte Untersuchungen des hannoverschen Laser-Zentrums (LZH) für seine Doktorarbeit an der TU Clausthal genutzt, das LZH aber nicht als Quelle genannt. Nach Auskunft der TU soll die Entscheidung im November fallen.

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