Bahlsen-Stammhaus

Verschollene Statue der TET-Göttin ist wieder da

Die verschollene Statue der Göttin steht wieder am Bahlsen-Sitz.

Die verschollene Statue der Göttin steht wieder am Bahlsen-Sitz.

Hannover. Da sitzt sie wieder, als wäre sie nie fort gewesen. Majestätisch, still und in sich ruhend thront die ägyptische Göttin vor dem Eingang des Bahlsen-Stammhauses in der Podbi. Nach mehr als 80 Jahren ist sie hierher zurückgekehrt. An dieser Stelle hatte die Skulptur des berühmten Bildhauers Bernhard Hoetger (1874 bis 1949) bis in die Dreißigerjahre schon einmal gestanden. Dann verschwand sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion.

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„Zum Schutz vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten wurde die Skulptur versteckt“, sagt Bahlsen-Mitarbeiterin Bianca Milz. Offenbar fürchtete man bei Bahlsen, die fremdländisch anmutende Göttin könnte als „entartete Kunst“ gebrandmarkt und vernichtet werden. Also wurde die TET-Göttin – die Hieroglyphe TET steht für Dauer und Ewigkeit – diskret aus dem Verkehr gezogen. Die 400 Kilogramm schwere und 1,54 Meter hohe Rotstein-Skulptur aus sächsischem Porphyr wurde bei einer Steinmetzfamilie deponiert, zwischen anderen Skulpturen. Dort bekam sie später einen Platz in der äußersten Ecke eines ummauerten Gartens – und geriet in Vergessenheit. Nur ein unscheinbarer Rotsteinsockel am Bahlsen-Haus erinnerte noch daran, dass hier etwas fehlte.

Göttin hinter Gestrüpp

Ende vergangenen Jahres meldeten sich dann Erben der Steinmetze, zu deren Identität sich Bahlsen nicht äußert, bei der Firma und berichteten von der Göttin. Diese stand mittlerweile hinter dichtem Gestrüpp verborgen, als stumme Zeugin einer glanzvollen Vergangenheit: Firmengründer Hermann Bahlsen war ein generöser Förderer des Künstlers Bernhard Hoetger gewesen. Dieser plante für den Patriarchen sogar einen kompletten Stadtteil, mit Fabrik, Verwaltungsgebäuden und Wohnungen für rund 17 000 Mitarbeiter. Mit Kino, Kirche, Schulen und Grünanlagen sollte das teils im ägyptischen Stil gehaltene Quartier ein Elysium der Belegschaft werden.

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Realisiert wurde die gigantische TET-Stadt nie, auch weil der Erste Weltkrieg die Pläne zunichte machte. Immerhin schuf Hoetger für ein geplantes Repräsentationsgebäude eine TET-Göttin aus Bronze. Und eben die jetzt wieder aufgetauchte steinerne Skulptur für den Verwaltungsbau, die ihrem bronzenen Pendant sehr ähnlich ist. „Erste Recherchen haben allerdings gezeigt, dass die Rotstein-Variante der TET-Göttin in der Kunstwissenschaft bislang offenbar unbekannt ist“, sagt Bianca Milz.

Der Erhabenheit der Göttin ist das nicht abträglich. Nach fachkundiger Begutachtung hat man bei Bahlsen entschieden, sie einfach zu reinigen und keine kosmetischen Eingriffe an ihr vorzunehmen. So steht sie nun wieder am Bahlsen-Gebäude und sieht gelassen über all die Verwerfungen der Zeit hinweg, die ihr nichts anhaben konnten. So, wie es sich für eine Göttin der Ewigkeit gehört.

Von Simon Benne

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