Klavierhaus Döll

„Viele lassen sich die Musik wieder etwas kosten“

Bernd Voorhamme und Ariane Jablonka – am weißen Steinway-Flügel der John-Lennon-Sonderedition.

Bernd Voorhamme und Ariane Jablonka – am weißen Steinway-Flügel der John-Lennon-Sonderedition.

Hannover. Es gibt viele Sorten von Klavierkäufern. Künstlertypen – knapp bei Kasse. Familien – in denen der Ehrgeiz der Eltern das Talent der Kinder bei Weitem überschreitet. Kenner und Aufschneider – dem einen ist der Klang, dem anderen die Farbe des Instruments wichtiger. Beim Klavierhaus Döll in Hannover – es feiert in diesen Tagen den 125. Jahrestag seiner Gründung – hat Ariane Jablonka beim Klavierverkauf schon so manches erlebt. Am meisten beeindruckt hat sie aber ein Mädchen, es war die Pianistin in seiner Familie, das ein Instrument gemeinsam mit seinem tauben Bruder aussuchte. Er lehnte sich an das Klavier, während die Schwester in die Tasten griff, und entschied, weil er ja nichts hören konnte, nach dem Gefühl der Vibration. „Wie die beiden am Klavier waren, das war einfach sehr, sehr schön“, erinnert sich Jablonka.

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20.000 Klaviere und Flügel werden zurzeit in Deutschland pro Jahr verkauft. Und – das registriert man bei Döll mit Freude –  es werden mehr. Vor allem die teureren Instrumente erleben einen Boom. Aber es ist ein bescheidener, wie die Zahl der zeitgleich in Deutschland verkauften elektrischen Pianos belegt: 90.000 sind es, und auch bei Döll werden sie den Kunden angeboten. Der Preis ist ein wichtiges Argument. Bei 700 Euro beginnt das Preisspektrum der Digitalpianos mit ihrem per Computer erzeugten Klang. Mindestens 3000 Euro muss jedoch anlegen, wer ein echtes Piano mit Holz und schwingenden Saiten erwerben will. Döll-Chef Bernd Voorhamme – er ist im Ehrenamt Vorsitzender der City-Gemeinschaft einflussreicher Kaufleute in Hannover – lässt indessen keinen Zweifel daran, dass sein Herz eher für das echte, das akustische und nicht so sehr das elektronische Instrument schlägt. Mag die Technik der künstlichen Klangerzeugung noch so gut sein, eins vermöge sie doch nie: „Das Gestalten des einzelnen Tons ist nur beim Klavier möglich“, erklärt Voorhamme, der das Klavierhaus seit 1971 leitet. „Das Produkt Klavier kann kaum mit Innovationen aufwarten. Die Unterschiede entstehen nur durch die Materialien und den Anteil von Handarbeit.“

Wahrscheinlich ist Voorhamme in seinem Urteil gnädig, wenn er auf die neuere Gerätegattung schaut: echte Klaviere oder Flügel, die zusätzlich über eine elektronische Klangerzeugung verfügen, mitsamt USB-Schittstelle zum Laptop oder Heimcomputer. Darauf kann man mit natürlichem Klang spielen oder eine Stummschaltung aktivieren und den eingebauten E-Piano-Sound auf den Kopfhörer legen – das freut die Nachbarn, sollten sie empfindlich sein. Solche Technik ist natürlich ein bisschen kostspieliger.

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Aber wer sich für ein Klavier und mehr noch für einen Flügel interessiert, sollte ohnehin keine Angst vor größeren Summen haben. Und das haben Kenner wohl auch nicht. „Viele Menschen lassen sich die Musik wieder etwas kosten“, heißt es im Hause Döll, wo es auch echte Luxusinstrumente gibt. Für einen Flügel der Nobelmarke Steinway & Sons sind das mindestens 57.960 Euro. Und für alle, die es sich leisten können, ist auch bei 140.000 Euro für einen Konzertflügel noch nicht Schluss. Oder wie wäre es damit: Das weiße Schmuckstück aus der limitierten John-Lennon-„Imagine“-Serie, die Steinway & Sons 2010 zum 70. Geburtstag des früheren Beatles aufgelegt hat – auf dem Notenpult prangt Lennons skizziertes Konterfei. Kostenpunkt 82.040 Euro. Solche Preise täuschen ein bisschen darüber hinweg, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Tasteninstrumente ausschließlich in den guten Stuben des gehobenen Bürgertums standen.

Das war 1887 anders, als sich der Klavierbauer Balthasar Döll in Halle an der Saale mutig selbstständig machte und sein erstes Geschäft eröffnete. Kundenverkehr gab es dort kaum. Klaviere waren seinerzeit Auftragsgegenstände, sie wurden nach Kundenwünschen gefertigt und ausgeliefert. Der Zweite Weltkrieg änderte alles: Die Teilung Deutschlands, die Enteignungswellen – Balthasars Enkel Alfred Döll verlor alles, aber nicht den Mut. Er ging nach Hamburg zu Steinway & Sons, arbeitete dort als Angestellter und traf dort den studierten Pianisten, Kaufmann und Direktionsassistenten Hans Ulrich Schmid. Sie freundeten sich an und entschlossen sich 1957 ein eigenes Geschäft zu eröffnen – in Hannover. Dort schien es noch Bedarf an einem Geschäft für Klaviere zu geben. „In der heutigen Warenannahme fingen sie an“, weiß Voorhamme. Zwei Klaviere, ein Cembalo und ein Transporter – das war ihr Anfangskapital.

Der Erfolg indes ließ das Klavierhaus Döll, wie es fortan hieß, schnell wachsen. „In der Nachkriegszeit war die Nachfrage nach Klavieren besonders groß“, sagt der Geschäftsführer. Aber auch Noten, Tonträger und historische Instrumente waren gefragt. Auch sie fanden sich bald im Programm des Zweimannunternehmens wieder, das inzwischen auch Gitarren, Flöten und andere Kleininstrumente umfasst.

Eine Tradition ist seit den Anfangstagen in Hannover bewahrt worden: Dölls Künstlerkonzerte. Die Besucher und Kunden sollten ein Gefühl für die Musik, für die verschiedenen Klangfarben der Instrumente bekommen, die sie kaufen sollten – also lud man bei Döll die Großen ein. Die Französin Hélène Grimaud war da, der Chinese Lang Lang, der Russe Gregory Sokolov und der Norweger Einar Steen-Nøkleberg, von 1975 bis 1981 Deutschlands jüngster Professor in Hannover – allesamt Stars ihres Genres. Und die Liste der prominenten Namen dürfte, sofern es mit dem Klavierverkauf weiter so aufwärtsgeht, in Zukunft noch um einiges länger werden.

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