Ausgezeichnet

Villa Seligmann gewinnt Bundesdenkmalpreis

„Eine der eindrucksvollsten Villen Hannovers“: Die Villa Seligmann in der Oststadt.

„Eine der eindrucksvollsten Villen Hannovers“: Die Villa Seligmann in der Oststadt.

Hannover. Am Mittwochabend gab es den Lohn für die jahrelangen Anstrengungen: Musikprofessor Andor Izsák und seine Mitstreiter von der Seligmann-Stiftung haben den ersten Preis im gemeinsamen Wettbewerb der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks entgegengenommen. „Eine der eindrucksvollsten Villen Hannovers“ sei „durch den Einsatz hochqualifizierter und engagierter Handwerker zu einer außergewöhnlichen Heimstatt für jüdische sakrale Musik“ geworden, urteilte die Jury in ihrer Laudatio.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Jedes Jahr wird der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege in zwei Bundesländern vergeben, 2012 sind Niedersachsen und das Saarland an der Reihe. In Niedersachsen teilt sich die Seligmann-Stiftung den ersten Preis mit der restaurierten Gutskapelle in Schnellenberg bei Lüneburg, für deren Restaurierung der Eigentümer Wasmuth von Meding ausgezeichnet wurde. Zudem wurden zwei dritte Preise nach Helpsen in Schaumburg und Badbergen bei Osnabrück sowie ein Sonderpreis nach Braunschweig vergeben.

Die hannoversche Seligmann-Stiftung erhielt für ihr Engagement zum Erhalt des Denkmals ein Preisgeld von 4500 Euro. Neun am Umbau beteiligte Handwerksbetriebe erhielten Ehrenurkunden, darunter die Tischlereien Helmich und Vollholz, Steinmetz Schmalstieg, Parkettleger Göhmann, Elektroinstallateur Macke und Maler Runge.

Das 1903 bis 1906 vom Architekten Hermann Schaedtler – er baute auch den Lister Turm und den Wasserturm an der Vahrenwalder Straße – errichtete Gebäude hatte dem Kommerzienrat und ersten  Continental-Generaldirektor Siegmund Seligmann gehört. Es war nach dessen Flucht aus Nazi-Deutschland und jahrzehntelanger Nutzung als städtische Musikschule aber „verschlissen und vernachlässigt“, wie die Jury um Rosemarie Wilcken, Vorstandsvorsitzende der Denkmalstiftung, und Handwerkspräsident Otto Kentzler in ihrer Beurteilung notierte. Umso höher sei zu würdigen, dass es bei der Restaurierung gelungen sei, „die handwerklichen Spitzenqualitäten des Baus durch erneute handwerkliche Qualität, behutsamen Umgang und eine unauffällige, dem Objekt angemessene, moderne Aufrüstung“ herauszuarbeiten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die vom Musikprofessor Andor Izsák initiierte Seligmann-Stiftung hat das Gebäude der Stadt abgekauft und darin das Europäische Zentrum für jüdische Musik (EZJM) eingerichtet. Das an die Musikhochschule Hannover angegliederte Institut bewahrt die Musik, die bis zum Holocaust in den Synagogen Europas erklang. Dort wird die Geschichte dieser Musik erforscht, dort werden immer wieder auch Konzerte gegeben. Drogerieunternehmer Dirk Roßmann und 96-Klubchef Martin Kind vom Vorstand der Stiftung nahmen den Preis gestern gemeinsam mit Vertretern der Handwerksbetriebe entgegen. Richtig voll wurde es dabei auf der Bühne. „Das sind ja viele Handwerker“, staunte Ministerpräsident David McAllister, der in seiner Festrede ein Loblied auf die Handwerkerschaft gehalten hatte. „Na klar“, antwortete Kind spontan: „Wir haben ja auch richtig viel Geld investiert.“

Mehr aus Hannover

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen