Prozess um Untreue

Wütender Möbelhauschef weist Untreue-Vorwürfe zurück

Foto: Wütender Zeuge: Uwe Klingenberg (r.) mit seinem Anwalt Matthias Steppuhn.

Wütender Zeuge: Uwe Klingenberg (r.) mit seinem Anwalt Matthias Steppuhn.

Hannover. Die Anklage legt der 56-jährigen Renate S. zur Last, mithilfe von fingierten Rechnungen rund 420.000 Euro von ihrem früheren Arbeitgeber abgezweigt zu haben. Die Angeklagte habe ihre Vertrauensstellung ausgenutzt und von 2007 bis 2009 Jahre hohe Beträge der GmbH auf ihr eigenes Konto transferiert, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Hannover. „Dazu bedurfte es einer erheblichen kriminellen Energie.“ Für „wenig glaubhaft“ hielt sie dagegen die Erklärung der Angeklagten, in der diese ihrerseits schwere Vorwürfe gegen Geschäftsführer Uwe Klingenberg erhoben hatte.

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Renate S. hatte am dritten Verhandlungstag überraschend über ihren Verteidiger Marcin Raminski verlesen lassen, Klingenberg habe sie zu den Manipulationen angestiftet. Als Grund gab sie an, dem Möbelhaus auf dem Expo-Gelände sei es damals nicht gut gegangen. Sie habe ihrem Chef das Geld bar auszahlen müssen, damit dieser seinen hohen Lebensstandard habe finanzieren können. Jede Überweisung habe von ihm genehmigt werden müssen. Raminski forderte einen Freispruch für seine Mandantin: „Die Einlassung müsste zumindest Zweifel geweckt haben.“

Uwe Klingenberg, der sich am Dienstag als Zeuge zu den Vorwürfen äußern sollte, konnte seine Wut kaum zügeln. „Sie hätte beinahe mein Unternehmen an die Wand gefahren“, sagte er in Richtung Anklagebank. „Und jetzt beschuldigt sie mich, ich hätte mein eigenes Geld geklaut - was für ein Unsinn.“ Klingenberg betonte, dass die Mitarbeiterin, die gut 14 Jahre für ihn tätig gewesen sei, selbstständig den kompletten Zahlungsverkehr getätigt habe. Er habe zwar seine Kontostände regelmäßig geprüft, aber die Überweisungen nicht nachverfolgt.

Eine Überraschung für Klingenberg war auch die Verlesung der Vorstrafen der vierfachen Mutter, die nach eigenen Angaben mittlerweile bei einem hannoverschen Unternehmen arbeitet, das unter anderem Hannover im Ausland präsentiert. Demzufolge ist S. bereits sechsmal zu Geldstrafen verurteilt worden - wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und Untreue. Für einen Teil der aktuellen Vorwürfe hatte die Angeklagte bereits ein Schuldanerkenntnis unterschrieben. Dabei geht es um Nebenkostenabrechnungen: Statt Forderungen des Vermieters zu begleichen, soll S. das Geld auf ihr eigenes Konto transferiert haben.

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Als sich der Vermieter beschwerte, habe er seine Mitarbeiterin noch mit der Suche nach dem Geld beauftragt, sagte Klingenberg. „Da habe ich den Dieb zum Detektiv gemacht.“ Vehement widersprach er der Darstellung von S., seinem Unternehmen sei es nicht gut gegangen - das Gegenteil sei der Fall. Er plane ein neues Bauprojekt in der Nachbarschaft, für das er derzeit mit Investoren im Gespräch sei. Allerdings hätten die Beschuldigungen seiner früheren Mitarbeiterin „in übelster Weise dem Geschäft geschadet“.

Die Kammer will ihr Urteil an diesem Mittwoch verkünden.

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