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Behandlungsfehler

Zahnarzt muss 120.000 Euro Schadensersatz zahlen

Foto: 12 Implantate falsch eingesetzt: Der umstrittene hannoversche Zahnarzt muss einer ehemaligen Patientin nach einer total misslungenen 120.000 Euro Schadensersatz zahlen.

Gutachter bescheinigt vor dem Landgericht Hannover den totalen Misserfolg der Behandlung: Zahnarzt Ralf L. muss 120.000 Euro Schadensersatz zahlen.

Hannover. Der hannoversche Zahnarzt Ralf L. hat zahlreiche Patienten unglücklich gemacht. Er beschäftigt die Justiz seit Jahren, hat schon so manchen Straf- und Zivilprozess verloren. Jetzt kommen einer ehemaligen Patientin 120.000 Euro Schadensersatz zugute: eine Summe, die selbst den ständig mit großen Beträgen jonglierenden Mediziner aus der List schmerzen dürfte.

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Die 46-jährige Biologin hat ein Jahre währendes Martyrium hinter sich, das seinesgleichen sucht. Im Juni 2004 bekam die Frau von L. zwölf Implantate eingesetzt, an einem einzigen Tag. Doch die Behandlung war, so erklärte 2014 ein gerichtlich bestellter Gutachter, „grob fehlerhaft“ und führte zu einem „totalen Misserfolg“. Die Konsequenzen musste die Patientin in mehr als 100 Folgesitzungen ertragen. Bis heute, so ihr Anwalt Malte Oehlschläger, leidet sie unter Schmerzen und einer Einschränkung ihres Geschmackssinns, an einer optischen Deformierung des Gesichts sowie Taubheitsgefühlen an Wange und Lippe. Die Implantate sind schon lange durch ein Gebiss mit Gaumenplatte ersetzt worden.

Die promovierte Biologin bekam die 120.000 Euro per Abfindungserklärung von einer Versicherung des Zahnmediziners zugestanden. 75.000 Euro waren auf Basis eines Schlichtungsgutachtens bereits vorgerichtlich gezahlt worden, dieser Tage wurde der abschließende Vergleich durch die Überweisung der restlichen 45.000 Euro besiegelt. Darin enthalten sind Schmerzensgeld, Verdienstausfall und diverse Nebenkosten. „Mehr als zehn Jahre nach dem groben Behandlungsfehler kann meine Mandantin endlich einen Schlussstrich ziehen“, erklärte Oehlschläger.

Gravierende Hygienemängel und unzureichende Nachsorge

Das Drama begann im Dezember 2003, damals wandte sich die Patientin mit ihren erheblich durch Karies geschädigten Zähnen erstmals an Ralf L. Doch die versuchte Sanierung ihres Gebisses, die der Lister Mediziner bis Mai 2005 betrieb, wurde zum Desaster. Insgesamt drei Gutachten bescheinigten dem Zahnarzt massive Behandlungsfehler. Ein von der 14. Zivilkammer des hannoverschen Landgerichts beauftragter Sachverständiger aus Berlin sprach schlussendlich von „fehlerhafter Planung“ und „unzureichender Vorbereitung“, von „gravierenden Hygienemängeln“, „fehlerhafter Operation“ und „unzureichender Nachsorge“.

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Folgen waren umfangreiche Zahn- und Implantatverluste sowie ein Loch zwischen Mund- und Kieferhöhle. Durch diese Öffnung quollen beim Essen immer wieder Speisebrei und Flüssigkeit aus der Nase; es dauerte bis 2012, bis dieses Loch geschlossen werden konnte. Fazit des Gutachters: Ralf L. habe „eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln verstoßen“. Medizinrechtler Oehlschläger nennt die drastische Kritik von insgesamt drei Sachverständigen „bemerkenswert“. Und er ergänzt: „Die Eindeutigkeit dieser Gutachten hat durchaus Seltenheitswert im Arzthaftungsrecht.“ Seine Mandantin ist inzwischen so weit genesen, dass sie wieder arbeiten kann. Zahnarzt L. bestreitet alle Vorwürfe.

Für Ralf L., dem Gutachter und Gerichte schon mehrfach Fehlbehandlungen nachwiesen, sind die Auseinandersetzungen mit der Justiz nach diesem Vergleich noch lange nicht beendet. Auf den Zahnarzt, der eine Patienteninitiative auf den Plan rief, über den bei der niedersächsischen Zahnärztekammer so viele Patientenbeschwerden eingegangen sind wie über keinen Kollegen und der bereits wegen Körperverletzung und Titelmissbrauch verurteilt wurde, kommt noch mehr zu.

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