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Rollende Behandlung

Zahnmobil wird mit Verdienstorden ausgezeichnet

Linden. Seit sechs Jahren rollt es durch Hannover und die Region und hat bereits 40 000 zusätzliche Kilometer auf dem Tacho. Das Zahnmobil, initiiert von Ingeburg und Werner Hanns Mannherz, kommt zu den Patienten, die sich entweder eine Zahnbehandlung nicht leisten können oder ganz andere Sorgen haben. Für ihr ehrenamtliches Engagement sind die Eheleute jetzt von Bürgermeister Thomas Hermann mit dem Niedersächsischen Verdienstorden ausgezeichnet worden.

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In einem Alter, in dem viele Senioren sich längst zur Renten-Ruhe gesetzt haben, hat das Ehepaar Mannherz in Linden-Mitte noch mal losgelegt. Die Zahnärztin und der Ingenieur haben mithilfe vieler Sponsoren und weiterer Ehrenamtlicher einen ausrangierten Rettungswagen zu einer mobilen Zahnarztpraxis umgebaut – inklusive digitalem Röntgengerät und klassischem Zahnarztstuhl. „Wir fahren durch die Stadt auf der Suche nach Obdachlosen, Flüchtlingen oder sozial Schwachen, die unsere Hilfe in Sachen Zahngesundheit benötigen“, betont Werner Hanns Mannherz. Zumeist ohne Krankenkassenkarte oder andere Versicherung. „Ich habe meine Frau beim Studium in Berlin kennengelernt“, erzählt der 80-Jährige. Man habe bescheiden gelebt damals. „Wir wissen, wie es ist, wenig Geld zu haben.“

Es sei auch Glück dabei gewesen, dass sie sich gut durchgeschlagen und beruflichen Erfolg gehabt hätten. „Aber wir sind vor allem menschlich geblieben, das ist uns wichtig“, sagt der Ingenieur.

Das Projekt sei vor sechs Jahren auf fruchtbaren Boden gestoßen. „Innerhalb von sechs Monaten hatten wir 92 000 Euro Startkapital“, so Ingeburg Mannherz. 3000 Patienten aus 28 Nationen haben bereits auf dem fahrenden Zahnarztstuhl gesessen. „Es ist eine tolle Arbeit“, betont die Zahnmedizinerin. Die Dankbarkeit dieser besonderen Patienten sei ein großes Geschenk, ergänzt ihr Mann. „Wir begegnen den Menschen auf Augenhöhe und mit Respekt, nie mit Mitleid.“ Es könne jemand noch so betrunken sein – wenn er als Mensch behandelt wird, sei es für ihn ein Geschenk, erklären die Eheleute.

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Werner Hanns Mannherz gerät richtig ins Schwärmen, wenn er von seinen Patienten spricht. „Es gibt so viele Schicksale, und es tut auch uns gut zuzuhören, diesen Menschen, die oft nur als störende Individuen hinterm Bahnhof empfunden werden.“ Die 79-jährige Ingeburg Mannherz ist zudem besonders stolz auf ihr Team. „Wir haben 30 junge Mitstreiter, die regelmäßig im Einsatz sind“, erklärt sie. Und alle würden nach der gleichen Devise helfen: „Nicht viel fragen, einfach machen.“

Von Susanna Bauch

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