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Barsinghausen

SPD fordert Pflege des jüdischen Friedhofes

Mitglieder der Stadt-SPD besichtigen den alten jüdischen Friedhof am Deisterrand.

Mitglieder der Stadt-SPD besichtigen den alten jüdischen Friedhof am Deisterrand.

Barsinghausen. In einem Gemeinschaftsprojekt haben die Stadt Barsinghausen, die Klosterkammer Hannover als Grundeigentümerin sowie der niedersächsische Landesverband der Jüdischen Gemeinden vor drei Jahren den alten jüdischen Friedhof am Deisterrand wieder als stillgelegte Begräbnisstätte hergestellt. Allerdings erobert sich die Natur mittlerweile Stück für Stück das Gelände zurück, denn Büsche und Sträucher wachsen nahezu ungehindert. Darum will die Stadt-SPD jetzt eine Lösung finden, um den Friedhof dauerhaft in einen würdigen Pflegezustand zu versetzen.

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„So kann es nicht bleiben. Der Friedhof wuchert immer mehr zu und verwildert wieder“, sagte der Ortsvereinsvorsitzende Reinhard Dobelmann. Zuständig für das Gelände sei der Landesverband der Jüdischen Gemeinden. In Absprache mit dem Landesverband solle die Stadtverwaltung anbieten, die Friedhofspflege an den kommunalen Baubetriebshof zu übertragen.

„Dann wären zum Beispiel einmal pro Quartal ein Grünschnitt und eine Säuberung gewährleistet. Davon würde der Friedhof als Gedenkstätte zweifellos profitieren“, betonte Dobelmann bei einer Besichtigung der Anlage mit dem ehemaligen Stadtarchivar Eckard Steigerwald und mit Bernd Steger, Geschäftsführer der Siegfried-Lehmann-Stiftung.

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Über mehrere Jahrzehnte hinweg war der alte jüdische Friedhof auf einem rund 900 Quadratmeter großen Waldstück westlich der Deisterstraße nahezu in Vergessenheit geraten. Erst die Kooperation von Stadt, Klosterkammer und Landesverband führte im Jahr 2015 zur Wiederherstellung der Friedhofsanlage.

Mitarbeiter der Barsinghäuser Beschäftigungs-Initiative (BBI) zäunten das Areal ein, die Klosterkammer ließ Bäume und Büsche beseitigen. Im Zentrum des Geländes steht seit Herbst 2015 auf Initiative des Landesverbandes jüdischer Gemeinden ein sogenanntes Lapidarium – eine Sandsteinmauer mit Bruchstücken alter Grabsteine. Auf der Frontseite steht in hebräischer Schrift: „Friede sei auf eurem Totenlager“.

Nach Angaben des ehemaligen Stadtarchivars Eckard Steigerwald unterhielt die ehemalige Synagogengemeinde Barsinghausen auf dem Waldstück am Deisterrand den ersten jüdischen Friedhof in der Gemeinde. Ein Vertrag mit der Klosterkammer regelte 1888 die dauerhafte Nutzung des Geländes als Grabstätte. Weil der damalige Landkreis im Jahr 1909 aus Gründen des Gewässerschutzes ein Verbot aussprach, wurde der Friedhof nach den beiden letzten Bestattungen im Jahr 1912 geschlossen.

In der Nacht vom 10. auf den 11. November 1938, einen Tag nach der Reichspogromnacht, wurde der Friedhof von Barsinghäusern zerstört. Sie zerschlugen die Gedenksteine und die Einfriedung. Nach 1939 wurde der Friedhof eingeebnet.

In den Jahren 1944 und 1945 gab es Planungen, sogenannte Behelfsheime als schlichte Wohnunterkünfte auf dem Gelände zu errichten. Anfang 1945 wurden mehrere Baugruben auf dem Areal ausgehoben. Erst im September 1945 beendete der neu eingesetzte Gemeindedirektor Wilhelm Heß das Vorhaben.

Von Frank Hermann

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