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Burgdorf

Furioser Start in die Konzertsaison

Amihai Grosz, Solo-Bratschist der Berliner Philharmoniker, und Pianist Saleem Ashkar sorgen im Saal des Burgdorfer Schlosses für mitreißenden Klangzauber.

Amihai Grosz, Solo-Bratschist der Berliner Philharmoniker, und Pianist Saleem Ashkar sorgen im Saal des Burgdorfer Schlosses für mitreißenden Klangzauber.

Burgdorf.Mit einem furiosen Abend hat am Sonntag die neue Saison der Burgdorfer Schlosskonzerte begonnen. "Schön, dass Sie uns über die Pause so treu geblieben sind", begrüßte Scena-Chef Matthias Schorr gut gelaunt und überaus charmant das erwartungsvolle Publikum im Saal des Burgdorfer Schlosses. "Wir sind den Berliner Philharmonikern ausgesprochen dankbar, dass sie heute nicht konzertieren – und wir uns somit ihren Solo-Bratschisten Amihai Grosz ausleihen können."

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Dieser entführte die Musikliebhaber gemeinsam mit dem Pianisten Saleem Ashkar in erfüllende und mitreißende Tonwelten. Barock, Romantik und auch Zeitgenössisches in aschkenasischer Tradition spielten beide auf unmittelbare, frische und doch so ergreifend-tiefgehende Weise. Nicht wie angekündigt mit Bachs Suite Nr. 1 für Viola solo, sondern mit dessen 1. Sonate in G-Dur, BWV 1027, eröffneten die Musiker den Konzertabend. Intim und frei von allem ideellen Ballast, mitunter geradezu heiter kam dieses viersätzige Stück daher. Und versprach einen unvergesslichen Abend, bei dem sich zwei ebenbürtige Musiker aufs Feinste ergänzten.

Ashkar mit seinem feinfühligen Sinn für das im Moment Nötige ließ die Klavierstimme grandios fließen. Dominant und fest ohne übertrieben zu wirken, leicht und transparent ohne ins Bedeutungslose abzugleiten: ein Meister der Balance. Ihm gegenüber Grosz, der mit seiner Gaspar-da-Salo-Bratsche von 1570 beseelt aufspielte, selbstbewusst aber frei von Geltungsdrang, souverän, ganz Sprachrohr der ihn und sein Instrument durchfließenden Stimmung. Wundervoll der langsame und elegische dritte Satz mit seinem lang gehaltenen Liegeton und der Wanderung durch die Tonarten. Diesen gab es auch noch einmal als Zugabe.

Ähnlich ergreifend: Ödön Pártos „Yiskor –in memoriam“. Dieses tongewordene Gebet, das der aus Budapest stammende Komponist 1947 in Gedenken an die Opfer des Holocaust verfasste, erinnert an die Klagepsalmen der Bibel. Klagen, auflehnen gegen das Schicksal, jammern, ergeben: All diese Stimmungen wechseln sich ab in dem trotz aller persönlichen Stimmungen sehr liturgischen Stück, das sich Strukturen und Sprache der Synagogalmusik der aschkenasischen Juden bedient.

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Klassisch-romantisch wurde es dann mit Schumanns Fantasiestücken und Johannes Brahms Sonate Nr. 1 für Viola und Klavier. Hier loteten Grosz und Ashkar alle Stimmungen aus. Fein abgestimmt, packend, doch ohne jemals zu überziehen. Stets blieb die Musik im Mittelpunkt – alle technische Finesse, alles solistische Können blieb Mittel und ordnete sich dem großen Ganzen unter. Tosender Applaus für einen wirklich gelungenen Abend.

Von Sandra Köhler

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