Burgdorf

Mittlere Wespen bauen wasserfeste Nester

Dieses Nest der Mittleren Wespe hängt in einem Birnbaum in Manfred Plates Garten. Zwischen 150 und 200 Tiere gehören zu einem Nest. Die vom Aussterben bedrohte Art ist ein angenehmer Nachbar: Denn die Leckereien der Menschen rühren sie nicht an.

Dieses Nest der Mittleren Wespe hängt in einem Birnbaum in Manfred Plates Garten. Zwischen 150 und 200 Tiere gehören zu einem Nest. Die vom Aussterben bedrohte Art ist ein angenehmer Nachbar: Denn die Leckereien der Menschen rühren sie nicht an.

Burgdorf. Ernst Schmidt, beim Naturschutzbund Burgdorf, Lehrte, Uetze der Fachmann für Wespen und Hornissen, hat die Tiere in Plates Garten als Mittlere Wespen identifiziert. „Sie ist die größte heimische Wespenart und wird im Volksmund auch Kleine Hornisse genannt“, sagt Schmidt. Sie ist die einzige, die ihr Nest im Freien baut. Alle anderen Wespenarten suchen sich regengeschützte und dunkle Plätze.

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Und das hat seinen Grund: Die Mittlere Wespen wählt als Baumaterial für ihre Nester frisches Holz, vorzugsweise von Pappeln. Zusammen mit dem Speichel der Insekten entsteht daraus ein wasserfeste Masse. Ihre Verwandten hingegen verarbeiten verwittertes Holz, dadurch würden sich ihre Nester bei Regen auflösen. Oft werden die etwa Fußball großen Nester der Mittleren Wespe laut Schmidt beim Heckenschneiden oder Beerenpflücken entdeckt – „wenn es zu spät ist“. Denn die Wespe könne genau unterscheiden, ob nur der Wind durch den Busch streicht und ihr Nest in leichte Schwingungen versetzt, oder ob es sich um ein mechanisches Wackeln handelt. „Dann wird im Nest Alarm ausgelöst und 150 kommen raus und greifen an“, beschreibt Schmidt. Dann hilft nur noch die Flucht.

Habe man das Nest hingegen rechtzeitig entdeckt und nähere sich ihm vorsichtig, ohne am Busch zu wackeln oder die Wespen, die ein- und ausfliegen, anzupusten, passiere nichts.

Die Mittlere Wespe steht seit 1984 auf der Roten Liste bedrohter Arten. Ihr Lebensraum sind Hecken und Büsche in Gärten und in der freien Landschaft. Sie ist zudem ein sehr verträglicher Nachbar: Denn anders als ihre Verwandten, die deutsche und die gemeine Wespe, verschmäht sie Bratwurst und Marmelade. Die Arbeiterinnen ernähren sich ausschließlich von Baumsäften. Für die Larven, aus denen die neuen Wespen schlüpfen, gehen die Arbeiterinnen auf Insektenjagd. Wissenschaftler haben beobachtet, dass 60 Wespen innerhalb einer Stunde rund 230 Fliegen fangen.

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Mitte August löst sich die Wespengemeinschaft im Nest auf. Die Arbeiterinnen und die alte Königin sterben. Die jungen, begatteten Königinnen fliegen aus. Um den Winter zu überstehen, suchen sie sich ein frostfreies, trockenes Plätzchen. Im nächsten Frühjahr bauen sie dann zunächst ein bescheidenes Nest, legen Eier in die Waben, aus denen nach fünf, sechs Wochen die erste Arbeiterinnengeneration schlüpft. Diese geht auf Futtersuche, vergrößert das Nest und kümmert sich um den Nachwuchs. Denn die Königin legt dann nur noch Eier. Die letzte Wespengeneration des Jahres wird anders gefüttert, sodass sich Königinnen und Drohen entwickeln – und es beginnt alles von vorn.

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