Großburgwedel

Endstation lag am Gasthaus Rust

Die Linie 17 hielt in Großburgwedel unter anderem vor dem damaligen Gasthaus Rust an der Von-Alten-Straße.

Die Linie 17 hielt in Großburgwedel unter anderem vor dem damaligen Gasthaus Rust an der Von-Alten-Straße.

Großburgwedel. Bis 1956 konnte man direkt von Großburgwedel nach Hannover mit der Straßenbahn fahren. Die Linie 17 war beliebt und nicht selten überfüllt. Welche sichtbaren Spuren hat das Straßenbahn-Zeitalter hinterlassen? Nicht viele, aber ein Haus mit direktem Bezug dazu gibt es noch in Großburgwedel. Es steht an der Pestalozzistraße und wurde lange von dem ehemaligen HAZ-Redakteur Karl Neitzke und seiner Familie bewohnt. Gebaut aber hat es 1911 August Söhlke. Der war bis 1942 Stationsvorsteher und hatte sein Betriebsbüro im Erdgeschoss, wo er nicht nur Fahrkarten verkaufte, sondern auch den umfangreichen Güterverkehr organisierte.

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Begonnen hatte alles im Oktober 1900. Vor der Molkerei Burgwedel erwarb die Hannoversche Straßenbahn zwei Morgen Land zur Errichtung eines Straßenbahn-Güterbahnhofs. Der genaue Verlauf der Gleise war bereits festgelegt, schon bald darauf wurde mit der Verlegung begonnen. In Großburgwedel ging es über die Hannoversche Straße, an der Von-Alten-Straße war vor der Gastwirtschaft Rust Endstation. Einen Abstecher zum Marktplatz gab es noch. Die Strecke verlief von Bothfeld über Isernhagens Dörfer nach Großburgwedel. Bereits am 20. Juli 1901 wurde die Straßenbahnlinie feierlich eingeweiht und gleichzeitig der Postkutschen-Verkehr eingestellt. Zwischen Planungsbeginn und Fertigstellung des Straßenbahnprojektes lagen nur drei Jahre - bei dem Tempo könnte sich mancher Planer und Bauer heutiger Großprojekte eine Scheibe abschneiden.

Das Haus des Stationsvorstehers August Söhlke und seiner Familie vor 100 Jahren

Das Haus des Stationsvorstehers August Söhlke und seiner Familie vor 100 Jahren

Gastwirt Rust war nicht nur ein bekannter, sondern auch ein geschäftstüchtiger Mann. „In korrekter Einschätzung seiner zukünftigen Bedeutung als Endhaltestellen-Lokal“, heißt es bei Christian Heppner in der Burgwedeler Chronik, stellte er ein Plakat auf: „Die Straßenbahn begrüßen heute in Großburgwedel alle Leute, besonders aber voller Lust freut sich der Gastwirt Louis Rust.“ Das Gasthaus Rust stand etwa in Höhe der heutigen Post.

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Mit der Straßenbahn war es erstmals möglich, an einem Tag nach Hannover und wieder zurück zu fahren. Ein enormer Fortschritt. Es wurde so ziemlich alles, was sich verladen ließ, transportiert. Güter waren das in Isernhagen abgebaute Raseneisenerz, Ziegel, Zuckerrüben und die Produkte der Molkerei Burgwedel. An den Markttagen in Hannover waren es die Bauern samt ihrer Waren, an den Wochenenden die Ausflügler, die aus Hannover zur Naherholung einfielen; unter der Woche die Schüler und Pendler in die Stadt, die die Straßenbahn füllten und oft genug überfüllten.

Im stündlichen Rhythmus benötigte die Bahn 70 Minuten bis zur Marktkirche in Hannover. Heute schafft man das mit dem Bus und zweimaligem Umsteigen in die Stadtbahn in 60 Minuten. Gefahren wird noch immer stündlich. Längst ist der Metronom da die schnellere Alternative im Nahverkehr.

So sieht es heute aus.

So sieht es heute aus.

Die Strecke wurde 1956 ab Fasanenkrug, damals die Stadtgrenze Hannovers, stillgelegt. Grund war ein verheerender Sommersturm am 25. August. Umstürzende Bäume zerschlugen die Oberleitungen, und im Zuge der zunehmenden Verbreitung des Autos in jener Zeit wurde beschlossen, die Straßenbahn durch Omnibusse zu ersetzen. Viele Kommunen, die ähnlich handelten, wären heute froh, sie hätten die gute, alte Straßenbahn belassen.

Von Jürgen Zimmer

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