Burgwedel

Feuerwehr Burgwedel kämpft für eine Drehleiter - Politik lehnt ab

Stadtbrandmeister Ingo Motl (Mitte) sprach von einer "Zumutung für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte", links Bürgermeister Axel Düker, rechs Motls Stellvertreter Dirk Hemmann.

Stadtbrandmeister Ingo Motl (Mitte) sprach von einer "Zumutung für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte", links Bürgermeister Axel Düker, rechs Motls Stellvertreter Dirk Hemmann.

Burgwedel. Burgwedel bekommt keine Drehleiter: Die CDU-/FDP-Gruppe hat am Dienstagabend im Feuerschutzausschuss die vom Stadtkommando der Feuerwehr beantragte und von der Stadtverwaltung befürwortete 700.000-Euro-Investition mit ihrer Mehrheit abgelehnt. In der kontroversen Beratung beharrte sie darauf, dass es ihr beim Nein nicht um Geld gehe, sondern um eine nüchterne Risikobewertung.

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Friedhelm Stein (WEB) hatte es gelassen ausgesprochen: „Das Gespenst der Drehleiter geht seit Jahren um.“ Nur hatte diesmal die Feuerwehrführung unter Ingo Motl zum allerersten Mal mit einem formellen Antrag echten Entscheidungsdruck auf die Politik ausgeübt – unter anderem gestützt auf die Aussage des Feuerwehrbedarfsplans, wonach die Einsatzfähigkeit der Burgwedeler Feuerwehr durch eine Drehleiter verbessert werde. Im für die Umsetzung des Bedarfsplans zuständigen Arbeitskreis, dem auch Vertreter der Fraktionen angehören, war kein einheitliches Votum zu dem Thema zustande gekommen.

24 Feuerwehrleute, darunter alle Ortsbrandmeister, lauschten im Amtshof der Aussprache. Eine Empfehlung für die Anschaffung einer Drehleiter könne er im Bedarfsplan nicht finden, sonst hätte die CDU/FDP-Gruppe dem zugestimmt, sagte Christian Büchtmann (CDU). Jürgen Schodder (CDU) zufolge haben die Risiken dank vorbeugenden Brandschutzes eher ab- als zugenommen. So seien in vielen (auch gewerblichen) Bauten Fluchttreppenhäuser eingebaut worden. Im Brandfall sei das viel effektiver als eine Rettung mithilfe einer Drehleiter. Zudem, so ergänzte CDU-Parteichef Rainer Fredermann, habe Burgwedel mittlerweile vier statt früher zwei Nachbarkommunen, die im Brandfall mit ihren Drehleitern „relativ schnell“ helfen könnten.

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Wenn es in Burgwedel brennt, könnten die Drehleitern aus Burgdorf, Altwarmbüchen, Langenhagen oder Mellendorf frühestens nach 17 Minuten vor Ort sein. „5 Minuten für die Disposition plus 8 bis 12 Minuten reine Fahrzeit, und dann muss noch angeleitert werden. Das ist eine riesige Menge Zeit“, hielt der Stadtbrandmeister dagegen. Mit der vorhandenen dreiteiligen Schiebeleiter könne kann man nur Menschen retten, die die Rettung aktiv unterstützen. Kinder, Kranke und Alte könnten auf der Strecke bleiben. Auch gegenüber den ehrenamtlichen Einsatzkräften empfand Motl die Ablehnung einer Drehleiter als Zumutung.Unterstützt wurde der Antrag des Stadtkommandos von Stephan Degenhardt. „Sie sollten nicht Geld sparen auf Kosten der Gefahr, dass die Rettung von Menschen nicht oder später möglich ist“, hielt der SPD-Mann der CDU-/FDP-Gruppe vor. Zudem verwies er darauf, dass eine Drehleiter auch die Gefahren für die Feuerwehreinsatzkräfte selbst minimiere. „Ein erhöhtes Risiko ist auf jeden Fall da, wenn wir keine haben“, fand auch Friedhelm Stein. Er bezeichnete die vorhandene Schiebeleiter als „Technik von gestern“.

Büchtmann: Neuer Standort für Gerätehaus in Großburgwedel

 Die personelle und materielle Mindestausstattung wird durch die Feuerwehrverordnung geregelt. Was aber konkret unter einer „leistungsfähigen Feuerwehr“ zu verstehen ist, das definiert der Gesetzgeber nicht. Der Feuerschutzausschuss des Burgwedeler Rates hat jetzt einen sogenannten Feuerschutzbedarfsplan „festgestellt“. Das vor einem Jahr von der Firma Forplan vorgestellte 140-seitige Papier soll für die nächsten fünf Jahre als fachlich fundierte Basis für Organisations-, Investitions- und Personalentscheidungen dienen. Und es legt als Selbstverpflichtung ein „Schutzziel“ fest: „Innerhalb von 8 Minuten nach Alarmierung durch die Leitstelle soll die erste Einheit mit einer Stärke von 9 Einsatzkräften am Einsatzort eintreffen. Dieses Ziel soll in mindestens 80 Prozent der Fälle erreicht werden.“

Wie weit Burgwedels Feuerwehr aktuell von diesem Ziel entfernt ist? Laut Bedarfsplan beträgt der Erreichungsgrad nur bei 41 Prozent, doch Stadtbrandmeister Ingo Motl zufolge ist die Quote nicht mehr aktuell. Alarmierung und Meldewege seien optimiert, die Parksituation insbesondere am Großburgwedeler Feuerwehrhaus verbessert worden. „Realistisch sind 70 Prozent“, sagte er, 2019 lägen dann verlässliche Zahlen vor.

Zur Umsetzung des Bedarfsplans wurden erste Empfehlungen beschlossen. So sollen künftig Großfahrzeuge in einem Turnus von 25 Jahren, Kleinfahrzeuge alle 15 Jahren ersetzt werden. Prioritäten, wann welches der fast allerorten beengten Feuerwehrhäuser saniert, erweitert oder ersetzt werden soll, wurden nicht festgelegt – auch weil die Stadtverwaltung erst 2019 wieder Planungskapazitäten frei hat und die Ortsbrandmeister noch einmal konsultiert werden sollen. Aus deren Sicht gehören die Gerätehäuser in Kleinburgwedel und Wettmar ganz oben auf die Agenda. Für Großburgwedel, so Christian Büchtmann (CDU), brauche man ein „Zukunftkonzept“ und einen ganz neuen Standort.

Von Martin Lauber

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