Wahl des Bürgermeisters in Burgwedel

Rückschlag für die Hoppenstedts

von links nach rechts: Hendrik Hoppenstedt, sein Vater Dietrich, Onkel Karsten sowie dessen Ehefrau Karola und Hendriks Bruder Björn.

Hendrik Hoppenstedt, sein Vater Dietrich, Onkel Karsten sowie dessen Ehefrau Karola und Hendriks Bruder Björn.

Burgwedel . Ein Hoppenstedt an der Spitze in Burgwedel hat Tradition: Erst Karsten, der von 1974 bis 2005 ehrenamtlicher Bürgermeister und außerdem zeitweise Landrat und Europaabgeordneter war. Dann sein Neffe Hendrik. Der Sohn des früheren Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Dietrich Hoppenstedt, löste seinen Onkel 2005 ab und wurde 2011 mit beeindruckenden 73 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Und weil es den Burgwedelern in all der Zeit im Großen und Ganzen gut gegangen ist, galt eigentlich als ausgemachte Sache, dass Hendriks Bruder Björn der nächste sein würde.

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Aber so kam es nicht.

Am 24. Februar wird der Sozialdemokrat Axel Düker als neuer Bürgermeister vereidigt. Am Montag schon absolvierte er seinen ersten Arbeitstag, ließ sich mit einer E-Mailadresse versorgen, gab erste Interviews und ging in die Amtsleiterrunde. „Ich bin angekommen“, sagte der 40-jährige EDV-Berater und bisherige SPD-Fraktionschef im Burgwedeler Rat danach, obwohl man beinahe sicher sein kann, dass er selbst sich noch an den Gedanken gewöhnen muss, tatsächlich der neue Verwaltungschef zu sein.

Derweil schüttelte man sich bei der CDU und begann zu resümieren, was man da angerichtet hatte. Denn auch Düker weiß: Diese Wahl hat nicht so sehr er gewonnen. Die CDU hat sie verloren. Die Wahl in Burgwedel, das manch Scherzbold gerne zu „Hoppenwedel“ machte, ist ein Lehrstück darüber, was Wähler, auch treue, sich gefallen lassen und was nicht.

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Ausgelöst hatte das Malheur die politische Lebensplanung von Dükers Vorgänger Hendrik Hoppenstedt. Nach seinem Erdrutschsieg 2011 wurde er lange Zeit als möglicher Kandidat für die Regionspräsidentenwahl in diesem Jahr gehandelt, denn dass das Rathaus in Burgwedel ihm über kurz oder lang zu klein sein würde, war vielen klar. Hoppenstedt aber entschied sich gegen ein Rennen gegen Amtsinhaber Hauke Jagau (SPD) und für eine Kandidatur für den Bundestag. Mit Hoppenstedts Umzug nach Berlin brauchte Burgwedel einen neuen Bürgermeister und die CDU einen Kandidaten. Einen, der eine mehr oder weniger sichere Sache übernehmen würde. Da traf es sich, dass Hoppenstedt einen Bruder hat. Björn, von Beruf Erster Kreisrat für Bauen und Umwelt des Landkreises Harburg, hatte Interesse an der Kandidatur.

Von nun an aber holperte es. Denn die Burgwedeler CDU wollte nicht so, wie die Hoppenstedts wollten. Stattdessen wählten sie im ersten Anlauf den Wettmarer Michael Kranz zum Kandidaten. Es seien, hieß es hinterher, vielleicht zu wenige aus dem Hoppenstedt-Lager zur Abstimmung erschienen – die Sache schien zu klar. Ein Zufall und eine Änderung im Regelwerk brachten es mit sich, dass die Wahl wiederholt werden musste. Und statt das Ergebnis einfach zu bestätigen, sammelten sich die Hoppenstedt-Anhänger und nutzten die Gunst der Stunde, ihren Fauxpas zu korrigieren.

„Jede Personenwahl hat ihre speziellen Bedingungen.“

Von nun an kam die Burgwedeler CDU nicht mehr zur Ruhe. Die Christdemokraten aus Wettmar weigerten sich, den eigenen Kandidaten zu unterstützen, sodass der bedauernswerte Björn Hoppenstedt Wahlkampf nicht nur gegen den politischen Gegner, sondern auch gegen die eigenen Parteifreunde machen musste. Von nun an diskutierte kaum jemand darüber, ob Björn Hoppenstedt ein guter Bürgermeister sein würde, sondern nur, ob seine Kandidatur nicht irgendwie moralisch verwerflich sei. So lange, bis es schief ging. „Wir hatten am Wahlabend eine schöne Feier – mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagte Klaus Sommer, CDU-Chef in Wettmar. „Wir sollen ja schuld sein an allem. Aber wenn man sieht, dass die CDU fast überall verloren hat, kann unser Ortsverband Wettmar wohl nicht so falsch gelegen haben.“

Mit zwei lachenden Augen verfolgte die SPD unterdessen den Wahlabend. Sie sieht sich in diesem Jahr noch weiteren Bürgermeisterwahlen gegenüber und Ende Mai auch der Wahl des Regionspräsidenten. Amtsinhaber Hauke Jagau sieht in dem Burgwedeler Ergebnis denn auch einen „grandiosen Erfolg“ und „Rückenwind“ für sein Duell mit CDU-Herausforderer Axel Brockmann. Der wiederum gab zu Protokoll, „nicht beunruhigt“ zu sein. Schließlich gehe es in der Region um ganz andere Themen als in Burgwedel. Müll, Klinikum, Berufsschulen.

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Aber Jagau sagt auch: „Jede Personenwahl hat ihre speziellen Bedingungen.“ Das galt schon immer ganz besonders für Burgwedel.

Felix Harbart / Martin Lauber

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