Burgwedel

Zittern am Würmsee hat ein Ende

Burgwedel. „Keine Zauberlösung, die alle Probleme in Luft auflöst, aber ein guter Kompromiss“: So charakterisierte am treffendsten Bürgermeister-Stellvertreter Heinz Visel (Grüne) im Planungs- und Tiefbauausschuss die einstimmig empfohlene Neufassung des Bebauungsplans „Würmsee“, die den Anwohnern wieder eine Perspektive gibt.

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Kernstück ist eine großzügigere Auswohnregelung als bisher diskutiert, die für das Gros der Seeanrainer aus illegalem legales Dauerwohnen im Wochenendhausgebiet machen soll. Immerhin sind 64 Adressen dort als Hauptwohnsitz registriert. Alle Grundeigentümer, die am Stichtag 1. April 2012 am Würmsee wohnten (und nicht nur die über 65-Jährigen), sollen nunmehr bis zum Lebensende bleiben dürfen. Dasselbe gilt im günstigsten Fall auch für Erbbaurechtsnehmer und Pächter, je nach Laufzeit ihres Erbbaurechts- oder Pachtvertrags. Zumindest können sie sich auf eine Basiswohnfrist von fünf Jahren ab Gültigkeit des Bebauungsplans verlassen. Mietern bleiben von diesem Zeitpunkt an maximal fünf Jahre, sich eine neue Wohnung zu suchen. Generell soll gelten: Durch Auszug, Verkauf oder Abmeldung enden die Auswohnfristen vorher.

Schon vor der letzten B-Plan-Änderung vor mehr als 20 Jahren gab es im Wochenendhausgebiet Wildwuchs weit jenseits der zulässigen Grund- und Geschossfläche von 60 Quadratmetern. Von den insgesamt 56 Häusern überschreiten nur 15 nicht dieses Limit. Stadt und Region sind nun bereit, mit einem 50-prozentigen Zuschlag bis zu 90 Quadratmeter große Häuser zu legalisieren. Sogar darüber hinaus soll unter gewissen Voraussetzungen ein geringfügiges Mehr an Grundfläche toleriert werden. Was aber über 100 Quadratmeter hinausgeht, muss aufs festgesetzte Höchstmaß zurückgebaut werden. Betroffen sind dem Vernehmen nach 20 Gebäude. Anders als in der Vergangenheit verpflichten sich Stadt und Region, durch regelmäßige Kontrollen sicherzustellen, dass Verfügungen und B-Plan-Festsetzungen am Würmsee auch wirklich umgesetzt werden.

„Ein vorzeigbarer Spagat“

Bürgermeister Axel Düker sowie Bau- und Umweltdezernent Axel Priebs von der Region, die im Amtshof diese ausgehandelten Eckpunkte für die B-Plan-Änderung gemeinsam vorstellten, bekamen für diesen „vorzeigbaren Spagat“ (Priebs) bis an die Grenzen des baurechtlich Machbaren und für ihre „partnerschaftliche Zusammenarbeit“ (Düker) Applaus und auch manches Dankeschön von Würmsee-Anwohnern zu hören. Nach dem einstimmigen Votum für den neuen B-Plan fehlt jetzt noch die Zustimmung von Verwaltungsausschuss und Rat.

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Ein Risiko bleibt aber noch auf dem Weg, Gesetz und Wirklichkeit am Würmsee nach Jahrzehnten in Einklang zu bringen, darauf wies Teamleiter Peter Hansen von der Region hin: Das wären potenzielle gerichtliche Auseinandersetzungen über den B-Plan - etwa gegen eine Rückbauverfügung. Sollte der gefundene Kompromiss juristisch gekippt werden, würde laut Hansen wieder der ursprüngliche Bebauungsplan „mit allen Konsequenzen“ gelten, sprich: Dauerwohnen im Wochenendhausgebiet bliebe illegal und müsste abgestellt werden. Gebäude über 60 Quadratmeter müssten abgerissen oder zurückgebaut werden.

Das Zittern hat ein Ende

Jutta Borgolte und Barbara Pahl nehmen sich nach der Ausschusssitzung erleichtert in den Arm. Ein Dauerwohnrecht nur für Ältere ab 65 Jahren, wie ursprünglich vorgesehen – das hätte für sie und viele Nachbarn das Aus ihrer finanziellen Existenz bedeutet. Aus ihren mit Krediten belasteten Häusern hätten viele ausziehen und andernorts Miete zahlen müssen: „Das wäre nicht zu schaffen gewesen.“ Die Angst davor habe, seit die Region im Frühjahr 2012 Haus für Haus nachgemessen hat, vielen schlaflose Nächte bereitet – und mehr: Von Schlaganfällen berichtet Borgolte, Pahl sagt sogar: „Wir haben alle wahnsinnig gelitten. Es gibt keinen ohne körperliche Ausfälle.“ Für die großzügigere Auswohnregelung sind beide der Stadt und der Region und namentlich Axel Priebs und Axel Dünkbar dankbar. Unter den Politikern, die während der „schweren Zeit“ die Anlieger persönlich konsultierten, hätten sie besonders Vize-Bürgermeister Heinz Visel schätzen gelernt: Der Grüne habe sich ihrer Probleme besonders intensiv angenommen. So kommt es, dass während der Ausschusssitzung sechs Zuhörer ein grünes T-Shirts mit Visels Namen darauf trugen. Vor einem haben die Würmsee-Anwohnerinnen aber weiter Angst: „Eine Klage wäre dramatisch.“

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