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Garbsen

So konserviert das Stadtarchiv alte Dokumente

Heinz Landers, Vorsitzender des Stadtarchiv-Vereins, Dezernentin Monika Probst und Stadtarchivarin Rose Scholl (rechts) zeigen alte Dokumente.

Heinz Landers, Vorsitzender des Stadtarchiv-Vereins, Dezernentin Monika Probst und Stadtarchivarin Rose Scholl (rechts) zeigen alte Dokumente.

Horst. Unterlagen aus der Nachkriegszeit, alte Gemeinderatsprotokolle, Personenstandsunterlagen, Unterlagen zu Liegenschaften und Grundstücken sowie alte Zeitungsseiten – all diese alten Schätze liegen im Stadtarchiv Garbsen und sind in Gefahr, wenn sie nicht konserviert werden. Denn die Dokumente sind auf Papier gedruckt, das aus Holzfasern und Alaun besteht. Das ist seit 1850, seitdem das Papier industriell hergestellt wird, sehr verbreitet.

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Daher befasst sich das Stadtarchiv bereits seit vielen Jahren mit der Konservierung von Dokumenten. Zeitungsseiten können vergilben und zerfallen, daher werden sie digitalisiert. Dokumente aus der Zeit nach 1850 müssen in einem bestimmten Verfahren entsäuert werden – die Stadt zahlt für den aufwendigen Prozess. „Die Säure muss neutralisiert, das Papier nachgeleimt werden“, sagt Archivarin Rose Scholl. Das geschieht im sogenannten Bückeburger Konservierungsverfahren. „Das ist wie eine Papierwaschmaschine“, macht Scholl deutlich.

Zeitungsseiten sind digitalisiert

330 Kilo an Material ist bereits entsäuert worden, in diesem Jahr kommen nochmal 60 Kilo dazu. „Das wird aus dem Haushalt der Stadt finanziert“, sagt Dezernentin Monika Probst, die auch für Kultur zuständig ist. „Wenn wir nicht aufpassen, dann haben wir irgendwann gar nichts mehr“, sagt Scholl. Sie ärgert sich, das es in Niedersachsen kein Landesprogramm zur Erhaltung schriftlichen Kulturgutes gibt wie es in Nordrhein-Westfalen der Fall ist.

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Ausstellung „Papier ist nicht geduldig“

Um die Erhaltung von altem Schriftgut und Grafik dreht sich eine Ausstellung mit dem Titel „Papier ist nicht geduldig“, die der Stadtarchiv-Verein nach Garbsen holt. Sie wird am Donnerstag, 6. September, um 17.30 Uhr im Rathaus mit einem Vortrag eröffnet. Oliver Zinn, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Sicherung von schriftlichem Kulturgut spricht zum Thema „Vom Hadernpapier bis zum Bitstream“. Darin geht er der Frage nach, wie sich schriftliches Kulturgut in der heutigen Zeit erhalten, sichern und entschlüsseln lässt.

Auf den elf Schautafeln der Wanderausstellung geht es um die Themen Schäden und ihre Ursachen, Anforderungen an die Konservierung, die Restaurierung von Papier, Pergament und Siegeln, Einbänden und Akten. Weiterhin geht es um die Erhaltung von Fotografie sowie die Vorstellung des Arbeitskreises. Ziel der Schau ist, auf verständliche Weise das Bewusstsein für die Bedeutung der Erhaltung von Schriftgut zu fördern. Das möchten auch das Stadtarchiv und der Förderverein erreichen. Die Ausstellung „Papier ist nicht geduldig“ ist von Freitag, 7. September, bis Freitag, 28. September, zu den Öffnungszeiten im Rathaus zu sehen. aln

Die größten Feinde des Papiers sind Wasser, Feuer, Nagetiere, Rost und eben – Säure. Bei alten Dokumenten ist das anders, weil sie aus anderem Material sind wie beispielsweise Leinenlumpen. Scholl präsentiert einen Ehestiftungskontrakt von 1761 mit zwei kleinen Löchern, die ein Wurm verursacht hat. Ansonsten ist das Dokument aber stabil. Zeitungen könnten regelrecht zerfasern, daher werden sie digitalisiert. Besucher des Stadtarchivs können sie am Computer einsehen. „Wir haben mehr als 100.000 Sachen digital und etwa 95.000 Stücke analog“, schätzt die Archivarin.

Originale sollen erhalten werden

Ziel des Stadtarchivs ist, mindestens 25 Kilogramm der Schriften pro Jahr zu entsäuern. Es gibt nur etwa drei Firmen in Deutschland, die sich darauf spezialisiert haben. Eine von ihnen ist die Gesellschaft zur Sicherung von schriftlichem Kulturgut in Pulheim bei Köln. Sie bietet sowohl das Erstellen von Mikrofilmen als auch Digitalisierung und die Entsäuerung von Einzelblättern und gebundenen Archivalien aus einer Hand an. Damit sollen Originale für die Nachwelt erhalten werden.

Von Anke Lütjens

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