Wilkenburg

Chemiestudent untersucht Funde des Römerlagers

Bei der Verteidigung seiner Bachelorarbeit wurde Jens Kummerfeldt (von links) von Professor Franz Renz und Robert Lehmann auf Herz und Nieren geprüft.

Bei der Verteidigung seiner Bachelorarbeit wurde Jens Kummerfeldt (von links) von Professor Franz Renz und Robert Lehmann auf Herz und Nieren geprüft.

Wilkenburg. Premiere im Römerlager in Wilkenburg: Zum ersten Mal fand dort die universitäre Verteidigung einer Bachelorarbeit unter freiem Himmel statt. Jens Kummerfeldt hatte eine 170 Seiten starke Arbeit verfasst, in der er 164 Funde aus dem Römerlager, die ihm das Landesamt für Denkmalpflege zur Verfügung gestellt hatte, mit Hilfe modernster Technik analysiert hat.

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„Die Bachelorarbeit, die später auch auf unserer Homepage nachzulesen sein wird, hat dazu beigetragen, eine Art Fingerabdruck des Römerlagers über die Lebensgewohnheiten der Legionen vor mehr als 2000 Jahren anzufertigen“, sagt Robert Lehmann. Der Beauftragte für wissenschaftliche Kooperation der Römer Arbeitsgemeinschaft (AG) Leine führte die Prüfung zusammen mit Professor Franz Renz von der Leibniz Universität Hannover durch und hatte als praktizierender Chemiker ein paar ganz spezielle Fragen an den Prüfling. Rund 40 Besucher hatten sich an der Infohütte an der „Dicken Riede“ in Hemmingen eingefunden, darunter Archäologen, Vertreter der Universität und einige Kommilitonen und Historikerin Karola Hagemann.

Messing, Bronze, Blei und Gold spielten eine wesentliche Rolle in der Arbeit Kummerfeldts. Untersucht hat er aber auch Form, Länge und Gewicht der Fundstücke, zu denen Schmuck, Gebrauchsgegenstände und Waffen gehören. Nur zwei bis drei Offiziere seien damals jeweils rund 80 römischen Soldaten zugeordnet gewesen, ergaben seine Forschungen. Untersucht hat Kummerfeldt die Fundstücke zum Teil mit Röntgenstrahlen, aber auch mithilfe chemischer Analysen. Die Ausstattung der Ausrüstung lasse den Schluss zu, dass die Offiziere wohl rund das Hundertfache der einfachen Soldaten verdienten.

Die wissenschaftliche Arbeit von Jens Kummerfeldt erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn mit 164 Stücken hatte er nur einen Bruchteil der bisher 2700 Funde untersuchen und beurteilen können. Trotzdem hat der Bachelor-Absolvent einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet, Licht in die Vergangenheit des römischen Lagers zur Zeit von Christi Geburt in Wilkenburg zu bringen.

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Das Wort „Bachelor“ lässt sich übrigens auf das lateinische Wort „Bakkalaureus“ zurückführen, was so viel wie „mit Lorbeeren gekrönt“ bedeutet. Lorbeeren gab es nicht zum Abschluss der Prüfung, aber lebhafte Diskussionen, kaltes Bier aus Kühltaschen und frisches Fleisch vom Grill, den die alten Römer in dieser Form auch noch nicht gekannt haben.

Von Achim von Lüderitz

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