Unterkunft

Flüchtlinge in Hemmingen ziehen in Wohncontainer um

Die neue Anlage: Die Wohncontainer sollen mehr Platz und Komfort bieten als das umgebaute frühere Bürogebäude.

Die neue Anlage: Die Wohncontainer sollen mehr Platz und Komfort bieten als das umgebaute frühere Bürogebäude.

Hemmingen. Seit dem 1. Juli sind die ersten der neuen Containerwohnungen der Stadt Hemmingen an der Heinrich-Hertz-Straße bezugsfertig. Zu Beginn der nächsten Woche startet nun der lang geplante Umzug der rund 50 Flüchtlinge, vor allem Familien. Bislang waren sie in der nur wenige Meter entfernten Gemeinschaftsunterkunft untergebracht. 30 alleinstehende Männer verbleiben vorerst in der Gemeinschaftsunterkunft.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das fünfgeschossige Bürogebäude hatte die Stadt im Jahr 2015 gekauft, zu einem Wohnbereich umgebaut und Ende 2016 eröffnet. Axel Schedler, Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung, sagt: "Dadurch konnte zu Zeiten der damaligen Flüchtlingswelle aus Syrien vermieden werden, die Menschen in Turnhallen oder Zelten unterbringen zu müssen." Bürgermeister Jan Dingeldey (CDU) zeigt sich überzeugt: "Die Wohncontainer werden die Wohnqualität der Flüchtlinge im Vergleich zu der Gemeinschaftsunterkunft erheblich verbessern." In der Gemeinschaftsunterkunft gibt es nur eine zentrale Küche pro Etage und auch nur gemeinsam nutzbare Sanitäreinrichtungen wie Duschen im Keller. Im Sommer 2021 hatte der Rat die Anschaffung von Wohncontainern befürwortet.

Stadt stellt Wohncontainer für Flüchtlinge auf

Dazu hat die Stadt Hemmingen bereits im vergangenen Jahr für 1,75 Millionen Euro von der Stadt Wunstorf insgesamt 93 ungenutzte Container gekauft. Am 1. April 2022 wurden diese bei dichtem Schneetreiben aufgestellt. Von den zu 16 doppelstöckigen Objekten zusammen montierten Einheiten sind nun die drei Wohnblöcke für jeweils bis zu 60 Bewohner bezugsfertig. "Zwei Wohneinheiten sind für bis zu sechs Personen gedacht, sechs weitere Wohneinheiten für jeweils acht Personen vorgesehen", sagt Susanne Giese von der Abteilung Jugend, Soziale Dienste und Senioren.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die bis zu 57 Quadratmeter großen Wohneinheiten aus Metall verfügen über drei oder vier Wohn- und Schlafräume – je nachdem, ob nun bis zu sechs oder acht Menschen hier wohnen. Zudem gibt es zahlreiche Fenster, eine eigene Küche mit kleinem Gemeinschaftskühlschrank sowie zwei WC/Duschbäder mitsamt Waschmaschine und Wäschetrockner. In den Wohn- und Schlafräumen befinden sich zudem jeweils sieben Steckdosen für den persönlichen Bedarf ihrer Bewohner.

Hof an Heinrich-Hertz-Straße soll zum Schluss gestaltet werden

Dilsad Yaylim von der Abteilung Gebäudewirtschaft sagt: „Bei der Belegung wird darauf geachtet, die Wohneinheiten auf die jeweilige Familiengröße – die durchaus schon mal acht Personen ausmacht – abzustimmen.“ Ziehen mehrere Gruppen in eine Wohneinheit, werden die Privaträume mit einem eigenen Schloss versehen.

Blick in die Container: Die Heizungsanlage führt ins frühere Bürogebäude.

Blick in die Container: Die Heizungsanlage führt ins frühere Bürogebäude.

Giese erklärt: „Zwei Familien mit insgesamt zehn Personen verbleiben noch bis August in der Gemeinschaftsunterkunft, weil sie dann direkt in zwei Wohnungen in Arnum und Hemmingen-Westerfeld umziehen, die die Stadt für sie gefunden hat.“ Voraussichtlich Anfang September werden dann die nächsten drei Wohnblöcke bezugsfertig sein. Lieferschwierigkeiten bei Elektronik-Komponenten verzögern hierfür die Arbeiten. 400.000 Euro kalkuliert die Verwaltung für die Einrichtung, den Anschluss an die Abwasserkanäle, die Leitungen zur Heizzentrale im Bürohaus und für die Gestaltung des Hofbereiches. Letzteres werde jedoch – wie bei allen Bauarbeiten – erst zum Schluss erfolgen. So sollen dort ein bereits früher auf dem Hof stehender Holzpavillon sowie Tische, Bänke und Sonnenschirme aufgestellt werden.

Die Gesamtfinanzierung des Projektes in Höhe von 2,15 Millionen Euro erfolgt seitens der Stadt über ein Darlehen. Zur Betreuung der Flüchtlinge ist weiterhin ein Rund-um-die-Uhr-Sicherheitsdienst im Einsatz, ebenso wie ein DRK-Notdienst und ein Hausmeister. Von montags bis freitags sind mit 2,5 Stellen zudem Mitarbeiter des Rathauses in den Räumen der Gemeinschaftsunterkunft.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Stadt erwägt Sanierung der Gemeinschaftsunterkunft

Die Stadt erwägt, die Gemeinschaftsunterkunft, die nun für Sozialarbeit und Bürotätigkeiten genutzt werden soll, stufenweise zu sanieren. Schedler sagt: „Nach sechsjähriger Nutzung als Unterkunft wären da für die Zimmer, Flure und Küche wohl einige Arbeiten notwendig.“ Damit erhalte sich die Stadt die Option, bei steigender Flüchtlingszahl in den nächsten Monaten oder Jahren über Räume zu verfügen.

Besichtigung vor dem Umzugstermin: Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Ratsmitglieder sehen sich die Wohncontainer an.

Besichtigung vor dem Umzugstermin: Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Ratsmitglieder sehen sich die Wohncontainer an.

Aus der Ukraine sind zurzeit nur drei Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft. 127 weitere Ukrainer sind laut Dingeldey privat untergebracht, darunter 30 Kinder und Jugendliche. Seit Ausbruch des Krieges im Februar haben insgesamt 162 Flüchtlinge aus der Ukraine bei der Stadt Hemmingen Leistungen beantragt. Die derzeitigen Bewohner in der Gemeinschaftsunterkunft kommen vorwiegend aus Syrien, Irak und Afghanistan. Die weiteren stammen aus Armenien, Georgien, Ghana, Guinea und Kolumbien, dem Libanon, dem Sudan und aus der Türkei.

Von Torsten Lippelt

Mehr aus Hemmingen

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen