Brandanschlag in Hemmingen

Mahnwache gegen Antisemitismus: 400 Menschen setzen ein Zeichen

Mehr als 400 Menschen nehmen am Donnerstagabend am Rathausplatz an der halbstündigen Mahnwache gegen Antisemitismus und Diskriminierung teil.

Mehr als 400 Menschen nehmen am Donnerstagabend am Rathausplatz an der halbstündigen Mahnwache gegen Antisemitismus und Diskriminierung teil.

Hemmingen. Mehr als 400 Menschen aus Hemmingen und den Nachbarkommunen haben am Donnerstagabend ein Zeichen gegen Antisemitismus und Diskriminierung gesetzt: Mit einer gemeinsamen, etwa halbstündigen Mahnwache am Rathausplatz in Hemmingen-Westerfeld haben sie gezeigt, „dass wir wachsam sind und so etwas nicht zulassen“, formulierte die Mahnwachen-Organisatorin Marianna Knorr-Binder per Megaphon die Kernaussage.

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Brandanschlag auf Haus in Hemmingen

Anlass war ein Brandanschlag in der Nacht zum 19. Mai 2019 auf das Haus eines jüdischen Ehepaares in Hemmingen, bei dem die Fußmatte angezündet, die Haustür dadurch beschädigt und die Fassade zudem per Sprayfarbe mit dem Wort „Jude“ beschmiert worden war.

Die Hemminger Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Amnesty International um Marianna Knorr-Binder hatten deshalb als Zeichen gegen Diskriminierung und Rassismus und für Toleranz – zufällig passend am Tag des 70. Geburtstages des Grundgesetzes – zu dieser Mahnwache eingeladen.

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Nach kurzen, mahnenden Worten von Marianna Knorr-Binder per Megaphon - zugunsten einer toleranten Gesellschaft, mit Religionsfreiheit und ohne Diskriminierung - nutzten die Teilnehmer die folgenden 30 Minuten für Gespräche untereinander. Sie zeigten Plakate und Transparente, entzündeten Kerzen und Teelichter und sangen in Gruppen zusammen auch das Protest-Gospellied „We shall overcome“.

„Omas gegen rechts“ nehmen an Mahnwache teil

„Wir wollen mit dieser Mahnwache ein Zeichen setzen“, betonte die Hannoveranerin Uta Saenger, warum sie mit mehr als 50 weiteren Frauen und zahlreichen Protestschildern „Omas gegen rechts“ auf dem Rathausplatz dabei war. „Unsere noch junge Organisation mit etwa 200 Mitgliedern wollte eigentlich selbst eine Mahnwache organisieren. Doch die Hemminger Amnesty-Aktiven waren schneller – da haben wir uns angeschlossen“, sagte Saenger, die selbst bei der Menschenrechtsorganisation aktiv ist. Wenige Meter weiter stand die Gastronomin Kerstin Ossevorth vom Alten Schulhaus im Alten Dorf in Hemmingen-Westerfeld, die mit zehn Frauen ihres Häkel- und Strickkurses gekommen war. „Wir müssen alle aufstehen gegen rechts“, begründete sie die Teilnahme ihrer Gruppe. Das Gruppenmitglied Catharina Wandel erklärte ihren Antrieb zum Mitmachen so: „Meinen Kindern erkläre ich, dass wir alle gleichwertig sind, jeder darf denken und daran glauben, an was er möchte.“

Die Hiddestorferin Waltraud Passoter kam mit ihrem Ehemann Werner zum Rathausplatz. „Ich war schockiert von dem Anschlag“, sagte sie. „Wir müssen Gesicht zeigen, dass das von uns nicht akzeptiert werden kann und wir klar dagegen sind.“

Von Torsten Lippelt

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