Isernhagen

Museum erinnert an fast vergessene Bodenschätze

Klaus Ahrens hockt neben dem Rennofen, den er gemeinsam mit Rüdiger Wert für die Ausstellung gebaut hat.

Klaus Ahrens hockt neben dem Rennofen, den er gemeinsam mit Rüdiger Wert für die Ausstellung gebaut hat.

Isernhagen N.B. „Was die Erde hergab“ hat der Verein Nordhannoversches Bauernhaus-Museum seine spannende neue Sonderausstellung betitelt, die am Sonntag, 6. Mai, um 11.30 Uhr eröffnet wird. Obwohl die Landwirtschaft früher noch mehr als heute in Isernhagen einen hohen Stellenwert genoss: Feldfrüchte wie Kartoffeln und Getreide sind damit nicht gemeint. Stattdessen geht es um die Bodenschätze Erdöl, Ton und Lehm sowie Raseneisenstein, der heute noch viele historische Gebäude in Isernhagen und Umgebung ziert.

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Historischen Ofen nachgebaut

Bereits im Winter hatten Klaus Ahrens und Rüdiger Wert mit dem Nachbau eines sogenannten Rennofens begonnen, zunächst im museumseigenen Backhaus. Als der Nachbau in die Höhe wuchs und immer schwerer wurde, wuchteten sie den Ofen mittels eines Hubwagens auf seinen endgültigen Standort auf dem Freigelände und bauten ihn dort fertig. In solchen Öfen wurde seit dem Mittelalter Raseneisenstein verhüttet, wie er sich beispielsweise zwischen Isernhagen N.B. und dem heutigen hannoverschen Stadtteil Isernhagen-Süd fand. Dort zogen die Straßenbahnen der Linie 17, die von 1901 bis 1956 zwischen Bothfeld und Großburgwedel verkehrten, zeitweise sogar Güterwaggons mit dem gewonnenen Bodenschatz hinter sich her.

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Für die Verhüttung wurde das erzhaltige Material im Ofeninnern in wechselnden Schichten mit Holzkohle aufgetürmt. Deutlich mehr als 1000 Grad Celsius waren nötig, um das Metall von der Schlacke zu trennen und so nutzbar zu machen. Der Begriff Rennofen stammt vermutlich vom Herausrinnen der Schlacke beziehungsweise des flüssigen Eisens aus dem Ofen.

Neben zahlreichen weiteren Exponaten und erläuternden Tafel beinhaltet die Ausstellung auch einen Raseneisenstein-haltigen Bohrkern aus der St.-Marien-Kirche in K.B. Bei deren Bau hatte das Material ebenso Verwendung gefunden wie bei der Kirchhorster Kirche St. Nikolai, der Bothfelder Kirche und beim Bau des Haghofs. Auch etliche Privatleute nutzten Raseneisenstein als kostenlos verfügbares Baumaterial für die Gefache ihrer Häuser.

Ziegelei war größter Arbeitgeber

Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Sonderausstellung befasst sich mit Ton und Lehm. Ende des 19. Jahrhunderts boomte die Baubranche. Millionen von Ziegelsteinen wurden in Isernhagen aus dem Ton der Gruben gebrannt und nach Hannover geliefert, wo daraus ganze Stadtquartiere entstanden. Bis 1968 war beispielsweise die Ziegelei in Lohne in Betrieb, die Flemming Dampfziegelei in Altwarmbüchen gab sogar erst 1978 die Produktion auf. „Das war damals der größte Arbeitgeber. Und der Ort lebte nach dem Rhythmus der Werkströte“, sagt die ehemalige Vereinsvorsitzende Inge Hanslik, die die Ausstellung federführend konzipiert hat. An die Firma Flemming erinnert noch heute die Tonkuhle zwischen der Stadtbahn-Endhaltestelle und dem Schulzentrum in Altwarmbüchen – und in der Ausstellung neben erläuternden Texten auch einige Ziegelsteine, eine Ziegelkarre und ein Originalkarton.

Ölrausch in Isernhagen

Erdöl in Isernhagen? Heute kaum vorstellbar, hatte es seit Ende der Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts in Isernhagen N.B. tatsächlich eine Erdölgesellschaft gegeben. So mancher Isernhagener Bauer habe gut daran verdient, seine Flächen für die Probebohrungen zur Verfügung zustellen, sagt Wolfgang Reich, Schriftführer beim Verein Nordhannoversches Bauernhausmuseum. Doch der Ölrausch, der seine Ursache in Funden in Thönse, Nienhagen und Wietze hatte, ebbte wieder ab. Der Wunsch nach wirtschftlichem Erfolg erfüllte sich nicht. An diese spannende Zeit erinnert das Museum nun unter anderem mit einem Bohrmeißel aus dem Erdölmuseum Wietze und sogenannten Nassproben, die bei Bohrungen gefördert worden waren.

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Von Frank Walter

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