Fahrsicherheitszentrum

ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Laatzen rüstet sich für autonomes Fahren

Vorsicht, Wassersäule: Bei den klassischen Fahrsicherheitstrainings auf dem ADAC-Gelände üben die Teilnehmer unter anderem, plötzlichen Hindernissen auszuweichen.

Vorsicht, Wassersäule: Bei den klassischen Fahrsicherheitstrainings auf dem ADAC-Gelände üben die Teilnehmer unter anderem, plötzlichen Hindernissen auszuweichen.

Rethen. Wie reagiert mein Fahrzeug auf eine Vollbremsung? Was mache ich auf rutschigem Untergrund? Wann muss ich gegenlenken? Solche Fragen stehen bislang im Zentrum des Betriebs beim ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Rethen. Schon bald könnten dort auch fahrerlose Autos unterwegs sein – zum Beispiel zu Testzwecken. Der ADAC macht derzeit Vorkehrungen, automatisiertes und autonomes Fahren auf seinem Gelände zu ermöglichen.

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Am Anfang steht dabei ein Verwaltungsakt. Denn um selbstfahrende Autos testen zu können, muss das Baurecht für das Gelände geändert werden. Laatzens Ratspolitiker im Stadtentwicklungsausschuss haben jetzt darin eingewilligt, den Bebauungsplan in dem Bereich zu ändern. Denn der sieht bislang zwar Fahrsicherheitstrainings vor, nicht aber Neuerungen wie interaktives und autonomes Fahren. Das überrascht nicht, denn solche Themen waren bei der Eröffnung des Geländes im Jahr 2004 noch nicht absehbar.

Neues Baurecht soll autonomes Fahren ermöglichen

„Es geht darum, dass der ADAC vorausschauend denkt“, erläuterte Jörg Schmidt, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung bei der Stadt Laatzen, bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses. Wenn Autos künftig selbstständig fahren lernten, werde die Nachfrage nach klassischen Fahrtrainings sinken. „Der ADAC will es deshalb zusammen mit Automobilherstellern und dem TÜV ermöglichen, dass dort autonomes und interaktives Fahren ausprobiert werden können“, sagte Schmidt. Das Problem: „Dies widerspricht im Moment der Zweckbestimmung.“

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Auf Nachfrage der Ratspolitiker stellte Schmidt klar, dass es nur um eine Erweiterung der Nutzung, nicht aber des Geländes gehe – von kleinen baulichen Veränderungen abgesehen. „Die Art der Nutzung ist das Entscheidende“, sagte der Fachbereichsleiter. Die Ausschusspolitiker stimmten daraufhin der Aufstellung eines neuen Bebauungsplans zu, sodass das Planverfahren beginnen kann. Die Details würden dann beim sogenannten Auslegungsbeschluss vorgestellt, stellte Schmidt in Aussicht.

Kooperation im Rahmen des „Testfelds Niedersachsen“

Das ADAC-Fahrsicherheitszentrum ist nach eigenen Angaben bereits seit Längerem am Thema automatisiertes Fahren dran. So sei der ADAC als Kooperationspartner unter anderem am „Testfeld Niedersachsen“ beteiligt, sagt die Geschäftsführerin des Fahrsicherheitszentrums Christine Rettig. So werden seit Anfang 2021 auf der A39 bei Braunschweig automatisierte und vernetzte Fahrzeuge getestet, deren Fahrverhalten und Verkehrsfluss erfasst und analysiert – und nicht nur da: Vor rund zwei Jahren habe der ADAC das gesamte Trainingsgelände in Laatzen genau kartografiert, um auch dort Praxistests für autonomes Fahren mit verschiedenen Verkehrssituationen zu ermöglichen. „Wir wollen Kunden und Endverbrauchern die Möglichkeit geben, Verkehrssituationen zu simulieren und zu zeigen, was autonomes Fahren für Chancen bietet“, sagt Rettig.

Bei Events stellt der ADAC schon jetzt Technologien wie das System Car2X vor – hier bei einer Fahrt mit Bügermeister Kai Eggert (rechts).

Bei Events stellt der ADAC schon jetzt Technologien wie das System Car2X vor – hier bei einer Fahrt mit Bügermeister Kai Eggert (rechts).

Bislang werde der Testbetrieb lediglich eventartig vorgeführt. Bei der Car2X-Technologie etwa können Gäste auf dem Bildschirm im Fahrzeug Simulationen verfolgen – etwa vorausfahrende Fahrzeuge, die stark bremsen, sodass im Auto ein Alarmsignal ertönt und der Fahrer reagieren kann. Im Regelbetrieb könnten Kunden wie VW dann künftig sogar komplette Verkehrssituationen beim ADAC simulieren. „Dann sitzt keiner mehr im Fahrzeug“, sagt Rettig. Dafür sei aber eine geänderte Baugenehmigung erforderlich.

ADAC plant Geräuschprüfstrecke

Parallel will der ADAC eine Geräuschprüfstrecke auf seinem Gelände einrichten. „Jedes Autos, das zugelassen wird, muss in den nächsten Jahren strengere Geräuschgrenzwerte einhalten“, sagt Rettig. „Die Autos werden leiser.“ Fahrzeuge, die vor der Zulassung stehen, würden dahingehend vom TÜV geprüft. Die Pläne sehen vor, dass eine rund 80 Meter lange Strecke neben dem bestehenden Offroad-Hügel neu asphaltiert und mit Messtechnik versehen wird. In Betrieb gehen soll die Anlage möglichst bis Sommer 2023.

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Trainings mit automatisierten Fahrzeugen bleiben freilich vorerst ein Zukunftsthema für das ADAC-Fahrsicherheitszentrum, betont Rettig. „Es dauert noch eine Weile, bis wir konkrete Produkte für Endverbraucher entwickeln können.“ Das Hauptaugenmerk bleibe auf den Fahrsicherheitstrainings.

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