Laatzen-Mitte

Stadtverwaltung will das Rathaus abreißen

Das Laatzener Rathaus ist abrissreif.

Das Laatzener Rathaus ist abrissreif.

Laatzen-Mitte. Seit Jahren diskutieren die Laatzener Stadtverwaltung und die Ratspolitik über die Zukunft des baufälligen Rathauses. Jetzt scheint eine Vorentscheidung gefallen: Die Stadtverwaltung nimmt von einer möglichen Sanierung des Rathauses Abschied und spricht sich für einen Neubau aus. Im gleichen Zug soll die Verwaltung auf zwei Standorte verteilt werden – ein Teil würde in einem Technischen Rathaus an der Gutenbergstraße untergebracht.

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Bekannt wurde der Planungsstand am Montagabend im Ausschuss für Wirtschaft und Vermögen. „Wir haben uns von einer Sanierung verabschiedet“, sagte Bau-Fachbereichsleiter Jürgen Pagels. Die Entscheidung hat vor allem technische Gründe: So würde das Rathaus bei einer grundlegenden Sanierung seinen Bestandsschutz verlieren – insbesondere hinsichtlich des Brandschutzes: Die Geschossdecken beispielsweise müssten dann einem 90- statt 60-minütigen Feuer standhalten und entsprechend neu verkleidet werden. „Dies würde jedoch das Tragwerk überlasten“, gab Pagels zu bedenken.

Dass Handlungsbedarf besteht, werde auch an anderen Details deutlich. Unter anderem entspreche der Aufbau von Dach und Fassade nicht heutigen energetischen Anforderungen. Auch die Fassade sei sanierungsbedürftig: „Wir können nicht ausschließen, dass uns irgendwann einmal Fassadenteile herunterfallen könnten“, warnte Pagels. Eine direkte Gefahr bestehe zwar nicht, „aber wir haben hier ein latentes Risiko“. Probleme bereiten zudem defekte Fensterelemente, bei ungünstigem Wind dringe Regen in Büros ein. Aus Steckdosenleisten, die unterhalb der Fensterbänke montiert sind, sei den Mitarbeitern schon Wasser entgegen gekommen. „Auch sind sämtliche Bodenbeläge abgängig.“ Schadstoffgutachten hätten zudem ergeben, dass Eingriffe mit Sanierungskosten verbunden wären.

Auf die vor einigen Jahren angestrebte Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für den Sanierungsfall habe man deshalb inzwischen verzichtet. „Eine Sanierung kommt aufgrund der Fakten nicht mehr infrage“, sagt Pagels, der zu einer zeitnahen Entscheidung riet. Denn sollte die Stadt weiter abwarten, sei mit Sanierungen „im hohen sechsstelligen Bereich“ zu rechnen.

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Aufteilung auf zwei Standorte

Sollten die Pläne umgesetzt werden, wird die Verwaltung dauerhaft auf zwei Standorte aufgeteilt. „Die publikumsrelevanten Abteilungen und Organisationseinheiten würden dann im Bereich des Leine-Centers bleiben.“ Das von der Stadt 2015 erworbene Bürohaus Gutenbergstraße 15 würde dann dauerhaft zum Technischen Rathaus umgewandelt. Schon jetzt sind in dem Gebäude unter anderem die Teams Hochbau, Tiefbau, Grünflächen und Gebäudeverwaltung untergebracht. Im November will die Stadt damit beginnen, auch das zweite Obergeschoss entsprechend einzurichten. In den oberen Geschossen sind zurzeit noch Flüchtlinge untergebracht, in Teilen des Erdgeschosses eine Kindertagesstätte.

Für den Altbau am Marktplatz gehen die Planer von einem Abriss 2021, wahrscheinlicher aber 2022 aus. Die Kosten schätzt die Verwaltung auf 3,3 Millionen Euro. Zahlen dazu, wie teuer der Neubau werden könnte, nannte Pagels nicht – dies hänge schließlich vom Raumprogramm ab, das noch mit der Politik abgestimmt werden müsse. Danach werde den Gremien eine Kostenschätzung vorgelegt. Auf jeden Fall solle der Neubau kleiner werden als das Bestandsgebäude. Ob er als Anbau oder als Solitär errichtet wird, stehe noch nicht fest.

Kritisch zum Vorgehen äußerte sich Ausschussmitglied Michael Riedel (SPD): „Sind wir nur für das Abnicken der Kosten zuständig oder können wir bei der Gestaltung des Rathauses mitwirken?“ fragte er. Pagels verwies auf die – nicht öffentliche – AG Integrierte Stadtplanung, in der Ratspolitiker beteiligt seien und wo die Pläne besprochen würden. In Absprache mit den Mitgliedern erarbeite die Verwaltung derzeit ein Grobkonzept für die unterschiedlichen Organisationseinheiten. Dabei werde auch überlegt, welche Sonderflächen für Beratung, Bibliothek und mögliche Mieter vorzusehen sind. „Da spricht die Politik natürlich planerisch ein Wort mit.“

Von Johannes Dorndorf

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