Verunreinigungen festgestellt

Enercity warnt vor Verwendung von Trinkwasser in Laatzen-Gleidingen – 700 Haushalte sind betroffen

Behelfen sich mit einem Tankanhänger: Weil das Trinkwasser in Gleidingen nicht verwendet werden darf, zapfen Anwohner aus einer Ersatzanlage.

Behelfen sich mit einem Tankanhänger: Weil das Trinkwasser in Gleidingen nicht verwendet werden darf, zapfen Anwohner aus einer Ersatzanlage.

Gleidingen. Der Energie- und Wasserversorger Enercity warnt vor dem Gebrauch von Trinkwasser in Teilen von Gleidingen. Anwohner hatten sich am Sonnabend darüber beklagt, dass das Wasser stark rieche und die Haut reize. Betroffen sind nach Enercity-Angaben rund 700 Haushalte im nördlichen Teil des Laatzener Stadtteils nördlich der Oesselser Straße.

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„Die Art der Verunreinigung, das Ausmaß und die potenzielle Eintragsquelle werden derzeit mit Hochdruck ermittelt“, erläutert Unternehmenssprecher Dirk Haushalter auf Nachfrage. Die Mitarbeiter seien vor Ort und hätten betroffene Abschnitte des Wassernetzes abgeriegelt und Wasserproben entnommen. Außerdem werde das Leitungsnetz an verschiedenen Stellen in Gleidingen gespült. Bislang sei unbekannt, was das Trinkwasser im Ortsteil belastet, die Laborergebnisse stünden noch aus. In einem Fall habe es eine Hautreizung gegeben.

Gesundheitsamt beschließt Trinkwasserbeschränkung

Nach Bekanntwerden der Probleme hatte das Gesundheitsamt der Region am Sonnabendabend entschieden, die Trinkwasserbeschränkung auszusprechen. Das Trinkwasser dürfe bis auf Weiteres weder verzehrt noch zur Körperhygiene oder zum Waschen von Wäsche genutzt werden, hieß es. „Die Wassernutzung zur Toilettenspülung ist möglich“, teilt Enercity mit.

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Alles muss raus: Enercity lässt an der Tordenskioldstraße Trinkwasser abfließen, um die Leitungen zu spülen.

Alles muss raus: Enercity lässt an der Tordenskioldstraße Trinkwasser abfließen, um die Leitungen zu spülen.

Das Unternehmen informierte Anwohner am späten Abend per Lautsprecherdurchsagen über die Situation. Anwohner berichten, sie hätten die Durchsagen gegen 23.30 Uhr gehört. Die Ausgabe von Infobroschüren sei in Vorbereitung, kündigte Enercity am Sonntagmittag an. Nähere Informationen gibt es zudem im Internet auf den Seiten www.enercity.de/presse/betrieb-und-baustellen/2022/wasserstoerung-gleidingen sowie auf der städtischen Internetseite unter www.laatzen.de. Anwohner können sich zudem telefonisch unter (0511) 4303777 an die enercity-Störungsannahme wenden. Die Notrufnummern 110 und 112 sind hingegen nicht zuständig.

Anhänger mit Wassertanks an vier Standorten

Um die Wasserversorgung für betroffene Haushalte sicherzustellen, stellte Enercity noch in der Nacht mehrere Anhänger mit Wassertanks im Ortsteil auf. Die Wagen stehen vor den Häusern Ringstraße 20, Gänsewiese 10, Seikengarten 13 und Nordstraße 2. Die ersten Behälter waren allerdings schon nach kurzer Zeit geleert. „Ich habe gegen 8 Uhr noch etwas bekommen, da war ganz schön was los“, sagt Oliver Redmann, der am Steinacker wohnt. Als er kurz vor Mittag gemeinsam mit seiner Tochter zurückkehrte, war der Behälter am Seikengarten dann allerdings schon leer – so wie auch an der Nordstraße. Gegen 13 Uhr wechselte Enercity dann die Tankanhänger aus und ergänzte die Versorgung um einen Wasserwagen an der Ecke Hildesheimer Straße/Ritterstraße und ein Standrohr am Enzianweg/Hildesheimer Straße.Folgende Straßen sind von der Trinkwasserbeschränkung betroffen: Am Hang, Am Heesekamp, Am Springborn, Am Steinacker, Anemonenweg, Bienenweide, Gänsewiese, Hanno-Ring, Hildesheimer Straße (ungerade Hausnummern: 501 bis 565, gerade Hausnummern: 412 bis 546), Honigbienenweg, Hummelweg, Im Winkel, Immengarten, In der Welle, Langhusveien, Libellenweg, Maschstraße, Masurenweg, Nordstraße, Oesseler Straße, Osterstraße (ungerade: 1 bis 25, gerade: 2 bis 20), Ringstraße, Ritterstraße, Schützenstraße, Seikengarten, Thorstraße, Tordenskioldstraße, Triftstraße, Zeppelinweg.

Rot und grün: Die Karte zeigt an, welche Teile Gleidingens von der Trinkwasser-Warnung betroffen sind.

Rot und grün: Die Karte zeigt an, welche Teile Gleidingens von der Trinkwasser-Warnung betroffen sind.

Laatzens Bürgermeister Kai Eggert, der selbst in dem kritischen Versorgungsgebiet wohnt, ist nach eigenen Angaben am Sonnabend zwischen 21 und 22 Uhr über den Vorfall informiert worden; er habe sich sofort mit Enercity in Verbindung gesetzt. Um 0.13 Uhr habe die Stadt eine Meldung über das Notfallwarnsystem Katwarn veröffentlicht – nach Rücksprache mit Enercity habe man dafür eine Pressemitteilung durch den Wasserversorger abwarten wollen, der bei der Öffentlichkeitsarbeit die Federführung habe. „Das hat aus meiner Sicht zu lange gedauert“, sagt Eggert im Gespräch mit dieser Zeitung.

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Duschen im BSV-Vereinsheim für Betroffene geöffnet

„Wir haben organisiert, dass die Bürger im Vereinsheim des BSV Gleidingen duschen gehen können“, ergänzt Eggert. Dies solle auch in den nächsten Tagen möglich sein, falls die Situation anhält. Das Krisenmanamgent der Stadt stehe bereit. Geklärt werden müsse unter anderem, ob öffentliche Einrichtungen wie Kindertagesstätten und soziale Einrichtungen am Montag wieder öffnen können. Überlegt werde auch, ob das THW eingeschaltet werden solle – etwa, um weitere Trinkwasserbehälter vor Ort zu haben. Gespräche laufen laut Enercity auch mit dem DRK, um Personen, die nicht mobil sind, Wasser an die Haustür zu bringen.

Auf Wunsch Eggerts hin öffnete zudem Peter Jeßberger am Sonntag seinen Getränkemarkt an der Ritterstraße von 11 bis 14 Uhr. „Wir hatten über 100 Kunden da“, sagt Jeßberger bereits gegen 13 Uhr. Stilles Wasser sei schnell ausverkauft gewesen, auch Mineralwasser mit Kohlensäure sei gut weggegangen. „Ich habe erst am Freitag die Bestände aufgefällt – eigentlich sollte das für eine Woche reichen“, berichtet er.

Anwohner helfen sich selbst

Die meisten Gleidinger gingen am Sonntag pragmatisch mit der Situation um. „Wir haben heute Morgen eine Katzenwäsche gemacht“, sagt etwa Oliver Redmann. Das zuvor am Enercity-Anhänger gesammelte Wasser habe auch fürs Zähneputzen gereicht. Getränkemarktkunde Torsten Rabe will sein Wohnmobil nach Gleidingen schaffen, das über einen großen Tank verfüge, Duschen könne er zudem bei der Arbeit. Auch sprachen sich die Probleme in der Wasserversorgung im Ortsteil relativ schnell herum: Viele berichten, dass sie nicht nur durch die Lautsprecherwagen, sondern auch von Nachbarn und durch Freunde etwa per WhatsApp informiert wurden.

Deckt sich beim Gleidinger Getränkemarkt mit Trinkwasser ein: Anwohner Torsten Rabe.

Deckt sich beim Gleidinger Getränkemarkt mit Trinkwasser ein: Anwohner Torsten Rabe.

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Unterdessen rätseln viele im Ortsteil über die Ursache der Verunreinigung – und oft fällt der Name des Schlachthofs an der Oesselser Straße. So berichtet ein Anwohner der Straße, das Wasser bei ihm habe gestunken – während andere, die weiter unterhalb dieses Standorts wohnen, solche Gerüche nicht festgestellt haben. Auffällig ist auch, dass das von Enercity abgeschottete Gebiet genau am Schlachthof beginnt. Allerdings befinden sich auf der Höhe des Schlachthofs eine Reihe von Gewerbebetrieben, unter anderem auch im gegenüberliegenden Gewerbegebiet Am Radlah.

Enercity äußerte sich zu solchen Spekulationen nicht, bestätigte aber, dass das Trinkwasser von Osten her kommend nach Gleidingen geleitet wird. Die Suche nach der Ursache laufe, man rechne erst für Montag mit ersten Ergebnissen der Laborbefunde. Auch sei noch unklar, wie lange die Situation andauere. „Das kann schnell gehen, kann aber auch mehrere Tage dauern“, sagte Sprecher Haushalter.

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Mitte Juli hatte es bereits eine andere Trinkwasserstörung gegeben. Rund 2500 Haushalte in Gleidingen und Ingeln-Oesselse sowie zwei Straßenzüge in Rethen hatten über einen Zeitraum von etwa 3,5 Stunden kein Wasser. Ursache für die Störung war ein Defekt an einer Rohrverschraubung, zu Verunreinigungen kam es nicht.

Von Johannes Dorndorf/RND

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