Hänigsen/Engensen/Ingeln

The Fairytales fliegen zum europäischen Doo-Wop-Treffen nach Mallorca

Nostalgisches Ambiente mit Nierentisch, Clubsessel, viel Vinyl und Röhrenradio: Christian Tieben (von links), Manuel Boeglin und Lutz Degenhardt fühlen sich nicht nur musikalisch in den 1950-er und 1960-er Jahren wohl.

Nostalgisches Ambiente mit Nierentisch, Clubsessel, viel Vinyl und Röhrenradio: Christian Tieben (von links), Manuel Boeglin und Lutz Degenhardt fühlen sich nicht nur musikalisch in den 1950-er und 1960-er Jahren wohl.

Hänigsen/Mallorca. Für Steven werden sie singen und es wird sich anfühlen, als ob er noch dabei wäre. Natürlich, sagt Bandmanager Christian Tieben, nähmen sie es ihrem Tenor und Chef-Entertainer und Technikminister und Menschenverbinder übel, dass er im Mai nach kurzer schwerer Krankheit einfach gestorben ist. Natürlich ist aber das Gegenteil gemeint: Stevens Lieblingsstück – eine A-cappella-Version von „Basket Case“ – steht ganz oben auf der Playlist, wenn The Fairytales am 29. Oktober beim 4. Doo-Wop-Fever-Festival auf Mallorca eine ganz große Bühne haben werden. Mit dem Green-Day-Titel wollen sie im historischen Theater des Städtchens Artá vor 700 Gästen an ihren Freund und Musikerkollegen erinnern. Es wird der erste Auftritt nach Steven Englers Tod.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Vier Männer, vier Stimmen, eine Harmonie

„Vier Männer, vier Stimmen, eine Harmonie“: Das war bisher der Fairytales-Slogan. Seit 1996 hatten Christian Tieben (Bariton, 50), Manuel Boeglin (44, Leadsänger) und Lutz „Lou“ Degenhardt (Arrangeur, 51) gemeinsam mit Steven Engler ursprünglich von der Gemeinde Uetze aus die Region Hannover und ganz Norddeutschland mit ihrem A-cappella-Gesang erobert. Bei Hunderten von Auftritten hat das Quartett musikalische Preziosen wie „I Wonder Why“, „The Lion Sleeps Tonight“ oder „Da Doo Ron Ron“ kunst- und humorvoll interpretiert. Auf Burgdorfs Oktobermarkt und zahlreichen A-cappella-Festivals waren The Fairytales als Gäste gesetzt, zum 20. Bandjubiläum gaben sich Fans und Szene im Veranstaltungszentrum ein Stelldichein. Die Party zum 25. wäre im Covid-Jahr 2021 fällig gewesen.

Nun dürfen die Fairytales sich als feste Größe der einschlägigen Musikszene mit zehn weiteren Bands beim 4. Doo-Wop-Fever-Festival die Bühne teilen. Mallorca wird eine Art europäisches Familientreffen, zu dem die Flugtickets per Post kamen. In die Vorfreude über diesen Ritterschlag mischt sich trotzdem Trauer. Dass ihr bisheriger Tenor ausgerechnet von einem Sänger der Wolfsburger Formation The Crystalairs vertreten werden wird, wirkt wie bittere Ironie des Schicksals. Steven Engler hatte seinerseits noch zugesagt, in Artá für einen verstorbenen Sänger der Crystalairs einzuspringen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Wir waren eine Bruderschaft“

Wie es nach Pandemie, Englers Tod und Mallorca weitergeht? „Wir werden uns neu erfinden müssen“, sagt Lou Degenhardt, gestandener Familienvater wie seine Mitmusiker. Nahtlos an die bisherigen 26 Jahre Bandgeschichte lasse sich nicht anknüpfen. „Wir waren wie eine Bruderschaft.“ Die Harmonie aus dem Bandslogan ging weit hinaus über die Hingabe an Rock ’n’ Roll, Rhythm and Blues und Doo-Wop. Mit ihrer Musik und ihrem Outfit versetzten die Fairytales sich und ihr Publikum in „Dekaden, in denen die Welt noch verstanden werden konnte“. In die 50er und 60er Jahre, als es noch Milchbars gab, die denn auch in einem eigenen Song besungen wurden.

Das letzte „offizielle“ Bandfoto mit Steven Engler (2. von rechts) entstand einen Monat vor Beginn der Pandemie. Der Tenor und Chef-Entertainer der Fairytales starb im Mai dieses Jahres.

Das letzte „offizielle“ Bandfoto mit Steven Engler (2. von rechts) entstand einen Monat vor Beginn der Pandemie. Der Tenor und Chef-Entertainer der Fairytales starb im Mai dieses Jahres.

Christian Tieben ist Projektmanager in der IT-Branche und lebt als einziger noch in Hänigsen. Beim letzten Treffen vor dem Abflug nach Mallorca versammeln sich alle fürs Foto rund um einen Nierentisch. Clubsessel, eine Schrankwand voller Vinyl-Scheiben unter dem Röhrenradio runden das nostalgische Bild ab. Manuel Boeglin, der die Klinikwerkstatt des Großburgwedeler Klinikums leitet und in Engensen wohnt, ist mit der Harley da. Und auch Lutz Degenhardt, den es nach Laatzen-Ingeln verschlagen und der seine Zahnarztpraxis in Hemmingen hat, käme nie auf die Idee, von der Leidenschaft fürs Schrauben an Motorrädern und Oldtimern abzulassen.

Neue(r) Mitsänger willkommen

Beschlossene Sache ist: Die drei verbliebenen Mitglieder des Ensembles wollen weitermachen und suchen dafür einen oder auch zwei neue Sänger. Die Voraussetzungen lauten: Singen können, musikalisches Gehör und die erforderliche Zeit für die wöchentlichen Proben. Notenkenntnisse seien verzichtbar, da verweisen die Sänger auf ihre eigene autodidaktische Arbeitsweise Selbstoptimierung durch Praxis. Interessenten können die Band per E-Mail an info@fairytales.de oder unter der Rufnummer (01 78) 8 76 34 10 erreichen.

Mehr aus Laatzen

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen