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Wedemark

Anregende Eiszeit-Reise am Brelinger Berg

An der Bruchkante der Kiesgrube ist der Ausblick faszinierend.

An der Bruchkante der Kiesgrube ist der Ausblick faszinierend.

Oegenbostel.Die Straßenbezeichnung heißt „Am Hügel“. Tarja (6) und Henri (8) stehen während ihrer Sommerferien in Höhe des Oegenbosteler Friedhofs und fiebern den kommenden Stunden entgegen. Mit der promovierten Paläontolgin Kerstin Athen wollen sie den Geopfad erkunden und sind ebenso gespannt wie neugierig. Unter Fachleuten heißt der „Hügel“ Endmöräne, weil er vor rund 250.000 Jahren während der sogenannten Saale-Eiszeit entstanden ist. Damals bedeckten Gletscher Norddeutschland. Aus Skandinavien kam die nach Süden wandernde Eisschicht und schob sich langsam weiter.

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Doch bei den sommerlichen Temperaturen ist es für Tarja und Henri kaum vorstellbar, dass Norddeutschland damals von einer mehreren hundert Metern dicken Eisschicht überzogen war. Die Gletscher schoben Geröllmassen vor sich her, auf denen die beiden Geopfad-Spürnasen jetzt herumstiefeln. Denn einer dieser eiszeitlichen Geröllhaufen ist der Brelinger Berg. „Hier in der Wedemark endete der Gletscher und hinterließ viele Spuren“, erklärt Kerstin Athen und fischt Eiswürfel aus ihrer Thermoskanne. Wer genau hinschaut, und das machen Tarja und Henri natürlich, entdeckt einen eingeschlossenen Stein und sogar den Zahn eines Tieres. Außerdem kann man in der Umgebung weit gereistes Geröll, wie Feuer-, Sand, Eisen-, Kalk und Raseneisensteine entdecken.

Doch zu Beginn ihrer Tour heften die Tarja und Henri ihre Blicke nicht auf den Boden. Stattdessen lassen sie sich wie Hänsel und Gretel durch rote Bindfäden, die entlang des Weges in Büschen baumeln, zu einem besonderen Ausguck leiten. Wie im Märchen geht es dabei durch einen kleinen Wald, der aber abrupt endet. Der Weg ist weg, aber vor der Wandergruppe erstreckt sich ein enormes Loch, in dessen Tiefe das Grundwasser blau schimmert. Am Steilufer gegenüber erkennt man die unterschiedlichen Farben der Erdschichten. Auf dem Wasser ruht ein Schwimmbagger zwischen Enten und Schwänen, denn hier wird Kies abgebaut. Die Kinder staunen ebenso, wie ihre erwachsenen Begleiter. Diesen Anblick hätte hier niemand vermutet.

Der nächste Streckenabschnitt verläuft parallel zur Oegenbosteler Straße Richtung Osten, aber entlang des kleinen Höhenzuges am Rande der Sandgrube. Am Wegesrand weiden Kühe. Kerstin Athen berichtet, dass man das Abbrechen von Gletscherstücken „kalben“ nennt, wie die Geburt in der Tierwelt. Das finden die Kinder ebenso originell wie ihre Eltern. Dann taucht die Installation von Matthias Lehmann auf. Stäbe durchbohren Steine, die innerhalb eines Quaders angeordnet sind. Stellt man sich in die Beton-Fußform, ein paar Meter davor, kann man der Skulptur sogar ein Geheimnis entlocken: Die Buchstaben „EIS“ lassen sich entziffern. Natürlich gibt es noch weitere Stationen und viel mehr zu erzählen, aber das hört man am Besten von Paläontologin Kerstin Ahlten persönlich bei einer geführten Tour. Weitere Informationen und Anregungen zum Rundgang bietet auch die Internetseite: www.bewegte-steine.de

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Von Patricia Chadde

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