Umbenannt

Am Berliner Hauptbahnhof gibt es kein Lehrte mehr

Abgehängt: Der historische Lehrter Bahnhof ist von den Schildern im Berliner Hauptbahnhof verschwunden.

Abgehängt: Der historische Lehrter Bahnhof ist von den Schildern im Berliner Hauptbahnhof verschwunden.

Berlin. Es ist das Ende einer langen Geschichte, die nach Ansicht des Lehrters André Tepper vor allem die Geschichtsvergessenheit der Deutschen Bahn belegt. „Es ist eine Frechheit, dass die das angesichts der Vorgeschichte so handhaben“, sagt Tepper, der im Kampf um den Bahnhofsnamen für den Berliner Glaspalast mit Schienenanschluss einst an vorderster Front unterwegs war.

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Um die Empfindungen der Lehrter nachvollziehen zu können, reicht ein kurzer Blick in die Historie. Die Stadt war und ist Eisenbahnknotenpunkt; hier befand sich früher der erste Bahnhof im Hannöverschen für Züge aus Richtung Osten und damit aus Berlin. Deshalb kennen auch die Hauptstädter den Namen Lehrter Bahnhof seit fast 150 Jahren. Der Kopfbahnhof, aus dem die Züge ins Niedersächsische abfuhren, hieß so, der später in unmittelbarer Nachbarschaft gebaute Bahnhof für die Stadtbahn ebenso.

Als die Bahn nach dem Kopf- auch den Stadtbahnhof abriss und dafür den neuen Hauptbahnhof in den Spreebogen setzte, entbrannte ein bundesweit beachteter Namensstreit. Der damalige Konzernchef Hartmut Mehdorn wollte vor zehn Jahren von Lehrte auf den Schildern nichts mehr wissen. Das rief den damals 16-jährigen Tepper auf den Plan. Er organisierte eine Unterschriftensammlung – auch Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel setzten sich dabei für Lehrte ein. Das Ergebnis war ein Kompromiss: Auf den Ferngleisen entfiel der Name Lehrte, aber auf den Gleisen für die S-Bahn-Züge hieß es weiter Berlin Hauptbahnhof, Lehrter Bahnhof.

In der vergangenen Woche nun nahm die Bahn klammheimlich einen Schildertausch vor. Ein Konzernsprecher konnte gestern dafür keine Begründung liefern. Vielleicht hat sie gedacht, mittlerweile sei genügend Gras über die Sache gewachsen, um sie stillschweigend ganz zu beenden. Und vielleicht wäre sie damit sogar durchgekommen, wenn nicht der Berliner Fahrgastverband IGEB genau hingesehen und protestiert hätte. "Die Bahn hat nichts dazugelernt", findet auch der Lehrter Tepper und weist darauf hin, dass sich die Berliner vor zehn Jahren in einer Bürgerbefragung mit einer Mehrheit von satten 70 Prozent für den Namen "Lehrter Bahnhof" entschieden hatten. Er will sich nun an den jetzigen Bahnchef Rüdiger Grube wenden.
Trost finden können die Kleinstädter in dem Umstand, dass die Straße zum Bahnhof nach wie vor Lehrter Straße heißt. Eine Umbenennung in Hauptbahnhofstraße ist nicht geplant.

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